Heldenstein – Die Musiker nahmen ihre Plätze ein und sofort ging es los mit dem Bayerischen Defiliermarsch, durch Rhythmus und Ausdruck als Stimmungsbringer perfekt. Rupert Kamhuber freute sich über die vielen Zuhörer und wünschte mit einem herzlichen „Grüß Gott“ Freude an dem Programm des Abends, einer Musikrichtung, die immer wieder begeistert.
Das erste Stück, „Böhmischer Frühling“, lässt Blumen und Tiere erwachen. Schön die dunklen Töne der großen Bleche mit ihren interessanten Rhythmen, weich, getragen mit Paukenschlägen verziert. Bei der „Egerländer Dorfpolka“ ging es gleich herzhaft zur Sache mit schönen Variationen des Themas, und tänzerisch sehr reizvoll.
Es folgte von Peter Schad der Walzer „Letztes Abendrot“, mit viel Gefühl gespielt. Der harmonische Schwung kommt hinzu und wird verdeutlicht, als die Musiker sich bei Übernahme der Themenführung in Gruppen den Instrumenten entsprechend erheben.
Ein Edelmann darf bei einem bayerisch-böhmischen Konzert nicht fehlen. Sein „Tennafest-Landler“ beginnt wie ein Marsch, wird dann aber mit ausgeprägtem Dreiviertel-Takt doch zum Walzer.
Marsch mit Pauken
und Trompeten
„Von Freund zu Freund“ eine Polka von dem Südtiroler Martin Scharnagl, kommt erst langsam und bedächtig vorgetragen daher, wie eben ein Gespräch unter Freunden, bis sie sich geeinigt haben, mit Freude und Schwung einander mitzureißen, aber auch in weichen, tragenden Passagen freundschaftlichen Umgang zu pflegen. Danach folgt der Marsch „Bohemia“ mit energischem Beginn, an Kanonendonner erinnernd, der sich dann, schön schwungvoll vorgetragen, zum Marsch entwickelt.
Nach der Pause geht es weiter mit „Salemonia“, einem wuchtigen Konzertmarsch von Kurt Gäble, der alles bietet, was zu einem Marsch gehört wie Pauken und Trompetern, Fanfarenklänge, dazwischen sanftere Themen. Rupert Kamhuber führt die Musiker mit Freude, lässt die Musik fließen.
Es folgt ein Klassiker der Blasmusik, die „Chodunska-Polka“. Schon der Beginn des Stücks nimmt einen mit wie eine alte Bekannte, Tenorhorn und Posaune übernehmen die Führung, geben das Thema weiter an die Trompeten, bis sich alle im kräftigen Polka-Rhythmus wieder treffen.
Solo für Tenorhorn bei Antonin Zvaceks „Zimmermann Polka“ , diesmal aber ganz vorne und führend die sechs Hornbläser, denen die anderen Instrumente wie Antworten auf ihre Vorgaben folgen, bis das gesamte Orchester nicht mehr zu halten ist und die Musik mit allen Möglichkeiten auskostet.
„Träumerei“, ein Walzer von Sven Heidt, der Beginn erinnert an ein vielstimmig vorgetragenes Märchen und nimmt die Zuhörer mit in eine andere Welt. Schöner kann dieses Stück nicht gespielt werden Und noch einmal Scharnagl mit seiner Polka „Neue Wege“. Bergwind, Waldrauschen, fröhliche Feste im Grünen – tirolerisch eben. Schönes Thema, das viel Spielraum zulässt.
In die gute alte Zeit entführt die „Amtsgericht-Polka“ von Willi Löffler. Der König, ein kunstsinniger Monarch, war schwermütig, das Bier war noch dunkel, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren a bissl vornehm und a bissl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals, wie sich’s gehört. Und so kommt auch die Musik daher, akzentuiert in ihrem typisch altbayerischen Stil – herrlich schön!
„Wir Musikanten“, eine Polka von Kurt Gäble, sozusagen eine Hommage an die Musiker, die monatelang üben und dann ist so ein schönes Arrangement so schnell vorgetragen und vorbei!
Bei so viel Qualität konnte dieses Konzert nicht ohne Zugaben enden. „Böhmischer Traum“, sozusagen die Fortsetzung des „Böhmischen Frühlings“, natürlich mit Traumelementen, die im Hintergrund erklangen wie Geisterstimmen aus der Tuba, Schwebendes von den Trompeten, feine Stimmen von Klarinetten und Flöten und zum Finale das ganze breite Thema wundervoll gemeinsam vorgetragen mit abschließendem Paukenschlag. Die „Lottchen-Polka“ aus Tschechien brachte von Anfang an viel Schwung mit – Lottchen wirbelte durch alle Instrumente.
Und dann einer noch: Der Fliegermarsch – so bekannt die Melodie ist, reißt sie einen doch immer wieder mit, lässt einen die Arme ausbreiten und unter den Wolken segeln, mit Blick auf die quirlige Vielfalt unserer Welt.