Reichertsheim – Bei strahlendem Sonnenschein feierte der Krieger- und Soldatenverein Ramsau sein 100-jähriges Gründungsfest mit einem Gottesdienst im Freien, einem Festzug, Kranzniederlegung, gemeinsamen Mittagessen und einem Kanonenschießen.
Der Gottesdienst mit Pater Jan und Diakon Andreas Klein bot mit dem geschmückten Altar und Fahnenabordnungen zu beiden Seiten ein prächtiges Bild. Vorsitzender Franz Schletter begrüßte die Gäste, darunter befreundete Kameradschaften und Ortsvereine. Schon am Vormittag waren die Schattenplätze rar.
Den Frieden an sich hob Diakon Klein in den Mittelpunkt seiner Predigt und brachte die Entstehung von Konflikten auf einen Nenner. „Es gibt keine absolute Wahrheit, jeder sieht es anders“. Es gelte, dem anderen trotzdem mit Respekt und Anstand zu begegnen und ihm vermeintliche Fehler nachzusehen. Wie das gehe? Zuerst fange man bei sich selber an, erkenne und bekenne sich zu seinen eigenen Schwächen und nehme die an, dann falle einem das bei anderen auch leichter. Aus diesem Grund seien Krieger- und Soldatenvereine „so wichtig“. In zwei Zügen, angeführt von der Blaskapelle Kirchdorf und der Blaskapelle Schwindegg, ging es nach Ramsau zum Kriegerdenkmal an der Loretokirche. Dort legten Vorsitzender Franz Schletter und sein Stellvertreter Andreas Thalmaier einen Kranz nieder und gedachten den Gefallenen beider Weltkriege in der Hoffnung, dass sich das nicht wiederholen möge. Nach dem Mittagessen brachten neun Kanoniere ihre Kanonen in Stellung, gaben unter der Anweisung von Andreas Grundner ein langsames und ein schnelles Reihenfeuer ab, dann einen Salut, bevor Kaffee und Kuchen wieder ins Zelt lockten. Das eine oder andere Kanonenmodell lud manche noch zum Fachsimpeln ein.
Michael Münch bekleidet seit vergangenem Jahr das Amt des Kanoniers beim Krieger- und Soldatenverein Ramsau. Mit 27 Jahren ist er noch verhältnismäßig jung, aber andere, ältere Kanoniere, finden das „ganz normal, ich übergeb‘ auch bald und ich hab‘ auch früh angefangen“, meint ein Kollege dazu. Nein, schießen dürfe nicht jeder, erklärt Münch, der Besuch eines Kurses sei Pflicht. Dort lerne man etwas über die Technik und die Gesetzeslage und lege eine Prüfung ab. Gefährlich sei das schon, immerhin verwende man Schwarzpulver, sein Modell verlange 80 Gramm pro Schuss, da stecke Energie dahinter.
Die Prüfung dürfe man alle paar Jahre erneuern, wie die Prüfung der Kanonen auch. Zuständig sei das Beschussamt in München. „Nein, damit lassen sich keine Kugeln abfeuern, das ist nur theoretisch möglich.“ Der Lauf einer solchen Salutkanone hat eine leichte Krümmung, die ein Zielen unmöglich macht.