Als ich mir vor ein paar Tagen Gedanken über das scheidende und das bevorstehende Jahr gemacht habe, sind mir einige Begriffe immer wieder durch den Kopf gegangen. „Weichen stellen“ und „Veränderungen“.
In diesem Jahr viele Weichen gestellt
In diesem Jahr wurden viele Weichen gestellt und viele der Veränderungen, die damit einhergehen, werden wir wohl erst in den kommenden Jahren wirklich sehen. Dann wird sich zeigen, was diese Entscheidungen wert sind. Haben Sie Bestand?
Erfolgt daraus eine Verbesserung für die Menschen die im Landkreis Rosenheim leben und was wird sich daraus vielleicht noch entwickeln?
Die erste große Veränderung hat es bereits zum Beginn des Jahres gegeben, das Volksbegehren zur Artenvielfalt, besser bekannt unter dem Namen „Rettet die Bienen“. Auch im Landkreis Rosenheim hat das Volksbegehren die Zehn-Prozent-Hürde deutlich überschritten. Über 19 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger trugen sich in den Gemeinden und Rathäusern in die Listen des Volksbegehrens ein.
Der Schutz der Pflanzen und Tiere ist für den Landkreis Rosenheim schon lange ein wichtiges Thema. Für die im Eigentum des Landkreises befindlichen Flächen wurde bereits 2018 in die Pachtverträge die Verpflichtung mit aufgenommen, auf den Einsatz von Herbiziden und Neonicotinoiden sowie Glyphosat zu verzichten.
Pflanzen und
Tiere bewahren
Auch gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut darf nicht verwendet werden. Zudem ist beim Abschluss eines Pachtvertrages die untere Naturschutzbehörde eingebunden.
Weiter engagiert sich der Landkreis seit über 20 Jahren für die Renaturierung und den Erhalt der Moore. Etwa 300 Hoch- und Niedermoore haben wir in der Region. 10,3 Prozent der Landkreisfläche bestehen aus diesen wertvollen Klimaschützern. Jedes Hektar intakten Moores speichert im Jahr 15 Tonnen CO2. Die Arbeit hier ist noch lange nicht beendet und wird auch in den kommenden Jahren fortgesetzt.
Seit 45 Jahren gibt es im Landkreis Rosenheim auch einen Naturschutzbeirat. Fünf Männer und Frauen sowie deren Stellvertreter beraten den Landkreis bei grundsätzlichen Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes. Die Fachleute kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Botanik, Ökologie, Forst, Fischerei, Landwirtschaft, Biologie und Wasserwirtschaft. In diesem Jahr ist das Gremium für die kommenden fünf Jahre neu bestellt worden.
Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes wurde in diesem Jahr ein weiterer wichtiger Baustein, auch für den Klimaschutz, auf den Weg gebracht. Der Beschluss fiel in einer Sondersitzung des Kreistages im November einstimmig.
Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll kontinuierlich ausgebaut werden, damit ihn möglichst alle Bürgerinnen und Bürger nutzen können. Ohne Mobilität wären wir alle nicht da, wo wir heute sind. Das freie Bewegen von A nach B hat aber auch negative Folgen, beispielsweise für die Umwelt oder die zunehmend vollen Straßen.
Es ist eine der Herausforderungen unserer Zeit, den Wunsch nach Mobilität auf der einen Seite sowie den Schutz von Umwelt und Klima auf der anderen Seite unter einen Hut zu bekommen.
Veränderungen
im Landratsamt
Der Öffentliche Personennahverkehr kann und muss ein Teil der Lösung sein. Wir müssen den Landkreis und die Stadt Rosenheim als einen Verkehrsraum betrachten, den ÖPNV stetig ausbauen mit dem Ziel, dass alle Bürgerinnen und Bürger die angebotenen Busse sowie alle weiteren dem Öffentlichen Nahverkehr dienlichen Verkehrsmittel einfach und bequem nutzen können. Selbstverständlich immer unter der Vorgabe, die zur Verfügung stehenden Steuergelder effizient und sparsam einzusetzen. Denn, auch das muss klar sein, mehr Öffentlicher Personennahverkehr kostet Geld.
Der Landkreis wird seinen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz leisten, das verspreche ich Ihnen und ich hoffe sehr, Sie tun das auch. Jeder einzelne Bürger kann etwas tun, kann einen kleinen Beitrag leisten, damit unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben.
Auch im Landratsamt selber stehen die Zeichen auf Veränderung. Die Erweiterung und Sanierung des Landratsamtsgebäudes in der Wittelsbacherstraße 55 in Rosenheim läuft auf Hochtouren. In diesem Jahr wurde Richtfest gefeiert. Das Verwaltungsgebäude wurde in Richtung Osten um etwa 12,5 Meter erweitert und auf der gesamten Länge um eine Etage aufgestockt.
Dadurch konnte die Zahl der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze mit 150 nahezu verdoppelt werden. Voraussichtlich im März/ April des Jahres 2020 werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die neuen Büros einziehen können.
Außerdem sollen im kommenden Jahr erste Erkenntnisse aus der Bürgerbefragung umgesetzt werden. Rund 400 Interviews hatte ein Marktforschungsinstitut in diesem Jahr mit Bürgerinnen und Bürgern geführt, die in den Monaten davor, wegen ihres Anliegens im Amt waren.
Die Befragung ergab, dass 89 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit dem Landratsamt zufrieden sind. Über 62 Prozent hatten auf die Frage nach der Zufriedenheit sogar mit „Außerordentlich zufrieden“ und „Sehr zufrieden“ geantwortet.
Die Befragung hat aber auch gezeigt, wo Nachbesserungsbedarf besteht. Ganz oben auf der Liste stehen die Öffnungszeiten und die telefonische Erreichbarkeit. Das sind zwei Punkte, die das Landratsamt im kommenden Jahr verbessern möchte, für noch mehr Kundenfreundlichkeit.
Weichen für 2020
sind gestellt
Das alles wird dann unter den Augen einer neuen Landrätin oder eines neuen Landrates passieren. Landrat Wolfgang Berthaler hat sich nach seinem schweren Sturz im Sommer 2018 nicht mehr für eine weitere Amtszeit aufstellen lassen. So sehr mir die Arbeit, die Atmosphäre und der Teamgeist im Landratsamt gefallen haben, so sehr freue ich mich auch, wenn die Doppelbelastung – Bürgermeister zu sein und den Landrat zu vertreten – zu Ende geht.
Die Weichen für das kommende Jahr sind gestellt und wir alle können etwas dazu beitragen, dass das Jahr 2020 ein erfolgreiches wird. Ich wünsche Ihnen ein gelungenes, friedliches und glückliches neues Jahr.