Vortrags- und Diskussionsabend Landwirtschaftsschule Töging

Wenn es anders kommt als gedacht

von Redaktion

Einfallsreich, fachlich gut gerüstet und authentisch zeigten sich die Studierenden der Landwirtschaftlichen Fachschule Töging bei ihrem traditionellen Vortrags- und Diskussionsabend im voll besetzten Mettenheimer „Kreuzer“-Saal. Unter dem Motto „Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt!“ scheuten die Protagonisten auch keine heißen Eisen.

Mettenheim/Töging – Humorvoll stimmte Landwirtschaftsstudent Anton Lohmaier auf die Entstehung der insgesamt fünf Kurzvorträge ein, wobei ihm die Erkenntnis in den Kopf schoss, dass nicht immer der direkte Weg zum Erfolg führt. Ein Rollenspiel leitete dann ohne Umschweife zum ersten Vortragsthema über: „ Ich heirate in einen Bauernhof ein“, dem Petra Schächner und Maria Wimmer (Abt. Hauswirtschaft) die weibliche Sicht der Dinge unter dem Titel „Ich heirate einen Hoferben“ beisteuerten.

Die jungen Damen hatten die damit verbundenen Unwägbarkeiten genau im Blick – unabhängig davon, ob die Heiratskandidatinnen nun aus der Landwirtschaft stammten oder nicht. Alle kämen mit bestimmten Erwartungen in das geschlossene System der Schwiegerfamilie („Das haben wir schon immer so gemacht!“), das in mehrfacher Hinsicht Konfliktstoff böte, meinten die Referentinnen.

Aber genauso gäbe es die Chance für eine Lösung, die die Studentinnen im Wechsel des eigenen Blickwinkels, im respektvollen Miteinanderreden, in der Aufstellung von Regeln, einer gehörigen Portion Geduld, in räumlicher Abgrenzung u. ä. sahen. Wichtig war ihnen auch, die Vorteile des Landlebens gegenüber den Nachteilen abzuwägen und die Rolle der einheiratenden Frau im Wandel der Zeiten zu betrachten.

Als Gegenstück dazu präsentierten die Studenten Michael Schmuck und Andreas Voglmaier (Abt. Landwirtschaft) ihren Vortrag „Ich heirate eine Hoferbin“, den sie in die Kennenlernphase eines Paares, ins Lieben lernen und schließlich ins „Dahoam sein“ bei den Schwiegereltern, im Betriebs- und Büroalltag sowie in der Dorfgemeinschaft gliederten. Die verschiedenen Erwartungen der Beteiligten gelte es, vor einer endgültigen Lebensentscheidung mit der Hofnachfolgerin gründlich zu bedenken.

„Werte können leiten – was ist uns wichtig?“ Dieser Frage gingen Peter Kebinger und Christian Bauer (Abt. Landwirtschaft) nach, wobei sie laut Definition unter Werten z. B. Zusammenhalt, Rücksichtnahme, Wertschätzung, Toleranz und Respekt verstanden, die durch Alter/Entwicklung, Tradition, soziales Umfeld und Familie beeinflusst werden. Nach einer Umfrage unter Studenteneltern rangiert die Gesundheit an erster Stelle – übrigens weit vor landwirtschaftlichem Wachstum, dem Kirchgang, Reichtum und Beruf des Ehepartners, worin sich auch ein Wertewandel ausdrückt.

„Ziele können sich ändern – Muss ich einen Plan B haben?“ Das ergründeten Sebastian Meier und Johann Maier (Abt. Landwirtschaft) bei Umfragen zu Familienstand, zur Übernahme elterlicher Betriebe und deren zukunftsfähiger Entwicklung unter jetzigen Studierenden und ehemaligen des Jahrgangs 2006/07.

Die Erkenntnis: Die private Situation der Landwirte ist entscheidend für den betrieblichen Erfolg. 48 Prozent der Befragten setzten dabei ihre Zielplanung um, doch 33 Prozent auch nicht.

Einen Plan B besitzt etwa die Hälfte, die andere will sich betriebliche Optionen offenhalten und mehrere Standbeine schaffen. Ein persönlicher Lebensplan ist gut, kann sich aber auch ändern.

„Arbeitest du nur, oder lebst du auch?“ Dieses Thema erörterten die Studentinnen Angela Lentner und Stefanie Bachmeier (Abt. Hauswirtschaft), indem sie die geänderten gesellschaftlichen wie individuellen Normen und Wertvorstellungen unter die Lupe nahmen und im Hinblick auf Veränderungen des Arbeitscharakters, auf Vereinbarkeit von Familie und Freizeit sowie auf die Rollenverteilung zwischen Frau und Mann untersuchten.

Das Ziel, eine Balance zwischen Hof und Familie zu erreichen, erfordert ihrer Meinung nach, sich bewusst Zeit zu nehmen und das Miteinander neu zu erfinden.

Darin sehen sie eine bedeutsame Energiequelle, um sich für unerwartete Schicksalsschläge zu wappnen und Erschöpfungszuständen vorzubeugen.

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