Mühldorf/Polling – Nach dem Kohlenmonoxid-Unfall in Polling, bei dem am Montag vier Personen verletzt wurden, fragen sich Heizungsbesitzer, wie man sich schützen kann. Die einzige Möglichkeit ist ein elektronischer Kohlenmonoxidwarner.
Die vier Menschen, die in einem Haus in Ehring Kohlenmonoxid (CO) eingeatmet und eine Vergiftung erlitten haben, hatten großes Glück. Einer der Betroffenen konnte noch den Rettungsdienst anrufen, als er bei einem anderen Anzeichen entdeckte, die auf einen Schlaganfall schließen ließen: Benommenheit, Schläfrigkeit. Sofort machte sich das Rote Kreuz auf den Weg, um zu helfen.
Deren Einsatzwagen sind seit ein paar Jahren mit CO-Alarmgebern ausgestattet, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn die Rettungskräfte einen vagen Verdacht hegen, dass etwas nicht stimmen könnte, sagt BRK-Einsatzleiter Helmut Zerrer über Signalwörter wie Schläfrigkeit oder Benommenheit. „Es kommt häufiger vor, dass wir zu Bewusstlosen gerufen werden, dann müssen wir das natürlich prüfen.“
Gasheizungen, Ölöfen oder Gasthermen sind mögliche Quellen für das giftige Gas, auch aus einem defekten Kamin kann Kohlenmonoxid austreten. Nach bisherigen Ermittlungen der Kripo hat in Polling ein Defekt an der Heizungsanlage im Keller des Hauses oder am Kamin zu dem Unfall geführt.
„Man sieht es nicht, man hört es nicht, man riecht es nicht“, sagt Gerhard Jäckel, stellvertretender Leiter der Rettungsleitstelle in Traunstein über das Gas. Schutz vor einer Vergiftung bietet im Schadensfall nur ein elektronischer Kohlenmonoxidwarner, der den CO-Gehalt in der Luft misst und Alarm gibt, wenn eine Vergiftung droht. Im Gegensatz zu Rauchmeldern sind CO-Warner allerdings nicht gesetzlich vorgeschrieben. Sie einzusetzen, hänge von der Entscheidung jedes Einzelnen ab, sagt Jäckel.
Die Geräte sind in Baumärkten, im Fachhandel und im Internet erhältlich und kosten zwischen 20 und 380 Euro – je nach Qualität und Funktionen. Für Kreisbrandrat Harald Lechertshuber ist der Einbau aus verschiedenen Gründen nicht zwingend notwendig. „Ein Rauchmelder ist viel wichtiger“, betont er.
Zum einen seien gute CO-Messgeräte sehr teuer, zum anderen gebe es im Haus mehr als einen Ort, an dem Kohlenmonoxid austreten könne. „Wer seine Heizung regelmäßig warten und den Kaminkehrer rein lässt, darf sich sicher fühlen.“
Für die Feuerwehr ist ein Gaseinsatz trotz der Gefährlichkeit keine Besonderheit – sofern die Feuerwehrler von dem giftigen Gas wissen, sagt Lechertshuber. „Die Leitstelle hat schon bei der Alarmierung für Polling eine CO-Warnung rausgegeben.“ Danach sei für die Feuerwehr das normale Prozedere angelaufen. „Das ist nicht anders, als wenn es brennt. Wir gehen mit Atemschutz rein und holen die Leute raus.“ Bei einem Atemschutzeinsatz müssen immer zwei Feuerwehrleute gemeinsam arbeiten, um sich gegenseitig helfen zu können. Danach wird das Haus belüftet. „Der Einsatz ist nur deshalb außergewöhnlich, weil er relativ selten ist.“
Die Bewohner wurden nach der Bergung in Druckkammern behandelt. Zwei 69 und 45 Jahre alte Frauen kamen mit Rettungshubschraubern in Kliniken in der Region, zwei Männer – 49 und 73 Jahre alt – wurden ebenfalls in Krankenhäuser gebracht. Alle vier schweben nicht in Lebensgefahr.
Informationen über CO-Messgeräte gibt es bei den örtlichen Feuerwehren.