Schwindegg – Es gehört zur Tradition der Totengräber und Leichenfrauen, dass sie sich jährlich einmal zum Gedankenaustausch und gemütlichem Zusammensein treffen.
Dieses Mal trafen sie sich, organisiert von Emilie Enthofer, Alois Sonnleitner und Franz Lohmair, im Bürgerhaus von Schwindegg unter der Mithilfe des dortigen Kulturvereins und der Schwindegger Blasmusik. Mehr als 100 Totengräber und Leichenfrauen kamen zum 31. Totengräber-Treffen in das dem Anlass entsprechend geschmückte Bürgerhaus, was für manch Außenstehenden etwas Makabres gehabt hätte.
Aber mit bayerischer Gemütlichkeit lässt es sich gut beschreiben, wenn man als Außenstehender die Stimmung des Totengräber-Treffens aufnimmt. Einfach „griabige“ Leute, bodenständig und mit einem spürbar unverkrampften Verhältnis zum Leben und zum Tod, denn, „der Tod gehört zum Leben dazu. Der Tod, so die Teilnehmer, halte sich nicht an Altersgrenzen, egal ob jung oder alt, und, es werde jeden treffen, ob reich oder arm.
In der heutigen Zeit, der schnelllebigen modernen Welt, verdrängen viele Leute das Thema Tod, war zu hören. Unsere Vorfahren haben dies völlig natürlich angesehen, dass zum Leben auch der Tod gehört, und sind mit dieser Thematik natürlicher umgegangen.
Die Aufgabe, die sie als Bestatter, Totengräber und Leichenfrau ausüben, seien sehr wichtig. „Es ist ein Teil unserer Kultur, dass unsere Verstorbenen würdig beerdigt werden“, sagte ein Teilnehmer.
Der Festtag lenkt gerade die Totengräber von ihrer harten körperlichen Arbeit ab. Auch wenn heute auch Bagger zum Einsatz kommen, viele heben ein Grab noch mit der Hand aus. Und das könne bis zu sechs Stunden dauern, sagte einer.
Es sei auch nicht nur die bloße handwerkliche Arbeit. Die Aufgabe des Totengräbers sei viel weiter gefasst: die Toten einbetten, sich um Sargträger kümmern, die Trauerfeier begleiten, sich auf die trauernde Familie einstellen und ihr beistehen, ihr Aufgaben abnehmen.
Es klingt nach einer ernsten Angelegenheit, war es aber nicht: Es war ein Treffen von Menschen, die im Alltag eine ernsthafte, würdevolle Tätigkeit ausüben. Nicht nur Totengräber, sondern auch Bestatter, Leichenfrauen, Leichenwagen-Fahrer und Mesner aus Oberbayern, Niederbayern, dem Bayerischen Wald und aus Oberösterreich, nutzten diese Gelegenheit, um abzuschalten und sich auszutauschen. „Wir kommen nicht zusammen, um Trübsal zu blasen, ganz im Gegenteil“.
Der Tag begann mit einem Weißwurstessen, gefolgt vom Kirchenzug unter den Klängen der Schwindegger Blaskapelle und dem Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Kollegen. Schon beim Frühschoppen war genügend Zeit zum Fachsimpeln und zum Erzählen von Anekdoten. Der Tod macht ihnen keine Angst, denn sie haben regelmäßig mit ihm zu tun. Das erzählten viele der Teilnehmer, um Geschichten auszutauschen und über ihre Arbeit beim Mittagessen zu fachsimpeln. „Totengräber ist ein todsicheres Geschäft. Um Kunden müssen wir nicht werben, unsere Kunden kommen zu uns“, war zu hören.
Natürlich ließ es sich Bürgermeister Dr. Karl Dürner nicht nehmen, mit Geschichten zur Unterhaltung beizutragen. Ebenso die Vertreter des Kulturvereins, Karl-Michael Dürner und Martin Linner, mit ihrem Sketch „Da Boandlkramer“.