„Die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen“

von Redaktion

Veronika Pummerer, evangelische Jugenddiakonin in Mühldorf

1. Was war für Sie das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres?

Das Ereignis, welches das ganze Jahr 2017 geprägt hat, ist das 500-jährige Jubiläum der Reformation der Kirche, angestoßen durch Martin Luther. Dafür haben sich die christlichen Kirchen in Deutschland und in vielen christlichen Ländern der Welt so einiges einfallen lassen. Besonders beeindruckt hat mich der evangelische Kirchentag. Ein buntes Fest des Glaubens und der Begegnung fand in Berlin, Wittenberg und in Städten dazwischen statt. In Vorträgen, auf Konzerten, in Cafés, in der Messe, bei Gottesdiensten, Kulturveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und einfach nur beim Sonne genießen auf der Wiese wurde diskutiert, sich ausgetauscht, kennengelernt, Glauben gelebt oder entdeckt und erzählt. Beim gemeinsamen Abschlussgottesdienst in Wittenberg hat sich gezeigt, dass die Reformation nicht nur gläubige Menschen betrifft, sondern alle, die daran Anteil haben. Jeder hat angepackt und geholfen, dass ein Gottesdienst mit 100000 Menschen aus aller Welt vor Ort und an den vielen Bildschirmen zuhause gefeiert werden konnte. Das sind die Ereignisse, die lange im Gedächtnis bleiben und Schwung in Kirche und Gesellschaft bringen.

2.Was ist die wichtigste Aufgabe für das neue Jahr?

Als Diakonin verstehe ich mich als „Dazwischengeherin“ und „Türöffnerin“. Dazwischen gehen bedeutet, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern auf Missstände hinzuweisen und auf das aufmerksam zu machen, was vielleicht nicht passt. Mal auch Unangenehmes anzusprechen und dann im Sinne der christlichen Werte zu schauen, wie es anders, einfacher oder sinnvoller gehen kann. Ich denke da an das Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt, an die Bevölkerungsgruppen, die mehr Unterstützung brauchen und, meinem Dienstauftrag gemäß, an die Jugendlichen. Die wichtigste Aufgabe ist hierbei die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abzuholen und ihnen Türen zu öffnen, die das Einfinden und Platzfinden in der Gesellschaft erleichtern. Das ist nicht nur die wichtigste, sondern auch die schwierigste Aufgabe. Ein junger Mensch muss heute sehr viel leisten in Schule und Ausbildung, sich in den sozialen Medien auskennen und präsentieren und dann noch wissen, was er mit seinem Leben anstellen möchte. Da bietet die Gemeinschaft der evangelischen Jugend einen Ort an, in dem sich junge Menschen treffen, gemeinsam unterwegs sind und demokratisch ihre Freizeit bestimmen und gestalten. Diese Prozesse darf ich als hauptamtliche Diakonin begleiten, fördern und mitgestalten.

3.Ihr Neujahrswunsch?

Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir den „spirit“ des Reformationsjubiläums auch 2018 weitertragen und er uns mutig und offen sein lässt für ein weiteres Zusammenwachsen in der Gesellschaft und wir die Freiheit haben uns immer wieder neu auf den Weg zu machen und Türen zu öffnen. Genauso wünsche ich mir für die jungen Menschen, dass sie sich auf ihrem Weg im Leben und in der Gesellschaft gut begleitet fühlen und die Freiheit verspüren, vieles auszuprobieren und dafür einzustehen.

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