Stephani-Umritt am zweiten Weihnachtstag

Samtweich hoch zu Ross

von Redaktion

Begeisterter Applaus der vielen Tausend Zuschauer brandet auf, wenn die stolzen Reiter durch den Ort traben oder die Heiligendarsteller auf den Wägen posieren. Die herrlichen Gewänder, ob aus Samt oder Leinen, die es beim Stephani-Umritt zu sehen gibt, stammen von Maria Gründl, die seit 2006 den Brauchtumsverein ausstattet.

Erharting – Die Wochen vor Weihnachten sind auch für Maria Gründl alles andere als die Zeit der Besinnung. Ihre Nähmaschine schnurrt am laufenden Band. Schließlich müssen die zwölf Umhänge noch rechtzeitig fertig werden, die für einen Reitstall in Regensburg gedacht sind. Das Stück vom „Grinch“, einer griesgrämigen Kreatur, die Weihnachten nicht mag, soll in der Oberpfalz aufgeführt werden. So weit reicht der Ruf der 35-Jährigen mittlerweile, die zu ihrem Hobby eher zufällig gekommen ist.

Eingesprungen und Leidenschaft entdeckt

2006 war es, als die leidenschaftliche Reiterin einen Anruf ihrer Tante Sonja Pfeuffer aus Erharting erhalten hatte. Für den Leonhardi-Umritt in Julbach fehle dem Brauchtumsverein Erharting noch ein Reiter. Ob sie denn einspringen möchte, lautete das Angebot. Maria Gründl überlegte nicht lange, sagte zu. Das Problem nur: Woher ein passendes Kleid hernehmen? Also setzte sie sich selbst an die Nähmaschine, schneiderte sich ein Gewand aus Pannesamt und präsentierte dieses dann stolz beim Umritt.

Der Anfang war gemacht. Denn der Brauchtumsverein fand Gefallen an der Arbeit der Winhöringerin, ließ Kleider anfertigen, dazu Ritterhemden, die ebenso alle zwei Jahre beim Stephani-Umritt in Erharting zum Einsatz kommen.

Keine gewöhnlichen Gewänder, die man dann beim Umritt sieht. Auffällig ist, dass sich die historischen Reitkleider von Maria Gründl von herkömmlichen Bodenkleidern durch ihren enormen Saumumfang unterscheiden. „Ein normales Kleid hat einen Saum von drei bis vier Metern, ein Reitkleid hingegen einen Umfang von sechs beziehungsweise sieben Metern“, erklärt Gründl. Ein solcher weiter Saum lege sich locker um die Kruppe des Pferdes und ermögliche gleichzeitig einen entspannten Ritt auf Herren- oder Damensattel. In erster Linie verwendet die Hobby-Schneiderin dafür Pannesamt. Erstens, weil dieses Material, das man von der Faschingskleidung her kennt, mit 20 bis 30 Euro pro Meter erschwinglich ist. Zweitens lässt es sich nach Ausritten bei Regen oder Schnee gut waschen „und es reißt nicht so leicht, sollte das Pferd mal drauf steigen“, nennt Gründl weitere Vorteile dieses Stretch-Stoffes. 120 bis 150 Euro kostet so ein Kleid.

Diese Vorzüge schätzt auch der Brauchtumsverein, der bei seinen Veranstaltungen nicht immer bestes Wetter hat. Bei nasskaltem Wetter bleibt es nicht aus, dass die Kleider über den schmutzigen Boden gleiten.

„Für uns ist es jedenfalls ein Glücksfall, dass wir Maria kennengelernt haben“, schwärmt Leo Biermaier vom Brauchtumsverein von den Möglichkeiten. Denn die Kleider von Maria Gründl statten nicht nur die Reiter und das Fußvolk aus. Wenn der Brauchtumsverein im Rahmen des Ferienprogramms die Historie des Dornbergs erkundet, dürfen die Teilnehmer ebenfalls in Leinenhemden schlüpfen oder sich als Burgfräulein fühlen – die Utensilien dazu näht Maria Gründl.

„Wir sind mittlerweile dazu im Stande, alle Teilnehmer des Stephanie-Umritts mit Gewändern auszustatten“, sagt Biermaier. Etwa 80 Protagonisten werden es auch in diesem Jahr wieder sein, die Tausende Zuschauer wieder applaudieren lassen werden.

Bis zu 200 Euro für

ein Brokat-Kleid

Für die Arbeit von Maria Gründl natürlich die beste Werbung, die mit ihren Gewändern nicht nur Reitvereine ausstattet, sondern auch für Teilnehmer von Ritterturnieren maßschneidert oder die passenden Kleider für mittelalterliche Theaterstücke liefert. Dann auch gerne in der Nobelausführung, sprich mit Baumwollsamt oder sogar mit teurem Brokat, ein schweres, festes und gemustertes textiles Gewebe aus Seide oder Rayon, in das Gold- oder Silberfäden eingewoben sind. Zehn bis zwölf Stunden sitzt sie an der Nähmaschine, wenn sie so ein wertvolles Kleid näht, mitunter aufwendig mit Puffärmeln ausstattet. Dann wird es auch teuer, mit Kosten zwischen 800 und 2000 Euro muss der Auftraggeber dann schon rechnen.

So teuer werden die Reitkleider für den Pferdehof in Regensburg nicht. Schließlich handelt es sich um junge Reiter, die die Geschichte vom „Grinch“ aufführen wollen. Kein großer Aufwand, gibt Gründl zu, die ihre Arbeit dennoch als „wahnsinnig kreativ“ beschreibt: „Zu nähen, was man will: Da kann ich meine Kreativität ausleben.“ Das Ergebnis bietet sie dann zum Verkauf an. Dabei gibt sie zu: „Wenn man fertig ist, und es ist gut geworden, dann fällt es mir auch mal schwer, mich davon zu trennen.“

Der Stephani-Umritt findet am Dienstag,

26. Dezember, statt.

Beginn ist um 14 Uhr

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