Oberneukirchen – Die Gemeinde Oberneukirchen will die Planung für eine Wasserversorgung des gesamten Außenbereichs in Auftrag geben. Das ist das Ergebnis einer Informationsveranstaltung mit betroffenen Haus- und Hofbesitzern beim Holzmannwirt.
Viele Interessierte waren zu der Versammlung gekommen, um sich Klarheit zu verschaffen, wie der eklatante Wassermangel behoben werden könne (wir berichteten).
Grundsätzlich darf
nachgebohrt werden
Bürgermeisterin Anna Meier informierte zu Beginn der Versammlung über ein Gespräch beim Bayerischen Gemeindetag in München. Das Gespräch habe einige Türen geschlossen, aber auch einige geöffnet, so Meier. Die Frage, wann für jeden der richtige Zeitpunkt zum Anschluss sei, könne nur von den jetzigen Eigenversorgern beantwortet werden. „Deshalb ist dieser Abend besonders wichtig für alle, eine Entscheidung zu treffen“, so Meier.
Den Auftakt der Veranstaltung machte Harald Dippe von der Berufsgenossenschaft Bau über Vorschriften der Baustellenverordnung und über das Für und Wider von Nachbohrungen eines vorhandenen Brunnens beziehungsweise dem Neubau eines Brunnens und den damit verbundenen Risiken. Auf die Frage, ob neu gebaut oder nachgebohrt werden dürfe, kam ein grundsätzliches Ja des Referenten.
Die darauffolgenden Aussagen von Lisa Tenhaken vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim – sie betreut den Landkreis Mühldorf – waren für manche Zuhörer ernüchternd. Sie bezeichnete die aktuelle Situation als problematisch, da die Grundwasserbildung um 26 Prozent geringer geworden sei und deshalb schon mehrere Hausbrunnen kein Wasser mehr liefern könnten. Ein Wiederanstieg sei nur durch mehrere Nass-Jahre möglich. Außerdem sprach Tenhaken die chemische Belastung vieler Brunnen an. Ihr Fazit: Ungeschützte Brunnenanlagen und mangelnder baulicher Brunnenzustand forderten den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung.
Über einen Neubau oder die Instandsetzung der Brunnen sprach Brunnenbauer Wast Tafelmaier deutliche Worte. Bei Schachtbrunnen, so Tafelmaier, liege durch den niedrigen Wasserstand das Hauptproblem bei den Schachtwänden, oft sei die Dichte nicht gegeben. Er wies auf die Kosten einer Neubohrung mit rund 20000 Euro bei einer Tiefe von 38 Metern hin.
Auch Franz Wimmer sprach die anfallenden Kosten bei einer Bearbeitung an, die anfallen, wenn ein Brunnen bakteriologisch belastet ist. Kosten bei 6000 bis 7000, auch eine Nitratreduzierung kostet rund 2500 Euro. Jakob Bichlmaier vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Taufkirchner Gruppe wies noch mal auf seine Aussage bei der Bürgerversammlung hin. „Der Wasserzweckverband hat kein besonderes Interesse, sich in Oberneukirchen zu betätigen, aber wenn es gewünscht wird, sind wir natürlich dabei“, betonte er. „Eins ist aber sicher: Es wird bestimmt teuer für Oberneukirchen. Denn was einmal versäumt wurde, ist nicht wieder gut zu machen, aber es soll nicht ein zweites Mal versäumt werden.“ Bichlmaier erinnerte aber daran, dass diese Investition auch für die nächsten Generationen entscheidend sei. Auf die Frage, ob ein Ausbau in Eigenleistung möglich und nicht billiger wäre, gab Franz Osl von der Wassergenossenschaft Ensdorf Auskunft.
Die Erschließung von Ensdorf fand vor 25 Jahren durch eine Genossenschaft statt. „Wir haben damals ganz anders bauen können als eine Gemeinde“, sagte Osl. Jetzt sei besonders auch auf den Brandschutz zu achten und die Leitungen konnten mit Zustimmung der Eigentümer quer durch Wiesen und Felder verlegt werden.
Auf Brandschutz
achten
Bei einer Eigenverlegung, so Gabi Grundner vom Wasserzweckverband, übernehme der WZV nur den Anschluss, wenn der Bau durch ein Ingenieurbüro ausgearbeitet werde und sich jemand bereit erkläre, die Verantwortung für diese Maßnahme zu übernehmen.
Zum Schluss der Diskussion stellte Bürgermeisterin Anna Meier die Frage an die Betroffenen: Soll eine Gesamtplanung jetzt in Auftrag gegeben werden? Da keine Gegenstimme abgegeben wurde, wird die Gemeinde eine Gesamtplanung aller Anwesen im Außenbereich in Auftrag geben.