Leidenschaft für Puppen

Christkindlmarkt in Miniatur

von Redaktion

Zur Adventszeit ist es wieder soweit: Carolin Tille holt die Stände für ihren Christkindlmarkt aus den Kisten. In Miniaturformat schlendern Männer, Frauen und Kinder über den Platz, staunen über den Christbaumschmuck und feine Weihnachtsbäckereien.

Polling – Am Christbaum in der Mitte des Platzes glitzern die Kugeln, die Marktstände sind stimmungsvoll beleuchtet und eine dünne Schneeschicht liegt auf dem Platz. Ein Mann spielt auf seiner Drehorgel, es gibt Maronen zu kaufen und an den Ständen hängt Weihnachtsschmuck. Mit seinem roten Mantel sticht der Nikolaus unter den Besuchern heraus, in seinem Schlitten stapeln sich Geschenke. Das Idyll eines Christkindlmarkts hat Carolin Tille geschaffen – in Miniatur. Jedes Jahr zu Weihnachten baut sie die weihnachtliche Szene mit den kleinen Puppen und Ständen wieder auf.

Viel Arbeit und Leidenschaft steckt in ihrer Puppenlandschaft, vieles ist selbst gemacht. „Die meisten Puppen habe ich eingekleidet“, erzählt sie, auch wenn nicht jeder Schal selbst gestrickt ist. Viele Details machen den Christkindlmarkt interessant. Ein Junge trägt eine lederne Schultasche, die Drehorgel ist funktionstüchtig und ein Mann mit Mütze und Cordjacke trägt einen Bauchladen vor sich – natürlich selbst gemacht. Der Platz ist mit Ziegelsteinen gepflastert – alles Handarbeit. Ganz besonders stolz ist Carolin Tille auf eine feine Dame, die vor dem Stand mit den Weihnachtskugeln steht: Sie trägt einen Pelzmantel und Pelzmütze, auch die hat Carolin Tille selbst zugeschnitten. 

„Es ist ein Mix aus gekauft und selbst gemacht“, sagt sie. Vieles gibt es auf Messen zu kaufen: Kleinster Christbaumschmuck, die Beschriftung für ihre Stände oder ein neuer Teddybär für ihren Bärenstand. Überhaupt hat sie eine Leidenschaft für die Plüschtiere, die das ganze Jahr über im Wohnzimmer in einer Bärenstube wohnen und an Weihnachten in einen Stand auf dem Christkindlmarkt umziehen. Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn die Plüschtiere sind winzig. Der Kleinste ist etwa halb so groß wie die Kuppe des kleinen Fingers. 

Zur Adventszeit holt sie die Puppen und Stände für den Christkindlmarkt wieder aus ihren Kisten. Sie lässt sich Zeit beim Aufbau, bis alles passt, ist sie bis zu einer Woche beschäftigt. „Bis Lichtmess bleibt dann meist alles stehen“, sagt sie. 

Ihre Leidenschaft für Puppen hat eine traurige Geschichte. Denn als ihr sechs Wochen altes Kind am plötzlichen Kindstod starb, brauchte sie Ersatz. Die Puppe hat sie heute noch. So entwickelt sie nach und nach ihre Begeisterung, mit dem Bauplan für ein Stadthaus hat alles begonnen. Die Einrichtung musste gemacht, Teppiche und Vorhänge genäht und die Zimmer eingeräumt werden. In ihrer besten Freundin findet sie eine Gleichgesinnte. Gemeinsam schneidern sie, ziehen die Puppen an und richten die Zimmer ein. Der Esstisch ist gedeckt mit mundgeblasenen Tellern und winzigem Porzellangeschirr, in der Küche stehen im Regal gefüllte Weckgläser, im Kinderzimmer tummeln sich Mädchen und Buben. So manches findet sich auch im Haus von Familie Tille wieder: Das Kinderzimmer ist mit Stockbett und Kaufladen eingerichtet, wie es damals ihr Mann Joachim für die Kinder gemacht hatte. Im Elternschlafzimmer hängt an der Wand ein kleines Hochzeitsbild von Carolin Tille. 

Das Stadthaus ist nicht ihr einziges Projekt. Nebenan gibt es ein Geschäftshaus mit Schuhen, Schmuck, Taschen und Dessous und durch ein Miniaturkinderzimmer rollt eine Eisenbahn. Noch nicht fertig ist ein Pub. Billardtisch, Bar und Hocker stehen schon, aber es fehlt noch an Details wie zum Beispiel der Gläserschrank hinter der Bar. „Mein Mann hilft mir beim Bauen“, erzählt Carolin Tille. Das gehe Hand in Hand. Mittlerweile habe er Werkzeug in Miniatur, auch das Drechseln habe er sich beigebracht. 

Vor ein paar Jahren zweifelt Carolin Tille an ihrem Miniatur-Hobby: Ihre Freundin Birgit ist verstorben. „Mit meiner Freundin ist viel an meiner Lust gestorben“, sagt sie. Jetzt hat ihre Freundin einen festen Platz am Christkindlmarkt bekommen. Der Stand mit der Weihnachtsbäckerei ist nach ihr benannt. Mittlerweile hat sie wieder eine Gleichgesinnte gefunden, mit der sie bastelt und die Puppen bekleidet:. „Ich bin selten allein, wenn ich eine Puppe anziehe. Meine Hände sind oft nicht ruhig genug.“

Auch wenn längst alle Räume eingerichtet und Puppen angezogen sind, es gibt immer was zu tun: Es müsste wieder tapeziert werden und natürlich Staubwischen. Wie im richtigen Leben auch. 

 Wer den Christkindlmarkt in Miniatur gerne sehen möchte, kann sich bei Carolin Tille melden unter Telefon 08633 /1212.

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