Flieger, Schwimmerl und Moarstock

von Redaktion

Franz Salzberger führt die Tradition des Eisstock-Drechselns fort

Polling/Moos – Die Eisschützen stehen schon in den Startlöchern, warten auf den Frost. Dem „Wuidschiaßn“ haben sie sich verschrieben, einem Sport, dem sie mit gedrechselten Holzeisstöcken auf zugefrorenen Weihern und aufgespritzten Eisbahnen frönen. So wie es schon vor 100 Jahren war. Doch woher die Eisstöcke nehmen? Dafür braucht es einen Spezialisten, der sein Handwerk versteht. So einen wie den Franz Salzberger. Der Pollinger greift auf überliefertes Wissen zurück, war es doch sein Schwiegervater Josef Sieghart, der Wagner (die Kunst des Wagen-Räder-Herstellens) gelernt hatte und deswegen auch als der „Wagner Sepp“ bekannt war. Er drechselte schon vor mehr als 50 Jahren Eisstöcke in seiner Werkstatt am Dorfplatz.

Der Schwiegersohn führt diese Tradition schon seit Jahrzehnten fort, allerdings im Ortsteil Moos. Dort stellt er in seinem Fachwerkstadl, den er vor 35 Jahren in Altenmarkt ab- und in Moos wieder aufgebaut hat, maßgedrechselte Eisstöcke und viele weitere Handwerksprodukte aus Holz her. Neben Eisstöcken finden sich Futterhäuschen, Nistkästen für Vögel oder kunstvolle Obstschalen. Viel Zeit verbringt er in seiner Werkstatt dafür.

Und so ein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr morgens. Franz Salzberger legt ein paar Holzscheite nach, der alte Holzofen verbreitet bereits wohlige Wärme. Es wird – hoffentlich bald – Winter und der ein oder andere „Wuidschütz“ braucht für die Saison einen neuen Eisstock.

So ein Holzeisstock besteht aus drei einzeln angefertigten Teilen. Zwei davon – den sogenannten Körper und den Stiel – stellt der Hobby-Handwerker selbst her: „Den Eisenring macht mir der Hopf Engelbert aus Oberneukirchen in seinem Metallbau-Betrieb. Da bin ich sehr froh drum, denn es ist immer schwierig, einen passenden Ring aufzutreiben“, verrät Franz Salzberger, während er eine Holzschale, die als Unterbau für eine kunstvoll gestaltete Glasschale dienen soll, auf der Drechselbank bearbeitet. Danach geht’s an die Auswahl des Holzes für den ersten Eisstock des Tages. Prinzipiell nimmt man dafür Laubholz, Holz von Obstbäumen, das geschnitten wird und über fünf bis acht Jahre natürlich trocknet. Je nach Stärke des Rohlings.

Einen sieben Jahre alten Holzrohling hat der Franz ausgesucht, um einen „Moarstock“ anzufertigen. „Der Moarstock ist ein sehr langsam laufender Stock, der zum „Anschießen“, also für den ersten Schuss des Moar, verwendet wird. Dafür braucht man sehr weiches Holz, beispielsweise eine Linde“, erklärt der Meister. Denn je weicher das Holz, umso langsamer der Eisstock. Und umgekehrt: Je härter, desto schneller.

Für die „Flieger“ oder „Schwimmerl“, also die schnellen Eisstöcke, werden gerne verschiedene Hölzer verleimt und zusätzlich noch Schiffslack auf die Lauffläche aufgetragen. Sie haben auch eine flachere Bauform, während die langsamen eher haubenförmig gestaltet werden.

Franz Salzberger spannt den Rohling ein und drechselt den Körper des Eisstocks, der in der Mitte eine Bohrung zur Aufnahme des Stiels erhält. Dieser Stiel wird aus Eschenholz gefertigt und in den Körper eingepresst, ehe zum Schluss der Metallring aufgezogen wird – fertig ist der neue Eisstock!

Arbeit mit Holz
ist eine Passion

Für den pensionierten Eisenbahner ist die Arbeit mit Holz eine Passion. Sein Schwiegervater, dem er gerne bei der Arbeit geholfen hat, hat ihn mit seiner handwerklichen Begeisterung angesteckt.

Und natürlich ist es für ihn ein Stück weit der Erhalt der Tradition des Eisstockschießens, die ihn antreibt und für die er nur zu gern auch für Kinder und Jugendliche den passenden Stock anfertigt: „Schließlich gehört das Eisschießen zu unserer bayerischen Kultur und es ist ein gesellschaftliches Ereignis. Schau nur bei den Vergleichswettkämpfen mit den Nachbarorten, da kommen die Leut‘ zusammen – erst auf der Eisbahn und danach bei der Siegesfeier im Gasthaus“, hebt der Franz die Bedeutung des Eisstockschießens in einem Dorf wie Polling hervor, und macht sich sogleich wieder an die Arbeit. Schließlich soll zu Saisonbeginn kein Lieferengpass entstehen.

Und noch etwas anderes spielt eine Rolle: Bei aller Leidenschaft für die Herstellung der Holzstöcke liebt es Franz Salzberger auch, selbst auf die Eisbahn zu treten, um unter Freunden und Bekannten die Qualität seiner Stöcke auch selbst zu testen.

Artikel 1 von 11