Krisendienst Psychiatrie

Soforthilfe bei seelischen Krisen

von Redaktion

Für Bürger in seelischen Krisen oder psychiatrischen Notlagen gibt es künftig schnelle und unbürokratische Hilfe, die in besonders schlimmen Situationen sogar ins Haus kommt. Der Krisendienst Psychiatrie ist täglich von 9 bis 24 Uhr unter der Telefonnummer 0180/6553000 in ganz Oberbayern zu erreichen.

Mühldorf/Landkreis – „Die meisten Hilferufe kommen am Montagvormittag. Im Monat Oktober über 1800 Anrufe in Oberbayern“, sagt Claudia Hausberger, die sich als Bezirksrätin und im Sozialausschuss bemüht, dass der Krisendienst Psychiatrie in ganz Bayern eingeführt wird. „Es ist eine sehr gute Sache und der Bedarf wäre da, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von April 2016, wo der Dienst in Oberbayern eingeführt wurde, bis Mai 2017 waren es rund 17000 Telefonkontakte zum Krisendienst Psychiatrie.“

Nur, überall werde gespart und die Kosten sind hoch. „Derzeit übernimmt der Bezirk Oberbayern die rund 7,4 Millionen Euro, die der Dienst jährlich kostet. Wir bemühen uns, die Krankenkassen zu beteiligen, bisher stellen die sich allerdings quer.“

Beraten werden alle Hilfesuchenden ab 16 Jahren von speziell geschultem Personal. „Meist sind es Sozial- und Heilpädagogen oder auch Psychologen, die erste Hilfe in vielen seelischen Krisen oder psychiatrischen Notlagen am Telefon bieten“, so Claudia Hausberger.

„Sollte das Problem nicht per Telefon lösbar sein, kommen die Helfer im Landkreis zum Einsatz. Der akute Bereitschaftsdienst wird täglich bis 17 Uhr vom Sozial-Psychiatrischen-Dienst übernommen und ist ab 17 Uhr stets mit zwei Mitarbeitern besetzt, die zur Not auch Hausbesuche in neutralen Fahrzeugen machen.“

Einsamkeit sei der häufigste Grund der Anrufer, aber auch psychische Probleme, „Ausrasten“, Suizidgedanken oder -versuche, falsche Medikation. „Natürlich auch Ehe-, Partnerschafts- oder familiäre Probleme.“ Es gebe Hilfe für die Betroffenen selbst, „aber auch Angehörige, Freunde, Nachbarn können anrufen“, sagt die 45-jährige Bezirksrätin.

Das Durchschnittsalter der Anrufer liege bei 41 Jahren. „Und es rufen fast doppelt so viele Frauen wie Männer an und oft die Betroffenen selbst.“ In den meisten Fällen sei eine ambulante oder stationäre Krisenbehandlung nicht notwendig. Manchmal genüge es, wenn „man am Telefon einfach zuhört und beim Klären der Situation unterstützt“.

Wie bei dem Anrufer, der miterleben musste, wie ein Kind bei einem Verkehrsunfall verunglückte. Zunächst glaubte, er komme damit alleine klar, dann aber brauchte er doch Hilfe. „Ich konnte nicht mehr schlafen, mich nicht mehr konzentrieren, schreckliche Bilder drängten sich mir auf. Ich wusste nicht mehr weiter“, so der Anrufer. Die Krisenhelfer vermittelten dem Mann am Telefon, warum seine Reaktion nach dem traumatischen Erlebnis nicht ungewöhnlich sei, empfahlen das Beratungsangebot einer Trauma-Ambulanz und vereinbarten auf sein Bitten hin sogar einen Termin. „So schnell und unbürokratisch kann oft geholfen werden“, freut sich die Bezirksrätin.

In besonders akuten Fällen könne der Krisendienst Psychiatrie den Einsatz professioneller Helfer am Ort der Krise veranlassen. „Zum Beispiel, wenn Betroffene nicht mehr weiter wissen oder akute Gefahr droht“, so Claudia Hausberger.

Vor Ort gebe es dann Deeskalation, Einschätzung der Gefährdung, Entlastung der Beteiligten und die Veranlassung nächster Schritte. „Falls erforderlich, wird natürlich auch ein Facharzt hinzugezogen und bei Bedarf auch die Polizei oder der Rettungsdienst eingeschaltet“, sagt die Bezirksrätin.

In manchen akuten Notlagen könne auch eine stationäre Krisenbehandlung die geeignete Hilfe sein. „Sie bietet Schutz, aber auch den Rahmen für eine intensive medizinisch-psychiatrische, soziale und psychotherapeutische Behandlung.“ Der Krisendienst unterstütze dann bei der Vermittlung in stationäre Behandlungsangebote.

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