Ein Ringen um die Zukunft der Stadt

von Redaktion

Waldkraiburg will sich weiter entwickeln, aber es gibt Widerstand der Bürger

Waldkraiburg – Egal, wohin man blickt: Die Stadt Waldkraiburg stößt in allen Richtungen auf ihre Grenzen. Nur Restflächen sind übrig, auf denen sich die Stadt noch weiter entwickeln kann – beim Wohnen und beim Gewerbe. In Waldkraiburg-West sollen seit Jahren wieder Bauparzellen entstehen, nördlich der Daimlerstraße will die Stadt der Industrie Platz geben. Doch mit Bekanntwerden der Pläne wird auch Kritik der Bürger laut.

Mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße sollen fast 1,8 Hektar Wald verschwinden. Industrie und Bürger würde dann nur noch die rund 50 Meter breite Schilcherlinie trennen. Viel zu wenig, denken sich Anwohner und Naturschützer. Eine Bürgerinitiative fordert, dass der komplette Daimlerwald erhalten bleiben soll. Einen Bürgerantrag mit 344 Unterschriften überreicht die Initiative an Bürgermeister Robert Pötzsch. Ein deutliches Zeichen.

Die Stadt nimmt die Kritik auf: Bei einer Podiumsdiskussion können beide Seite ihre Argumente austauschen. Und die Stadt zieht auch ihre Schlüsse. Der Stadtentwicklungsausschuss bereitet den Weg für eine Kompromisslösung: Das Gewerbe bekommt mehr Platz, im Gegenzug verzichtet die Stadt auf eine eigene Stichstraße. Es gibt später sogar noch eine erweiterte Kompromisslösung: 20 statt 13 Meter Wald sollen östlich der Schilcherlinie erhalten bleiben.

Auf eine Erweiterung des Gewerbegebiets wollen die Stadträte aber nicht komplett verzichten und lehnen daher den Bürgerantrag im Dezember ab. Die weitere Entwicklung nördlich der Daimlerstraße soll „behutsam und bedarfsorientiert“ unter Berücksichtigung der Interessen der Bürger passieren.

Nicht nur die Industrie braucht mehr Platz, auch die Frage noch Wohnbaugebieten ist groß. 300 Interessenten hat die Stadt nach eigenen Angaben auf der Warteliste, entsprechende Angebote gab es aber lange Zeit nicht. Der Traum vom Eigenheim – in Waldkraiburg fast schon aussichtslos. Doch jetzt tut sich was in Sachen Bauland.

Im Westen der Stadt sollen auf acht Hektar 104 Bauparzellen entstehen, für Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäuser. Zur bestehenden Bebauung solle ein Grünstreifen einen sanften Übergang schaffen. Doch auch hier meldeten Anwohner bei einer Informationsveranstaltung Bedenken an. Das Baugebiet könne rechtswidrig sein, da es eine Baurechtsnovelle gebe, die gegen den Flächenfraß wirken soll. Die Erschließung des Baugebiets über die Stettiner Straße und der Verlust von Waldflächen waren ebenfalls Kritikpunkte. Auch die Vermarktung der Grundstücke oder die Preise sind zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Die Stadt selbst ist nur in Besitz einer kleineren Fläche, die ungefähr zehn Parzellen entspricht.

Alternativen zu diesem Baugebiet gibt es nur bedingt: Das einzige größere Gebiet ist der Gasteig, der aktuell dem Freistaat gehört. Der verkauft allerdings nur, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.hi

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