Steckbrief

„Rap ist Gefühlssache“

von Redaktion

Porträt der Woche Diskjockey FLA da Liquid alias Martin Weiherer

Mühldorf – Ist Rap moderne Poesie? Die Sprache ist bildhaft, kunstvoll gereimt, die Zeilen haben einen guten Flow. Viele Stilmittel, die bei Goethe und Co. funktionieren, tun dies abgewandelt auch beim Rap, sagt Martin Weiherer, der sich als Deutsch-Rapper „FLA da Liquid“ nennt und in Mühldorf lebt. „Rap ist eine Gefühlssache, mit den Emotionen spielt und viel Platz für Text bietet“, sagt er.

Der 39-Jährige rappt seit 1997 und hat mit „Good Life“ gerade eine neue Platte produziert. Sein Geld verdient der Molkereimeister als Abteilungsleiter einer Lebensmittelfirma.

Rappen ist wie Tagebuch führen

Sich mit Sprechgesang auszudrücken, ist für Weiherer wie Tagebuch zu führen. „Du schreibst dir alles von der Seele, kannst dich ausdrücken, die Vielfalt der Worte nutzen und viel mehr Text reinpacken, als in ‘nen Popsong.“

Er nutzt das Rappen, um sich „auszukotzen“, wenn es ihm schlecht geht. Oder über die Schönheit des Lebens zu philosophieren. Vieles ist autobiografisch, manches Fiktion.

Oder die Anspielungen auf Orte wie Wasserburg, Schnaitsee oder Waldkraiburg. „Ich brauche keine Großstadt. Ich bin hier gerne, weil ich meine Freunde in der Umgebung habe“, rappt er. Zum ersten Mal kam Weiherer als 13-Jähriger mit deutschem Rap in Berührung, als die „Fantastischen Vier“ berühmt wurden. „Die haben mich in ihren Bann gezogen, auch der Klamottenstil gefiel mir. Ein paar Jahre später rappte ich meine eigenen Texte“. Seinen ersten Auftritt hatte er 2002 beim Wasserburger Nationenfest. Das Plakat hat er noch, es hängt in seinem Studio. Inzwischen tritt FLA da Liquid in München, Köln, Kaiserslautern und Stuttgart auf. „Und plötzlich stand ich mit Legenden auf der Bühne.“

Dabei will er sich von anderen Rappern unterscheiden, wie er am Beispiel Gangsta-Rap deutlich macht. Das Genre sei in den 90er-Jahren mit brachialen und aggressiven Texten eher verpönt gewesen. „Heute ist das Mainstream.“ Drogen, Gewalt, Prostitution, Waffen, dazu düstere und melancholische Melodien – all das wurde plötzlich popkulturkompatibel.

Die Welt von FLA da Liquid ist das nicht, auch, wenn er manchmal Kraftausdrücke benutzt. Frauen abwerten will er nicht. Auch wenn seine Raps auf Hochdeutsch sind, mischt er englische oder bairische Begriffe in die Zeilen. „Zum Beispiel ,du Depp‘, was ja per se liebevoll ist.“

Er sammelt:
150 Käppies

Sein Kleidungsstil unterstreicht die Figur „FLA da Liquid“: übergroße Shirts von Basketball-Teams, Baseballcaps, tiefhängende Baggy Pants, weite Kapuzenpullis. Und je nach Anlass: Bling-Bling, also Schmuck und Opulenz als starker Kontrast zum „Gangster-Style“ in der Szene.

Mode ist Teil der Rapkultur und FLA da Liquid ist mit einer beachtlichen Sammlung an Trikots aus den USA ausgestattet. Rund 150 Käppis feinsäuberlich in Schutzhüllen geordnet, runden den Fundus ab. Sein Hobby, der Rap, ist teuer. Er lacht. Zigtausende hat er in die Klamotten investiert. Aber viel wichtiger ist ihm die Qualität seiner Musik.

An einer Profikarriere war Martin Weiherer ganz nah dran. 2012 stand er bei Warner Music Berlin kurz vor dem Durchbruch, ein Foto-shooting für die Bravo Hip-Hop war im Kasten. „Mein Manager hat es verkackt, Geld veruntreut und ein 200000 Euro-Dreh ist geplatzt“, sagt er über die Zeit, in der er zunächst hinwarf. Er konzentrierte sich auf Job und Familie.

Zwei Jahre später war FLA da Liquid zurück und richtete sich zuhause sein Studio ein. Mit seiner tiefen Stimme setzt er an zu einem Lobeslied auf die „Welt der Musik“. Mit der Zeit wird man wortgewandt, weiß, welche Zeilen funktionieren, sagt Weiherer all jenen, die rappen lernen wollen. Martin Weiherers Praxistipp lautet: Seinen Lieblingsrapper hören und nachrappen.

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