Maitenbeth – Die B12 war Thema im zweiten Zeitzeugencafé des Landkreises Mühldorf, diesmal in Maitenbeth. Rund 20 Besucher kamen dazu in den Saal der Alten Post und erfuhren bei Kaffee und Kuchen Interessantes zu dieser „Lebensader“ oder auch zur „Todesstrecke“ – je nach Betrachtungsweise.
Esther Heiß ist in der Gemeinde unter anderem mit dem Gemeindearchiv und der Alten Post betraut. Sie begrüßte dazu den Koordinator der Geschichtsarbeit im Landkreis Mühldorf, Daniel Baumgartner. Unter den Besuchern waren ein früherer Tankstellenbetreiber, ein Feuerwehrvorstand bis hin zu ehemaligen Pächtern der Gaststätte Straßmaier.
Linie der B12
einst römischer Verkehrsweg
Esther Heiß bekannte, dass ihr nach dem Zuzug in die Gemeinde schnell aufging, dass „die Zwölfer mehr ist als nur eine Straße“, die zerschneide nämlich die Gemeinde, sei ein Unfallschwerpunkt, aber auch eine wichtige Verbindung nach München und Mühldorf.
Zudem, wusste sie, reiche deren Geschichte als römischer Verkehrsweg mindestens 2000 Jahre zurück, später war das eine Postroute von München nach Wien. Moderator Daniel Baumgartner beschrieb seine Tätigkeit erst einmal damit, dass er versuche, diejenigen zusammenzubringen, die Geschichtsarbeit im Landkreis betreiben. In diesem Zeitzeugencafé sollte jeder berichten können „was bedeutet diese Zwölfer eigentlich?“
Den Auftakt bildete ein „Postkartengruß aus Straßmaier“, zu dem den meist älteren Besuchern einiges einfiel. So sei das jetzige Gasthaus 1935 komplett weggerissen und neu gebaut worden. Das Forsthaus kannte auch jeder, doch über „Josef Brucker‘s Handlung“ entspannte sich eine Diskussion, 1948 sei die abgebrannt. Andere Bilder zeigten die Einweihung der Postbuslinie von München nach Haag im Jahr 1928. „Bis zur Währung“, also der Reform 1948, sei die von der Post betrieben worden.
Eine Erwähnung wert war auch die Ablösung der Pferde durch früher sogenannten Kraftverkehr. Die Herausforderung des Winters löste man damals souverän, so war die Abfahrt an der Molkerei Jäger in Haag in der dunklen Jahreszeit eben drei Stunden später und damit um 8 Uhr; so einfach war das.
Die B12 als Schotterpiste, das ist heute schwer vorzustellen. Noch in den 30er- Jahren lag darauf nur teilweise Pflaster, hauptsächlich nach dem Krieg spielte Asphalt eine Rolle. Der war aber teilweise so glatt, dass Pferde ausrutschten. Autos traf das weniger, davon gab es wenig.
Im Frühjahr 1945 fuhren die Amerikaner mit ihren Panzern darauf, „alles hat gewackelt, das Vieh im Stall ist rebellisch worden, als die Panzer mit Karacho vorbei fuhren“, erinnerte sich ein weiterer Besucher. Ab 1932 war das die „Fernverkehrsstraße 12“, hatte Baumgartner herausgefunden, 1934 dann die „Reichsstraße 12 Lindau, Burghausen, Simbach“ mit späterem Ausbau nach Passau.
Noch in den 50er-Jahren war die Strecke weitgehend „ungeteert“, immerhin gab es acht Kiesgruben alleine zwischen Maitenbeth und Haag, das Material zum Reparieren war somit stets vorhanden. Erst mit dem Bau der Innbrücke in Mühldorf kam in der Zeit von 1957 bis 1970 eine durchgehende Asphaltschicht.
Bei Unfällen stand in Zeitungen oft der Begriff Todesstrecke, angesichts von 350 Opfern in 20 Jahren. Doch ein Vertreter der Feuerwehr relativierte: Die Zahl der schweren Unfälle sei zurückgegangen, es werde langsamer gefahren als vor 30 Jahren, früher gab es eben auch mehrere unübersichtliche Kurven.
Bei Unfällen, erinnert sich ein weiterer Rettungshelfer, musste man stets aufpassen „ob jemand kommt, die fuhren wie die Wilden“. Bürgermeister Kirchmaier erinnerte sich an eine Aktion, als einmal viele Kreuze für jeden Toten am Straßenrand zu sehen waren. Nach Beobachtung der Feuerwehrler verunglücken Autofahrer heute deshalb schwer, „weil‘s blöd überholen oder durch Sekundenschlaf“, dann, wenn es heiße, aus ungeklärten Gründen nach links gekommen.
Was falle den Besuchern zum positiv gefärbten Begriff Lebensader ein, „wie lebt sich‘s so an der B12?“, wollte der Moderator wissen: „Ned guad“, so die Antwort. „Ohne Schallschutzfenster geht‘s nicht“ wussten Anwohner. Beim Lärmschutz zähle keine Messung, beschied der Bürgermeister, nur die Zahl der Fahrzeuge sei von Bedeutung. Es gebe schon Auflagen beim Bauen.
Ein Schulkind berichtete von einem Zeltlager nahe der Straße, wo an Schlafen nicht zu denken war. Andere meinten wiederum: „Man gewöhnt sich.“ Zum Überqueren sei das „ein Todesstreifen“, wurde festgestellt, und ein Landwirt bekannte, dass er „beim Silieren einen Fahrer mehr braucht, weil einer immer an der Straß‘ steht“.
Jetzt erhalte die Gemeinde vor dem Forst eine zweite Unterführung, doch für die Kreuzung in Thal gebe es auch nach Jahrzehnten keine Lösung, wusste der Bürgermeister. Ein Kreisverkehr werde nicht realisiert und das bei 23000 Fahrzeugen täglich. Vielmehr soll die Autobahn Verbesserung bringen, doch herrschte Uneinigkeit darüber, ob die nun entlaste oder lediglich zur Maut-Ausweichstrecke mutiere.
Welche Vorteile hat die Bundesstraße? Im Winter sei die schnell geräumt, kam die Antwort, die Anbindung sei auch gut. Und wirtschaftlich?, wollte Baumgartner wissen. Ja, es habe Vorteile, Betriebe schauen darauf, „aber bis zu welchem Verkehrsaufkommen will man das?“, fragte Bürgermeister Kirchmaier zurück, „wir merken den Druck aus München, da ist die Grenze erreicht“.
Viel Luft für Verbesserungen gebe es hingegen beim Öffentlichen Nahverkehr, „da kämpfen wir“, teilte Bürgermeister Kirchmaier mit. Verschoben worden ist der angekündigte Film über die B12, der neue Termin werde noch bekannt gegeben, beschloss Moderator Baumgartner die Versammlung.