Töging – Als „Generationenfrage“ bezeichnete Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst die Meinungen zur Lärmverordnung. Eine Frage, die sehr emotional diskutiert werde. Er selbst könne sich sehr gut eine Stunde Mittagsruhe vorstellen und sprach von einer „Befriedung der Situation“.
Vorausgegangen war eine Empfehlung des Hauptausschusses, künftig auf eine Mittagsruhe zu verzichten (wir berichteten). Argumentiert wurde mit einer flexibleren Arbeitswelt und geänderten gesellschaftlichen Strukturen. Die alte Lärmschutzverordnung stammt aus dem Jahr 1997 und kam turnusgemäß auf den Prüfstand.
559 Unterschriften
gesammelt
Vor der Entscheidung im Stadtrat hatte Werner Lehner, ehemaliges Stadtratsmitglied, eine Unterschriftenaktion organisiert und damit eine Diskussion in der Stadt angestoßen. 559 Unterzeichner sprachen sich für den Erhalt der Mittagsruhe aus. Es wären wohl noch mehr gewesen, sagte Werner Lehner. Aber vielen seien die vorgeschlagenen Ruhezeiten von zwei Stunden und am Samstag ab 15 Uhr zu lang gewesen.
Im Gremium waren die Meinungen gespalten: Während Renate Kreitmeier (CSU) eine einstündige Mittagsruhe als sinnvoll erachtete, die „jedem gut tut“, hält Gerhard Pfrombeck (CSU) eine Mittagsruhe für „nicht zeitgemäß“. „Es wird nicht jeder den Rasenmäher einschalten, wenn die Mittagsruhe wegfällt“, sagte er. Ohnehin sei das Bundesgesetz ausreichend. Gesetze würden keinen Nachbarschaftsstreit lösen, argumentierte Christoph Joachimbauer (CSU). Gegenseitige Rücksichtnahme sei wichtiger als zu viele Regelungen.
Werner Noske (SPD) vertraut den Bürgern so weit, dass „es kein Chaos geben wird“, wenn die Mittagsruhe wegfällt. Denn es gebe auch Bürger, die keine Mittagsruhe wünschen. „Ich mag nicht mehr die ständige Reglementierung“, sagte Brigitte Gruber (parteilos). Man dürfe die nicht vergessen, die keine Mittagsruhe wollen. Sie appellierte an ein „Miteinander“.
Flexibiltät trotz
Mittagsruhe
Dritter Bürgermeister Günter Zellner (SPD) hält Gesetze und Verordnungen für wichtig. „Sie regeln das Zusammenleben und da ist nichts Negatives.“ Ihm sei es lieber, den Nachbarn zu fragen, ob er noch ein paar Minuten länger den Rasen mähen könne, als dass er den Nachbarn bitten müsse, dass dieser nicht mäht, wenn er mittags beim Essen auf der Terrasse sitzt. Marcus Köhler (CSU) habe viele Gespräche geführt, daher sah er den Bedarf, darüber nachzudenken und zum Wohl der Bürger zu entscheiden.
Auch mit Mittagsruhe könne man mindestens elf Stunden laut sein, rechnete Markus Staller (SPD) vor, der auf die gesundheitlichen Gefahren von Lärm hinwies. „Ruhebedürfnis ist ein hohes Gut“, sagte Dr. Martin Huber (CSU). Mit einer Stunde Mittagsruhe sei eine Flexibilität möglich. Josef Neuberger (FW) sprach sich für eine Lärmschutzverordnung aus. Diese regle mehr als nur das Rasenmähen, sondern zum Beispiel auch laute Musik.
Auch künftig wird Töging eine eigene Lärmschutzverordnung haben. Denkbar knapp – mit 10:10 Stimmen – wurde der Antrag abgelehnt, auf diese zu verzichten. Deutlicher hingegen war die Abstimmung, wie lange die Mittagsruhe dauern soll. Mit 15:5 Stimmen einigte sich das Gremium auf einen Kompromiss: Von 12 bis 13 Uhr ist in Töging Mittagsruhe und damit eine Stunde kürzer als bisher.