Haag/Kirchdorf – Läuft alles nach Plan, soll es noch im Oktober einen Ortsverband der Grünen mit dem Namen „Haager Land“ geben. Zu einem Vorbereitungstreffen lädt der Kreisverband Mühldorf heute, Dienstag, um 19.30 Uhr, in das Lokal „Casa Tropea“ in die Münchner Straße 13 nach Haag ein.
Die OVB-Heimatzeitungen haben mit dem derzeitigen Ansprechpartner Alfons Linner aus Rainbach, Beisitzer im Vorstand des Grünen Kreisverbandes, über Ziele und Möglichkeiten eines solchen Verbandes gesprochen. Der studierte Landwirt ist 34 Jahre alt, Sohn des gleichnamigen Kirchdorfer Bürgermeisters, verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren. Er wohnt in Rainbach in der Gemeinde Kirchdorf und bewirtschaftet einen Naturland-Bauernhof mit 50 Kühen sowie Hühnern, baut Gemüse an und betreibt Ackerbau.
Warum sollte ein Ortsverband der Grünen in Haag gegründet werden?
Wir haben von der Zahl der Mitglieder her eine sehr dynamische Entwicklung, die Mitgliederzahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren im westlichen Landkreis verdreifacht. Derzeit sind wir aber noch sehr Mühldorf-lastig. Das wollen wir jetzt ändern und uns im Westen vernetzen und die Mitglieder zusammenbringen.
Was sollte sich im westlichen Landkreis ändern?
Ansatzpunkte haben wir schon, aber ich hoffe, dass die Leute auch Ideen mitbringen, daher gibt es noch keine konkreten Projekte. Als Beispiel: Die Verkehrssituation in Haag ist immer noch nicht optimal, ich wünsche mir mehr Autoverkehr auf der Umgehung und weniger im Ort, damit Radfahrer und Fußgänger geschützter sind. Die Kommunen könnten ihre Flächen verstärkt für den Artenschutz nützen, etwa das Straßenbegleitgrün. Oder beim Schulbus passieren teilweise skurrile Dinge, weil es für einige Kinder unterschiedliche Zuständigkeiten gibt. Die Ortsverbände sollten mit kleinen Ideen beginnen.
Was sollte sich aus Sicht der Grünen bei jedem Einzelnen ändern?
Das Übliche hilft: Weniger Plastik, weniger Fleisch und weniger Auto fahren. Aber momentan hängt es an der großen Politik. Es sollte zentrale Lösungen geben, wir brauchen massive Veränderungen auf Bundes- und Europaebene.
Was läuft in der Region gut?
Die Kommunalpolitik ist personenbezogen, das ist sehr gut und unterstützt die aktuelle Aufbruchstimmung. In Kirchdorf gefällt mir die Pflege der kommunalen Ausgleichsflächen, da entsteht tatsächlich ein Mehrwert. Auch die Verkehrsführung in Haag ist ein kleiner Fortschritt – wie alles, was Fußgängern und Radfahrern entgegenkommt.
Sind die Schulstreiks fürs Klima in Ordnung?
Für mich ja, sie setzen ein Zeichen. Es geht einmal um die Aufmerksamkeit und auch darum, dass man etwas riskiert.
Der Kampf gegen die Isentalautobahn ist verloren, Windkraft spielt in der Region dank der bayerischen Abstandsregelung so gut wie keine Rolle, im angepriesenen Klimapaket ist die Tonne CO2 gerade einmal zehn Euro wert – sollte man als Grüner nicht lieber aufgeben?
Natürlich ist das frustrierend, aber genau das ist die Motivation. Gäbe es keine Frustrationserlebnisse, würde sich niemand in der Politik engagieren. Es ist jetzt an uns, etwas zu entwickeln. Die Leute könnten sagen: Macht’s ihr das, die anderen bringen’s nicht hin.
Interview: Karlheinz Günster