Erharting – „Wir sind Bayerns wirksamste Oppositionspartei“, mit einem Zitat der FAZ eröffnete Lisa Sieber, ÖDP-Kreisvorsitzende, die Nominierungsveranstaltung der Kandidaten für den Kreistag ab März 2020. Bei der Versammlung beim Pauliwirt erinnerte sie an erfolgreiche Bürgerbegehren, Volksentscheide und inzwischen geschlossene AKW-Standorte.
Kreisrat Reinhard Retzer gab einen Abriss über seine Arbeit im Kreistag seit 2014 und was auch sein Parteifreund Hubert Roßkothen dort erreicht habe. Außerdem schlug er zur Lösung der Lärmschutzfrage an der neuen A94 vor: „Falls man kein generelles Tempolimit durchsetzen kann, dann zumindest doch nachts!“ Er verwies auf Nachfrage auf die A3 bei Ingolstadt, wo von 22 bis 6 Uhr ein Tempolimit herrsche. Doch auch andere Ziele der Kreis-ÖDP formulierte der Kreisrat, der an den ersten Kreistagseinzug von zwei ÖDP-Mandatsträgern im Jahr 2008 erinnerte: „Genau die beiden Sitze, die der CSU seither zur absoluten Mehrheit fehlen!“.
Noch bevor gewählt wurde, rekapitulierte Kreisrat Retzer die Arbeit der beiden ÖDP-Mandatsträger: „Wir haben praktisch die Alleinherrschaft der CSU beendet, und das war auch wichtig!“. Schließlich hätten sich die Schulden des Landkreises bis zum Jahr 2008 auf 71 Millionen Euro aufgetürmt, was sich auf inzwischen nur noch 45,5 Millionen Euro reduzieren ließ. Als Zukunftsprojekt der Kreis-ÖDP betrachtet er eine mögliche Ausweitung des Betriebs der Münchner Verkehrsbetriebe bis nach Mühldorf. Mehr Verbindungen und ein günstiges Ticket für den Tarifverbund erhofft sich Retzer davon, wobei das Ganze sogar für „Schüler und Azubis kostenlos“ sein solle.
Bezüglich der Klinikfusion dürfe die Frage künftig nicht mehr lauten: „Was bringt ein Patient?“, sondern man müsse sich im Gegenteil an den Bedürfnissen der Patienten orientieren.
Dass die ÖDP für „Gemeinwohl“ steht, untermauerte Retzer mit seinem aktiven Handeln gegen CETA und TTIP: 4000 Unterschriften hatte die Kreis-ÖDP gegen die Freihandelsabkommen gesammelt und mit dem Fahrrad nach Brüssel zum ÖDP-Abgeordneten Professor Klaus Buchner gebracht. Er mahnte die Anwesenden aber, dass man sich von den Grünen bei „Fridays for Future“ nicht die Butter vom Brot nehmen lassen dürfe: „Wir sind die einzige Partei, die völlig frei von Firmenspenden nur für die Ökologie arbeitet!“, erklärte der Kreisrat und ergänzte über die Liste: „da findet man nur ganz normale, bodenständige Leut‘ und keine Karrieristen!“.Peter Becker