Fast ein ganzes Leben in der SPD

von Redaktion

Eduard Burgstaller ist seit 60 Jahren Mitglied einer Partei, die ihn traurig stimmt

Töging – Zur Weihnachtsfeier holte ihn sogar SPD-Bürgermeisterkandidat Günter Zellner ab, im Rahmen der Feier verlieh ihm Vorsitzende Birgit Noske eine besondere Ehrung: Der 90-jährige Eduard Burgstaller ist seit 60 Jahren in der SPD.

1959 trat er als damals 30-Jähriger in die Töginger SPD ein. „Wir haben hier zunächst nicht mal eine Wohnung bekommen“, schildert der Rentner die schwierigen Verhältnisse in Töging, „obwohl ich schon länger in der Gewerkschaft war!“

Zuerst nicht einmal
eine passende
Wohnung gefunden

Mit seiner Frau Theresia, die er vier Jahre zuvor geheiratet hatte, wollte er nichts unversucht lassen, um Kontakte für eine familiengerechte Unterkunft zu knüpfen. Da es keine ausreichend große Wohnung gab, konnte sich das Paar glücklich schätzen, dass bei ihren Eltern jeweils zwei der Söhne aufwachsen konnten, denn „Kindergeld gab‘s ja auch noch keins!“, damals arbeitete er im Aluminiumwerk in Töging.

An Gründen für das politische Engagement mangelte es Eduard Burgstaller jedenfalls nicht. Sogar für den Töginger Gemeinderat hatte sich der gelernte Schlosser in den 1960er-Jahren einmal aufstellen lassen: „Ich war aber zu unbekannt, um rein zu kommen“, blickt der nun von der SPD Geehrte nüchtern zurück.

Um die Lebenssituation zu verbessern, zog das Paar nach München, wo Eduard Burgstaller dann bei der Post als Fernmeldetechniker im Staatsdienst arbeitete. Auch in dieser Zeit blieb er der SPD treu. Besonders die politischen Veranstaltungen von Hans-Jochen Vogel im Ortsverband München-Ost hatten es ihm angetan, doch einige „junge Quertreiber“ verleideten dem Familienvater dort mehr politisches Engagement. „Ich stand sogar schon kurz vor dem Austritt“, erinnert sich das langjährige SPD-Mitglied, „aber meine Frau hat mich zum Glück davon abgehalten!“

Aktuelle
SPD-Wahlergebnisse
stimmen ihn traurig

Dabei war die Liebe seines Lebens bis vor Kurzem selbst noch gar kein Mitglied der SPD, obwohl ihr Vater den Töginger SPD-Ortsverband nach dem Krieg sogar mitbegründete. Nach seiner Pensionierung infolge seines Sturzes in den Oberammergauer Alpen, kehrte Eduard Burgstaller der Landeshauptstadt den Rücken und kam zurück nach Töging, „um meine Mutter zu pflegen“.

Auf die Frage, wie er die aktuelle Situation seiner Partei betrachte, gesteht er: „Die Wahlergebnisse der letzten Zeit machen mich sehr traurig!“ Als Grund vermutet das Töginger SPD-Urgestein, dass die jungen Genossinnen und Genossen „wohl zu tolerant und fair“ seien und es daher nicht schaffen würden „sich vorteilhaft und einig darzustellen“.

„Siebengescheiten
nicht so einfach
nachgeben“

Konkret auf die Auseinandersetzung der Töginger SPD auf deren Nominierungsveranstaltung angesprochen, bei der Stadträtin Marion Demberger aufgrund von Meinungsverschiedenheiten ihre Kandidatur zurückzog, bedauerte Burgstaller die Entscheidung der „sympatischen und freundlichen“ Genossin. Seiner Meinung nach hätte sie „dem Siebengescheiten“ nicht so einfach nachgeben sollen.

Zweifel, ob SPD
wieder Bürgermeister
stellen kann

Ob es seine SPD-Ortsgruppe schaffen kann, das Töginger Rathaus im März 2020 zurückzuerobern, darüber ist sich der Senior, der politisch voll auf dem Laufenden ist, unklar: „Der Doktortitel von Bürgermeister Windhorst zieht halt sehr gut“, analysiert der Rentner. Doch die Hoffnung auf mehr Stadtratssitze, als die SPD derzeit hat, gibt ihm die paritätische Doppelspitze des Ortsverbandes, bestehend aus Birgit Noske und Marco Harrer: „So können sie sich die Arbeit gut aufteilen und haben in der Summe mehr Anhänger“, denkt Eduard Burgstaller.

Privat freut er sich mit seiner Frau Theresia auf Weihnachten und die Besuche seiner sechs Urenkel. „Unsere fünf Enkel und die drei verbliebenen Söhne sind ja schon alt genug“, doch für die Jüngsten aus dem Burgstaller-Clan, wird das Christkind sicherlich auch in Töging vorbei schauen.

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