Mühldorf – Noch glänzt der Bohrkopf in der Sonne, schon bald verschwindet er in dem tiefen Loch, das die Bagger in den letzten Wochen am östlichen Ende des Fürstenwegs gegraben haben. Dann wird sich die Tunnel-Vortriebsmaschine durch das Erdreich graben und gleichzeitig die Abwasserrohre mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern nachziehen: Meter für Meter, zunächst in östliche, dann in westliche Richtung. Die sogenannten Zielgruben sind ebenfalls bereits ausgehoben.
Rohrvortrieb mit Spülförderung nennen das die Experten. „Aufgrund der tiefen Lage wäre eine offene Bauweise unwirtschaftlich“, sagt Ernst Böhm, Abteilungsleiter Tiefbau bei der Stadt. Das Bauvorhaben ist auch so teuer genug. Rund 820000 Euro kostet die Baustelle unter der Erde.
„Gut angelegtes Geld“, findet Böhm. „Damit schließen wir eine Lücke im Entwässerungsplan und können zugleich die provisorische Pumpstation am Fürstenweg aufgeben, die schon in den letzten Jahren kaum mehr wirtschaftlich vernünftig betrieben werden konnte.“ Um die Details zu verstehen, braucht es einen Blick zurück. Im Jahr 2001 wurde bei den Erschließungsarbeiten für das erste Teilgebiet „Mühldorfer Feld“ ein Stauraumkanal im Fürstenweg zwischen der Leinbergerstraße und der Pestalozzistraße verlegt. „Der Lückenschluss in Fließrichtung zur Nordtangente wurde damals bewusst nicht umgesetzt“, sagt Böhm. „Wir wollten erst abwarten, wie sich die Stadt im Norden entwickelt, um das nötige Volumen berechnen zu können.“
In den letzten 17 Jahren musste deshalb das gesamte Abwasser über eine provisorische Pumpenstation in einen bestehenden, aber höher liegenden Kanal geleitet werden. Doch die immer größere Menge an Abwasser machte diese provisorische Lösung zunehmend anfälliger für Störungen. „Teilweise mussten wir dreimal pro Woche Störungen beheben“, sagt Böhm. Deshalb sei der Lückenschluss mehr als überfällig. Ende November soll der neue Kanal fertig sein, dann läuft das Abwasser im freien Gefälle über den Fürstenweg zum Rückhaltebecken unter der Mößlinger Kreuzung an der Innkanalbrücke und weiter in Richtung Osten. Schließlich geht es unter der Eisenbahnbrücke über den Kanal. Und dann weiter nach Aham, unter dem Inn hindurch zur Kläranlage in Mühldorf-Süd. „Endlich“, sagt Böhm. „Es wird auch höchste Zeit.“