Mettenheim – Josef Kobler, Direktor der Landwirtschaftsschule Töging, hatte zu einem Vortrags- und Diskussionsabend in den Saal des Kreuzerwirts in Mettenheim geladen und zahlreiche Studierende und Lehrkräfte, aber auch interessierte Landwirte waren gekommen – der Saal war voll.
Thomas Hobmaier fungierte als Moderator, drei Studierende des dritten Semesters aus der Abteilung Landwirtschaft hatten in der Gruppe Vorträge ausgearbeitet.
Florian Dirnberger sprach über das Eigen- und das Fremdbild der Landwirtschaft, also darüber, wie die Bauern sich selbst sehen und wie sie in der Gesellschaft gesehen werden. Um dazu Zahlen zu eruieren, waren die jungen Bauern in die Realschule und das Gymnasium Maria Ward in Altötting gegangen und hatten dort Schüler*innen und deren Eltern befragt, ebenso wie die Studierenden der Töginger Landwirtschaftschule und deren Eltern. Der Beruf „Landwirt“ wurde dabei neben Arzt und Polizist besonders wichtig angesehen, Politiker und Profifußballer schnitten eher schlecht ab. Aussagen wie „Landwirte versorgen uns mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln“ oder „Landwirte haben einen schönen und interessanten Beruf“ wurden häufig gewählt. Als Fazit der Befragung ergab sich, dass die Landwirtschaft in Bayern zwar sehr wichtig ist, aber unter einem schlechten Image, einem schlechten Ansehen in der Gesellschaft leidet.
Mit diesem Thema beschäftigte sich Johanna Kaltenecker weiter. Sie sprach über „Die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit und in den Medien“ und zeigte Schockbilder aus Rinder-, Schweine- und Hühnerzucht, stellte ihnen idyllische Bilder gegenüber, wie sie die Tourismuswerbung verwendet: Sonne, grüne Wiesen, Ferkel auf der Weide. Ihr Fazit: Die bayerischen Tiere werden artgerecht gehalten, wenngleich sie „schwarze Schafe“ einräumen musste, „die gibt es immer“. Johanna Kaltenecker berichtete von Fernsehsendungen, in denen Bauern nicht so gut wegkommen. In „Bauer sucht Frau“ werden Klischees gepflegt, Bauern sind Junggesellen, ungepflegt, Muttersöhnchen. Dagegen verwehrte sie sich, so sind die Bauern nicht. Auch „Unser Land“ war für sie früher informativer, interessanter. Jetzt werden oft konventionelle Bauern als minderwertig dargestellt. Dies fördere die Spaltung der Bauern. Auch die „Landfrauenküche“ sei ein Trugbild, hier werde ein Idealbild der kleinbäuerlichen Landwirtschaft dargestellt: Die Frauen stehen am Herd, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. In Zeitungen wie der größten deutschen Tageszeitung werden die Landwirte oft verunglimpft, es wird gefragt, ob sie die Milliardensubventionen verdienen. Da die Landwirtschaft, so Johanna Kaltenecker, stark vom Klima abhängig ist, muss der Staat bei Dürren oder Überschwemmungen helfend eingreifen. Abschließend stellte die Referentin fest, dass sich das Bild der Landwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg stark geändert habe: Habe damals der Bauer noch für die Ernährung der Bevölkerung gesorgt, seien Lebensmittel etwas wert gewesen, sei heute alles billig, alles jederzeit zu haben, wodurch sich die Rolle der Bauen verschlechtert habe. Die goldene Regel von Johanna Kaltenecker: Miteinander statt übereinander reden.
Die Dritte im Bunde, Veronika Auer, vertiefte mit ihrem Vortrag: „Das Image der Landwirtschaft – Trugbild oder Wirklichkeit?“ diese Thematik. Auch sie blickte in die Vergangenheit zurück, vor 100 Jahren hatte der Bauernstand ein hohes Ansehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Stadtbevölkerung stark von den Bauern abhängig gewesen, zum „Hamstern“ fuhr man aufs Land, die Städter tauschten mit den Bauern Wertsachen gegen Lebensmittel. In den 80er-Jahren führte eine landwirtschaftliche Überproduktion zu Butterbergen und Milchseen, in den 90er- Jahren begann die „Grüne Welle“: Essen war nun genügend vorhanden, die Verbraucher begannen die Qualität zu hinterfragen.
Jetzt, im 21. Jahrhundert, leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft, das ganze Jahr kann man jegliches Lebensmittel kaufen. Die Rolle des Landwirts hat sich vom Volksernährer zum Buhmann und Sündenbock gewandelt, man bedenke zum Beispiel das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, bei dem es eigentlich um den Erhalt der Artenvielfalt ging.
Woher kommt das schlechte Image der Landwirte in der Gegenwart? Veronika Auer antwortet, dies sei auf schlechte Presse, soziale Medien, Lebensmittelskandale und schwarze Schafe zurückzuführen. Was kann man dagegen tun? Auch hier weiß die Studierende Antworten: „Tu Gutes und rede darüber. Kläre auf, was bereits alles gemacht wird, zum Beispiel Wochenmärkte oder Hofläden mit regionalen Produkten. Suche das Gespräch mit den Verbrauchern.“ Ihr Fazit: Die Landwirtschaft hat ein positives Image verdient.
Nach den drei interessanten Vorträgen standen die drei Referenten und Mitarbeiter ihrer Arbeitsgruppe für eine Podiumsdiskussion zur Verfügung. hra