Ranoldsberg – Ausgestattet mit flüssigem Treibstoff in Form von 100 Liter Bier, Glühwein und Punsch machten sich knapp 50 Mitglieder der Feuerwehr Buchbach mit Festausschuss und Schirmherrn Bürgermeister Thomas Einwang zu Fuß auf den Weg nach Ranoldsberg, um einen Göd für ihr 150-jähriges Gründungsfest im Juli 2020 zu suchen. Ob sie fündig werden würden?
Sie hatten zumindest alle Register gezogen: Denn dort angekommen marschierten sie – musikalisch begleitet von der Buchbacher Blasmusik – ins Gasthaus Willis ein, wo sie bereits von der Vorstandschaft der Ranoldsberger Floriansjünger und zahlreicher Gäste erwartet wurden.
Bitte an den Göd in
Gedichtform geäußert
Der Vorsitzende der Feuerwehr Ranoldsberg, Martin Bohner, begrüßte die zahlreichen Gäste und die Delegation aus Buchbach und fragte scheinbar ahnungslos nach dem Grund des Besuches.
Ludwig Mottinger, Vorsitzender des Festvereins aus Buchbach, machte keinen Hehl aus dem Anliegen der Buchbacher und trug in Gedichtform seine Bitte nach Übernahme der Patenschaft für das Gründungsfest vor.
Da die Ranoldsberger bereits Wind von der Sache bekommen hatten, beauftragten diese im Vorfeld einen Privatdetektiv, Näheres über den Paten in Erfahrung zu bringen.
Hochzeitslader und Humorist Christian Senftl, der gekonnt durch den Abend führte, trug das Ergebnis den Ranoldsbergern vor. Trotz diverser Vorkommnisse bei den Buchbachern riet er den Ranoldsbergern dennoch zur Übernahme der Patenschaft. Nachdem aber die Verhandlungen über die Höhe des Freibiers nicht zu dem von den Ranoldsbergern erhofften Ergebnis geführt hatten, drohten sie den Bittstellern mit Scheitln. Tatsächlich brachte das etwas Bewegung in die Verhandlung. Trotz einer litermäßigen Annäherung kamen die Buchbacher aber am „Scheitlknien“ nicht vorbei.
Großer Atem,
weiches Scheitl
Neben dem Vorsitzenden Ludwig Mottinger mussten auch dessen Stellvertreter Martin Fischer, die beiden Kommandanten Michael Mottinger und Martin Barth, Schriftführer Josef Schmid sowie die Festmutter Annemarie Mottinger, Festbraut Christina Tafelmeier, Patenbraut Franziska Deinböck, die Sprecherin der Festmädchen Miriam Bootz und Schirmherr Thomas Einwang zum Knien antreten. Nicht aber, ohne vorher einer kritischen Untersuchung hinsichtlich unerlaubter Hilfsmittel unterzogen zu werden. Prompt wurden die Prüferinnen bei Schriftführer Josef Schmid fündig, der sich mit Hilfe illegaler Mittel – eine lange Unterhose – das Knien erleichtern wollte.
Dabei reichte auch schon ein langer Atem, um die Kanten der Scheitl zu entschärfen: Über lange Feuerwehrschläuche mussten die Bittsteller dafür nur Luftballons entsprechend füllen. Immerhin: Auch Weißbier, Scheitlbrot mit Wurst sowie Kuchen versüßte den Buchbachern das Knien zusätzlich. Erst nachdem alle aufgegessen und ausgetrunken hatten, willigten die Ranoldsberger in die Patenschaft ein. Die Zusage wurde dann selbstverständlich gemeinsam begossen und bis tief in die Nacht hinein gefeiert.
Mit einem riesigen Kuchenbuffet sorgten die Ranoldsberger Frauen dabei für die passende Nachspeise der Gäste und Besucher.