Polling – Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger hat keinen Rückhalt mehr in der CSU. Bei der Nominierungsversammlung des Bürgermeisterkandidaten durch die beiden Ortsverbände Flossing und Polling sprachen sich die Christsozialen beider Ortsverbände mehrheitlich für Stefan Mooshuber aus. Mit 61:36 Stimmen war Kronberger unterlegen.
Unter erwartet großer Beteiligung, fand am Mittwochabend die gemeinsame Nominierungsversammlung der CSU-Ortsverbände Flossing und Poling statt.
Mit 36 zu 61
Stimmen unterlegen
Mit dem amtierenden Bürgermeister Lorenz Kronberger und seinem Herausforderer Stefan Mooshuber bewarben sich zwei Mitglieder des Ortsverbandes Flossing um die Nominierung als Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl 2020.
Bereits im Vorfeld hatte sich der Ortsverband Flossing in nichtöffentlicher Versammlung für den Kandidaten Stefan Mooshuber entschieden (wir berichteten), nichtsdestotrotz hieltBürgermeister Lorenz Kronberger an seiner Kandidatur fest und stellte sich auf der gemeinsamen Versammlung einer Kampfabstimmung, in der er mit 36 zu 61 Stimmen unterlag.
Kronberger gratulierte in fairer Geste seinem Konkurrenten und bedankte sich bei denjenigen, die für ihn votiert hatten, verbunden mit dem Hinweis: „Wir sehen uns wieder“. Infolge dieser Niederlage zog Kronberger aber auch seine Kandidatur auf der Gemeinderatsliste zurück.
Darauf vorbereitet, erstellten die beiden Schriftführer Franz Schiller und Sebastian Graf eine neue Liste mit 16 Kandidaten, die bei der anschließenden Wahl die Zustimmung der 99 stimmberechtigten Mitglieder fand. 69 stimmten für die vorgeschlagene Aufstellung, 28 nahmen Streichungen vor, zwei sprachen sich gegen die Liste aus. Im Vorfeld der Abstimmung, gab Wahlleiterin Christa Obermeier von der Kreisgeschäftsstelle der CSU den beiden Bewerbern um die Nominierung als Bürgermeisterkandidat, die Möglichkeit, sich der Versammlung vorzustellen und um die Stimmen der Mitglieder zu werben.
Den Zeitrahmen setzte sie mit zehn Minuten bis maximal eine Viertelstunde fest, der jeweilige Herausforderer musste dabei den Saal verlassen. Per Losentscheid wurde Stefan Mooshuber die erste Vorstellung zuteil.
Neuer Kandidat sieht
sich als Vermittler
Stefan Mooshuber ist Schreinermeister, Techniker und Betriebswirt, 42 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder und leitet gemeinsam mit seinem Vater einen eigenen Betrieb. Er trat 1998 der Jungen Union bei, ist seit 2014 im Kreistag und sowohl im Kreis- als auch im Ortsvorstand der CSU. In erster Linie sei es die harte Gangart Kronbergers in der Führung und im Gemeinderat gewesen, die ihn zur Kandidatur bewegt hätten, so Mooshuber. Der harte Stil habe Konflikte nicht eingedämmt, sondern angefacht. Gegipfelt habe dies im Streit um die Kinderkrippe, der den Graben zwischen Flossing und Polling aufgerissen habe: „Dieser Stil muss sich radikal ändern. In der Fußballsprache ausgedrückt, muss hier ein Trainerwechsel her“, sagte Mooshuber.
Er wolle hier, wenn er gewählt werde, als Vermittler fungieren, die beiden Orte wieder zusammenführen und die Bürger mit einbinden. Sein Augenmerk gelte unter anderem der Straßensanierung im Gemeindegebiet, der Erstellung eines Konzeptes zur Ortsumfahrung Polling, der dafür notwendigen Kommunikation mit Mühldorf, der Investition in Energie und Umwelt, Gewerbeansiedlungen und der Stärkung des Ehrenamtes, in Flossing dem gesellschaftlichen Leben wieder eine Gastwirtschaft zu bieten und Wohnprojekte für Senioren, wie es Unterneukirchen vorgemacht habe, zu schaffen. Speziell im Bausektor könne er zudem seine fachliche Kompetenz einbringen.
Kronberger will um sein Amt kämpfen
Lorenz Kronberger ist amtierender, ehrenamtlicher Bürgermeister, 52 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder, ist Landwirt und seit 24 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. In seiner Wahlrede zeigte sich Kronberger enttäuscht über die Abläufe, die zur Kampfabstimmung geführt hatten: „Wenn mir vorgeworfen wird, ich sei zu hart, dann kann ich nur sagen: Wenn Kampagnen, wie auch in Buchbach oder Zangberg ins Leben gerufen werden und eine von langer Hand geplante Gegenkandidatur kurzfristig bekannt gegeben wird, es dann schnell gehen muss, zehn Minuten Redezeit und dann die Abstimmung – das ist mir zu hart!“.
Kronberger verwies darauf, dass in den letzten sechs Jahren viel erreicht worden sei, er keine Fehler gemacht und sich stets rechtlich und inhaltlich weitergebildet habe: „Auch wenn man noch so sucht, mir kann man nix ans Zeug flicken!“ Beispiele für sein gerechtes Handeln gebe es viele, Korruption und Spezlwirtschaft habe es nie gegeben und werde es mit ihm auch nie geben. Auch wenn CSU-Mitglieder von ihm verlangt hätten, Ausgleichsflächen unter der Hand an sie zu verpachten oder Hofzufahrten auf Kosten der Gemeinde zu erstellen: „Mit mir nicht!“ Er will weiterhin zum Wohle der Gemeinde handeln und das, was man angepackt habe, weiterführen. Zum Schluss kündigte er an: „Ich werde mich auf alle Fälle bei der Kommunalwahl 2020 der Wahl zum Bürgermeister stellen – ob mit der CSU oder ohne!“