Lesung aus „Gelebtes Leben“

Viele ganz enorme Geschichten

von Redaktion

Mühldorf/Polling – 99 biografische Geschichten stehen im Buch „Gelebtes Leben“. 99 Geschichten von ganz normalen Menschen aus dem Landkreis, teils berührend, teils lustig, teils traurig. Inge Finauer hat sie zusammengetragen.

Am Freitag, 8. Dezember, wird das Buch vorgestellt und einige Autoren tragen in der Stadtbücherei selbst ihre Geschichten vor.

Zum biografischen Schreiben kam Inge Finauer (70), als sie ihre Rente vorbereitete. „Irgendwas wollte ich noch machen, mich nicht nur um den Garten kümmern oder fernsehen.“ Zufällig bekam sie ein Angebot der Europäischen Senioren Kultur (ESKA).

„Da gab es Angebote zu Themen wie Malerei, Ausstellungen vorbereiten, Schreiben und viele mehr.“ Dort machte sie eine Ausbildung zur Biografie-Trainerin. In der Abschlussarbeit dieser Ausbildung gründete sie die Schreibgruppe. „Und zwar in Flossing.“

Pfarrer Alram fand die Idee so gut, dass er gleich ein paar Leute damit ansprach. „Von denen kamen auch einige, erst zögerlich, auf mich zu“, erzählt Inge Finauer von den Anfängen. Sie bekam erst so Sachen zu hören wie: „Ich bin nur heute da, ich kann das eigentlich nicht, ich habe das noch nie gemacht.“

Die meisten ließen sich überzeugen und schrieben ihre Geschichten, vier Schreibgruppen kristallierten sich heraus, die unter dem Mantel des Kreisbildungswerkes in Flossing, Mühldorf, Niederbergkirchen und in Waldkraiburg schreiben, jeweils acht bis zehn Leuten, zwei Drittel davon Frauen. „Und sie alle schreiben sehr schöne, sehr berührende und ganz enorme Geschichten auf, über die ich oftmals staune.“

„Zum Beispiel die Kriegsgeschichte eines damaligen Schulmädchen, das erleben musste, wie Gefangene aus dem nahen Mettenheimer Lager bei ihrer Familie am Hof nächtigten und deren Vater dann den allerletzten Sack Kartoffeln kochte, damit die armen hungernden Menschen wenigstens jeder eine warme Kartoffel bekamen“, sagt Inge Finauer, sichtlich bewegt.

„Oder die Geschichte eines Waldspaziergangs, bei der man sich gleich fühlt, als hätte man selber teilgenommen. Schon die Geschichte ist so erholsam wie ein Spaziergang durch die Natur.“ Auch die berührenden Zeilen einer älteren Dame, die sich an ihre Oma und deren Bauernhof erinnert, steht in dem Buch. „Sie schildert, wie sie die Oma mal mitten in der Nacht bei einem schlimmen Gewitter in ihr Bett holte, damit sie nicht so Angst haben muss und wie sie dann seelig bei der Oma eingeschlafen sei.“

Erstaunlich findet Finauer, was das Schreiben mit den Autoren macht. „Sie werden selbstbewusster und lesen ihre Geschichten nach anfänglichem Lampenfieber auf der Bühne so flüssig vor, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätten!“

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