Ausstellung des Geschichtsvereins am wochenende

Als die Haager „protestantisch“ wurden

von Redaktion

Anlässlich des Jubiläums der Reformation lädt der Geschichtsverein am kommenden Wochenende am 25. und 26. November zu einer Ausstellung in das Pfarrheim ein. Sie soll den besonderen Stellenwert Haags unterstreichen, wo Graf Ladislaus schon 1558 die Religionsfreiheit eingeführt hatte.

Haag – Die Themenbereiche der Bilder und Texte gliedern sich in die Darstellung der Grafschaft Haag, der Reformation vom Thesenanschlag bis zum Religionsfrieden, der Kirchenorganisation in der Grafschaft Haag von 1541 bis 1566, Graf Ladislaus und die folgende Rekatholisierung. Die Inhalte überarbeitete Vorstand Gerhard Kramer, der ein wichtiges Jubiläumsdatum für Haag im nächsten Jahr nennt: „Wir gedenken damit auch der Ausrufung der Religionsfreiheit in der Grafschaft anno 1588.“ 450 Jahre sind dann verflossen, als die Haager „protestantisch“ wurden.

Nicht fehlen darf im Rahmen so einer Ausstellung das berühmte Ölgemälde des Grafen Ladislaus im Ornat des Reichsgrafen mit Geparden von dem Münchener Hofmaler Mielich aus dem Jahre 1557. Das Original befindet sich bei den Fürsten in Liechtenstein. „Das markanteste an der Haager Reformation war die öffentliche Ausrufung der Religionsfreiheit“, so Gerhard Kramer. Jeder Untertan sollte frei nach seinem Gewissen entscheiden können, welche Konfession er wählen wollte. Sie habe zu den unterschiedlichsten Ergebnissen geführt.

Zu etwa 85 Prozent

evangelisch

Eine Karte zeigt die Flächen und Kirchen der ehemaligen sechs Pfarreien farbig: Kirchdorf, Schwindau, Albaching, Schwindkirchen, Rechtmehring und Rieden. Die beiden südlichen Pfarreien Albaching und Rieden waren von der Reformation wenig berührt. In den beiden mittleren Rechtmehring und Kirchdorf hielten sich Katholiken und Evangelische etwa die Waage.

Bei den beiden nördlichen Pfarreien Schwindau und Schwindkirchen dominierten die Evangelischen stark. So war die Pfarrei Schwindkirchen zu etwa 85 Prozent evangelisch, in der Pfarrei Schwindau waren es 96 Prozent. Dargestellt sind auch die Rechte der Haager Landeskirche, die Einsetzung der Pfarrer und ihre Konfession. Mit dem Tod von Graf Ladislaus 1566 ging der Traum von der Haager Reformation schon wieder zu Ende: Die Truppen der Wittelsbacher standen an der Grenze, Haag wurde bayerisch und katholisch. Das wollten sich einige nicht gefallen lassen, sie mussten „samt Weib und Kinder“ auswandern.

Ramsauer Prior leiht Luther sein Pferd zur Flucht

Zu unterstreichen bleibt in diesem Zusammenhang natürlich auch das Faktum, das der Haager Geschichtsforscher Rudolf Münch schon des Öfteren erwähnte: Als Martin Luther in Augsburg von Kardinal Kajetan verhört wurde, lieh ihm der Ramsauer Prior Martin Glaser sein Pferd zur Flucht. Dazu gehört auch ein Brief, der eingesehen werden kann. Luther schrieb ihn am 15. Mai 1519 in lateinischer Sprache an den Prior in der Reichsgrafschaft Haag und nannte ihn dabei den „ehrwürdigen Vater“ und „Baccalaureus der heiligen Theologie“ der „Eremiten zu Ramsau“.

Luther berichtet darin über seine laufenden Bibelübersetzungen, so dass die „Epistel an die Galater“ des Apostels Paulus in Druck gegangen sei. Der Prior werde sie auch erhalten. Aus Rom habe er erfahren, dass man eine Papiergestalt namens Luther auf dem Campo dei Fiori verbrannt und verflucht habe. Er vermute Blutvergießen und Kriege: „Die ganze Welt wankt und ist in Bewegung, sowohl im Leibe als am Geiste“, schrieb Martin Luther und forderte seinen Freund in Ramsau dabei auf, für ihn zu beten.

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