Mühldorf/Schwindegg – „35 Jahre waren wir glücklich verheiratet und wir hatten noch so viel vor“, sagt die 58-Jährige. Bei einem Fest von Freunden vor 42 Jahren hatte die damals 16-jährige Rita ihren Josef kennen- und lieben gelernt. „Er fiel mir gleich auf, weil er zu einem Behinderten so nett war und als einziger mit ihm gesprochen hatte.“
Diese soziale Ader zog sich durch Josef Mayrs ganzes Leben. „Selbst als er schon schwer krank war, hat er die Fahrräder gerichtet für die Flüchtlinge, er wollte stets helfen“, erzählt Rita Mayr mit einem wehmütigen Blick auf das schöne Foto von dem glücklichen Paar, das sie einmal waren. „Jede Woche etwas Gutes tun, das war sein Motto. Er war das Gegenteil eines Egoisten“, sagt sie.
Die schlimme Diagnose Nierenkarzinom traf Mayrs im Jahr 2014 wie ein Blitzschlag. „Man rechnet ja nicht damit, dass so etwas passiert. Und auf einmal ist alles anders“, setzt sie traurig dazu.
Anfangs habe ihr Mann gekämpft, die Operation und auch die Chemo-Therapie 2015 gut überstanden. Er war wieder voller Lebensmut und sportlich aktiv. „Wir freuten uns schon, dass er den Krebs besiegt hat.“
Doch dann ereilte Josef Mayr 2016 bei einem Nachsorge-Termin die tragische Nachricht, dass der Krebs an gleicher Stelle wieder zugeschlagen hatte. „Das war ein Schlag!“ Erneute Chemo, erneuter Kampf. Doch diesmal hatten die Krebszellen schon gestreut und in anderen Organen Metastasen gebildet. „Es hieß bald, es sei zu spät für Hilfe.“
Doch die Mayrs klammerten sich an jeden Strohhalm, wollten den Kampf mit der heimtückischen Krankheit nicht verlieren, verloren ihn doch. „Die Ärzte waren so machtlos“, sagt Rita Mayr. „Aber es ist wohl wirklich so, dass das Lebensbuch bereits geschrieben ist und die letzte Seite auch schon feststeht“, meint sie weinend.
Josef Mayr wurde immer schwächer, bekam oft Fieberschübe, verlor all seine Kraft, dachte ans Sterben. „Das war eine wirklich schlimme Zeit. Wir versuchten, uns gegenseitig zu stützen. Er wollte mich nicht alleine lassen, wollte mich schützen und ich mochte ihm den Mut nicht nehmen.“ Doch beide wussten schließlich, dass die letzten Monate im Leben von Josef Mayr gekommen waren.
„Wir hatten alles, ein schönes Haus, einen herrlichen Garten, wir hatten uns, waren glücklich, auch mit unserer Tochter – rundum passte alles.“ Und dann diese Nachricht der behandelnden Ärztin: „Ihr Mann wird sterben.“
Heuer am 5. März verstarb Josef Mayr. „Wie er es sich wünschte, in seinem eigenen Bett, neben mir“, spricht Rita Mayr von dem wohl ergreifendsten Moment ihrer Ehe. Die Wochen vor seinem Sterben seien schrecklich und doch gut gewesen. „Wir haben uns noch alles erzählen können, was uns bewegt, konnten Abschied nehmen.“ Es sei sehr schwer gewesen, aber sehr intensiv.
„Viel Hilfe bekam ich in diesem letzten Monat meines Mannes von Mitarbeitern der SAPV.“ Die „Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung“ ist ein ergänzendes Angebot zur Versorgung durch Haus- und Fachärzte und Pflegedienste und will die Lebensqualität schwerstkranker Menschen verbessern und ermöglicht ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod, oft in der vertrauten Umgebung.
Die SAPV ist eine Einrichtung des Anna Hospizvereins und wird von den Krankenkassen und auch durch Spenden getragen. In Mühldorf ist sie in der Krankenhausstraße 1a im Ärztehaus neben dem Krankenhaus unter Telefon 08631/18570 zu erreichen.
„Die SAPV-Mitarbeiter waren stets für mich erreichbar, fragten täglich, ob ich noch könne, ob ich Hilfe brauche – und das tat mir sehr gut!“ Rita Mayr mobilisierte ungeahnte Kräfte, versuchte, ihrem geliebten Mann die letzten Wochen so schön und gut wie möglich zu machen. „Auch diese letzte gemeinsame Zeit war für mich sehr kostbar!“