Mühldorf – Samstagabend, kurz vor 23.30 Uhr, die Stimmung im Spatenzelt ist aufgeheizt. Trinkfreudige Männer in Lederhosen, ausgelassene Dirndl in Tracht stehen auf den Bänken und grölen lautstark zum Sound der „Moosner“ mit. Dann plötzlich das „Muss i denn zum Städtele hinaus“, das ankündigt: Jetzt ist es vorbei mit der Musik. Sänger Norbert Schwankl, mit nacktem und verschwitztem Oberkörper, verabschiedet sich: „Ihr ward super, danke, bis zum nächsten Mal!“
Das soll es also gewesen sein mit der Stimmung? Besonders den jungen Volksfestbesuchern kommt dieses Ende zu früh. Jetzt gibt es sogar eine Online-Petition, gerichtet an den Volksfestmanager Walter Gruber, die Ausschankzeiten zu verlängern. „Jedes Jahr freut man sich auf den ersten Besuch am Mühldorfer Volksfest. Jedes Jahr bekommt man Gänsehaut, wenn man zum ersten Mal wieder am Volksfest ist. Jedes Jahr trifft man Leute, die man das ganze Jahr nicht sieht und lernt neue kennen“, schreibt die Initiatorin, die sich als Patricia E. ausgibt.
Sie prangert an, dass die Feierlaune seit 2019 „durch eine Einschränkung der Ausschankzeiten“ getrübt sei. „Die Lokalitäten Tiroler Stadl, Weißbierkarussell, Mühldorfer Alm sowie die Bars in den Zelten dürfen an Wochentagen nur mehr bis 23.30 Uhr und am Wochenende bis 0.30 Uhr ausschenken.
Deswegen stellt sie die Frage: „Befürworten Sie, dass der Ausschankschluss wieder auf eine spätere Uhrzeit gelegt wird?“ Bis gestern waren es knapp 700 Personen, die diese Petition unterzeichnet hatten.
Für die Stadt Anlass zu reagieren? Bürgermeister Marianne Zollner sagt, dass sie es grundsätzlich verstehe, wenn vor allem die jungen Leute das Volksfest nutzen, um nach dem Urlaub gemeinsam und ausgelassen zu feiern. „Das gönne ich ihnen auch.“ Man werde eine Verlängerung überprüfen. Gleichzeitig rechtfertigt sie die Verkürzung der Ausschankzeiten, „weil Klagen von Anwohnern im Raum standen.“ Sie betont dabei, dass die erfolgte Ausschankverkürzung alleine das Zelt des Hammerwirtes betreffe, das mittlerweile als Bierzelt gleichwertig mit den anderen Zelten zu behandeln sei. Ohnehin nehme die Stadt Mühldorf eine herausragende Stellung ein im Vergleich zum Rosenheimer Herbstfest, zur Landshuter Dult oder zum Oktoberfest, wo der Ausschank schon eine Stunde früher ende.
Zollner gibt zu bedenken, dass bei der Frage nach längerem Festgenuss auch der Sicherheitsaspekt eine große Rolle spiele. Deswegen werde man die Diskussion darüber in enger Abstimmung mit Festwirten und Polizei führen.je