Heimatbund-Vortrag über das Dreikönigssingen in Töging

Was fehlt, ist ein Kamel

von Redaktion

„O Glaubensstern, die Welt ist blind, o führ auch uns zum Jesukind“: Seit 90 Jahren wird mit diesem Lied die Botschaft der Heiligen Drei Könige in den Straßen Tögings verkündet. Bevor die Dreikönigssänger in knapp drei Wochen wieder durch die Stadt ziehen, erzählten Josef Steinbichler und Rudolf Neumaier, was den Brauch so besonders macht.

Töging – Da ist die Geschichte mit dem Kamel, die eigentlich gar keine Geschichte ist. Seit Jahrzehnten erzählt man sich in Töging, dass die Dreikönigssänger einst mit einem Kamel durch die Straßen gezogen sind. Ausgeliehen von einem Zirkus, der gerade in der Stadt seine Zelte aufgeschlagen hatte. Am Mittwochabend schaffte Josef Steinbichler das Gerücht ein für alle Mal aus der Welt. Kein Zeitungsartikel, kein Foto, kein Zeitzeugenbericht hätten bisher die Kamel-Mär auch nur im Ansatz bestätigt, sagte der Heimatbund-Vorsitzende. Spürbare Enttäuschung im Publikum, wäre auch zu schön gewesen.

Macht aber nichts, denn das Töginger Dreikönigssingen blickt auch so – Kamel hin, Kamel her – auf eine wunderbare Geschichte zurück. 90 Jahre ist es her, dass Carl Georg von Reichenbach den Brauch am 5. Januar 1928 eingeführt hat. Seitdem wiederholt sich das Spiel Jahr für Jahr am Vorabend des Dreikönigstages, das nächste Mal in knapp drei Wochen.

Dann wird auch Tenor Rudolf Neumaier wieder in ein fürstliches Gewand schlüpfen, sich das Gesicht tiefbraun oder dunkelschwarz schminken lassen, den Turban aufsetzen und mit den anderen Sängern durch die Straßen ziehen. Zusammen mit Josef Steinbichler erinnerte er am Mittwochabend vor 120 aufmerksamen Zuhörern im Carl-Orff-Saal an die wechselvolle Geschichte des Dreikönigssingens.

Reichenbach – anerkannter Jugendstilkünstler, der 1925 als Kutscher und Werksbote zum Innwerk kam – hatte das Sternlied in Ettal kennengelernt. Vermutlich stammen die drei Strophen und der berühmte Refrain – „O Glaubensstern, die Welt ist blind, o führ auch uns zum Jesukind“ – aus der Feder des Schullehrers Cyriakus Geissler. Übrigens: Für Töging wurde das Ettaler Sternlied eigens vierstimmig umgeschrieben.

Jede Menge Anekdoten und Details hatten Steinbichler und Neumaier über die Töginger Dreikönigssingerei zusammengetragen. Sie erzählten von den ersten Sängern des Liederkranzes Innwerk, vom Auftrittsverbot in der Zeit des Nationalsozialismus, vom Neubeginn nach dem Krieg dank eifriger Ministranten, von der Dampfnudel-Einkehr beim Irberbauern.

„Es gibt sie noch, die Tradition; den Glauben, die Menschen, die das alle Jahre auf sich nehmen, die Reiter, die Sänger, die guten Geister, die sich um die Kostüme und um das Schminken kümmern“, sagte Steinbichler. „Es ist etwas Besonderes, was unverwechselbar zu Töging gehört.“ Doch die Tradition sei in Gefahr. „Gefordert sind weiterhin Sänger und Menschen, die diesen Brauch, dieses besondere alljährliche Ereignis, lebendig erhalten.“

Und so machten die Dreikönigssänger am Ende des Vortragsabends, den die Hausmusik Grave aus Burghausen umrahmte, auch Werbung für sich selbst: Sie sangen das Ettaler Sternlied, selbstverständlich mit allen drei Strophen. Aber leider ohne Kamel.

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