Am Rande notiert

Morgen Kinder wird’s was geben

von Redaktion

Am Montag ist Weihnachten. Fast jedenfalls, zumindest ist Bescherung. Denn am Montag verkündet die Firma Wurzer, wo es 2018 gelbe Säcke gibt. Deshalb sei schon heute allen zugerufen: Fürchtet Euch nicht, freuet Euch, der Entsorger sorgt für Euch.

Es waren aber auch harte Tage, seit bekannt ist, dass das hohe Gut des gelben Sacks künftig verknappt wird. Nur noch eine Rolle pro Mensch und Jahr gegen Coupon, weil der durchschnittliche Mühldorfer Saubazi in den letzten Jahren seinen Müll im gelben Sack entsorgt hat. Es setzte ein Run auf die Verteilstellen ein, Menschen feilschten um jede Rolle Plastikbeutel, diskutierten mit den Verteilern als ginge es ums nackte Leben, argumentierten, fluchten, manche Träne floss. Die Verteilstellen haben längst kapituliert, weil auch ihre scheinbar unerschöpflichen Vorräte aufgebraucht sind.

Wohl deshalb fieberte vor wenigen Tagen bei der Tombola zur Ehrung der ehrenamtlichen Paten in Neumarkt-St. Veit niemand dem Hauptpreis entgegen. Alle wollten nur das eine: eine Rolle gelber Säcke gewinnen.

Für den Mühldorfer Faschingszug sind bereits fünf Wagen mit Narren gemeldet, die statt Guatln gelbe Säcke werfen, längst wird die rare Ware auf Ebay zu stark gestiegenen Preisen versteigert, Bänker raten in Zeiten niedriger Zinsen zur Anlage in zukunftsträchtigen Kunststoff. Seit gestern ist bekannt: Der leicht stinkende Plastikbeutel hat die Internetwährung Bitcoin als Aufsteiger an der Börse überflügelt.

Und jeden Mittwoch kurz vor Mitternacht wartet auf dem verlassenen Firmengelände am Bahnhof ein Auto mit abgedunkelten Scheinwerfern. Der Fahrer arbeitet in einer der Verteilstellen und hat in klugem Weitblick in den letzten Wochen gelbe Säcke kistenweise unterschlagen. Gegen einen fairen Schwarzmarktpreis verkauft er sie durchs Autofenster. Markus Honervogt

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