Hut ab! Ein besonderes Jubiläum

von Redaktion

Traditionshaus Knittlberger aus Haag wohl das älteste Hutgeschäft in Deutschland

Haag –Viele alte Gewerbe sind in Haag ausgestorben. Eine Ausnahme ist das Traditionshaus Knittlberger. Das Hutmacherhaus gibt es seit 485 Jahren. Inhaberin Renate Wortmann sieht „gute Chancen, den Standort an der Wasserburger Straße zu erhalten“. Überraschend kam nun die Gratulation vom Deutschen Hutverband GDH: „Unseres Wissens gibt es kein älteres Hutgeschäft in Deutschland.“

Um 1600 arbeitete in Altdorf ein „Korber“. In Haag bereicherten das Geschäftsleben die Lebzelter, Nadler, Abdecker, Seifensieder, Kupferschmiede, Melbler (Mehlhändler), „Zahnbrecher“ und Bannrichter. Für das Jahr 1534, also noch zu Lebzeiten des Grafen Ladislaus, eruierte nun der Geschichtsforscher Rudolf Münch einen erstgenannten „Hueter“ in Haag. Aus dem Jahressteuerbuch entnahm er seinen Beitrag in Höhe von zwei Schilling und acht Pfennigen.

Das Kuriose dabei ist, dass in dem Haus an der Wasserburger Straße seitdem lückenlos Hutmacher arbeiteten. Heute verkauft Renate Wortmann, alles, „was die Dame, den Herrn und das Kind auf dem Kopf behütet“ und ist überzeugt: „Das traditionelle Accessoire Hut ist so angesagt wie nie.“ Es gäbe neue Designs von „Klassisch“ bis zum „persönlichen Look“.

Der Haager Familien- und Häuserforscher Dr. Eugen Kellner führt aus dem Jahr 1739 eine Rechnung dieses „Huetterers“ im Buch des „Armenleute- und Leprosenhauses“ auf. Das Haus gehörte früher zum „gräflichen Kasten“, dem Erbbaurecht des Grafen. 1853, nach dem Haager Brand, ist eine Walburga Pölz als Besitzerin genannt. Der Hutmacher Karl Jungwirth heiratete kurz darauf die Bäckerstochter Franziska Wimmer, die beim „Scheicherwirt“ in Haag Dienst leistete. Die beiden hatten sieben Kinder.

Auf den Mechanikermeister Karl Ederer, der sich 1905 auch als Berufsmusiker eintrug, in Blaskapelle und Chor wirkte, folgte sein gleichnamiger Sohn, der das Hutmacherhandwerk in München gelernt hatte. Für 1933 ist ein „Hut- und Mützengeschäft“ in einer Anzeige angeführt, in der die Besitzer auch Reparaturen in eigener Werkstatt fachmännisch auszuführen versprechen.

Nach dem
Krieg geräumt

Ende des Zweiten Weltkrieges räumten die Amerikaner den Bestand des Geschäftes, einschließlich der historischen Hüte ab. Die heutige Inhaberin Renate Wortmann berichtet dazu: „Meine Oma hat erzählt, dass sie eine Stunde Zeit hatten, um das Nötigste einzupacken und den Amerikanern das Haus freizumachen.“ Aus München heiratete dann Alfred Knittlberger ein, der auch der heutigen Generation als Haager Hutmachername bekannt ist.

Ihr außergewöhnliches Jubiläum hat Renate Wortmann jetzt am internationalen Tag des Hutes mit einem Jubiläumsgewinnspiel gefeiert. Auch über diesen Tag weiß sie einiges: „Das ist der Namenstag der heiligen Katharina. Catherinettes waren in Frankreich die unverheirateten Frauen, die an diesem Tag der Katharina-Statue einen Hut aufsetzen und selber einen tragen mussten.“ Mit diesem Beispiel geht Renate Wortmann seit Jahren den Haager Damen voran.

Fachgeschäft contra Shopping Center

Das traditionelle Accessoire Hut ist so angesagt wie nie.

Renate Wortmann

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