Wo viel Licht ist, ist starker Schatten. Wusste Goethe. Wo kein Licht ist, ist nichts als Schatten. Wissen seit Montagabend die Fußballfans, die im Grünwalder Stadion ihre Lichtgestalten auf dem Rasen bewundern wollten. Bis es hieß: Stromausfall, Dauerdunkel, 1860 gegen Buchbach abgesagt, ab nach Hause.
Als ob das so einfach wäre. Genau 104,2 Kilometer liegen zwischen Giesings Höhen und daheim. Das sind 75 Minuten Fahrzeit, in denen der Freund und Begleiter – bekennender Buchbach-Fan und Mitarbeiter des Sponsors „Elektro Bauer“ – mit spürbarem Genuss die Finger tiefer und tiefer in die Löwenwunde legt: Ob bei 1860 nun endgültig die Lichter ausgehen? Ob man vielleicht schnell einen Servicetechniker anrufen soll? Ob nicht ein wenig mehr Energie dem Spiel gut getan hätte? Witzig, nicht?
Als wäre es nicht schlimm genug, dass die Sechziger aktuell Lichtjahre von den strahlenden Fußballarenen dieser Welt entfernt sind, hat das heiß geliebte „Grünwalder“ ausgerechnet dann keinen Strom, wenn es gegen die Mannschaft geht, die das Logo von „Elektro Bauer“ auf der Brust trägt. Um es mit Andreas Brehme zu sagen: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“
Und gerade als der Herzschmerz nachlässt, als man schon wieder darüber schmunzeln kann, dass 208,4 Kilometer Autofahrt für eine lauwarme Stadionschnitzelsemmel und ein schales Plastikbecherbier eine ansehnliche Strecke sind, erreicht einen diese Meldung aus Neumarkt-St. Veit, wo im Pfarrheim gerade neue Lampen installiert werden: „Da diese zu Beginn 100 Stunden durchbrennen müssen, damit sie eine lange Lebensdauer haben, ist im Pfarrheim derzeit die ganze Nacht das Licht an.“ Nur damit sich keiner wundert. Aber mal ehrlich: Als Löwenfan wundert man sich über gar nichts mehr. Auch nicht, wenn im Dunkeln mal ein Licht brennt.Wolfgang Haserer