Neumarkt-St. Veit – Eine Umfrage in Neumarkt-St. Veit macht derzeit von sich reden. Dr. Christian und Eva Guse hatten die Neumarkter Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Meinung zur künftigen Stadtplatzgestaltung in einer Unterschriftenliste abzugeben. Zwei Varianten standen dazu zur Wahl, klein und groß, mit dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der Unterzeichner – knapp 90 Prozent – für eine kleinere Lösung sei. Sogar von einem Bürgerbegehren ist nun die Rede. So weit, so gut. Jetzt aber meldet sich die Stadt Neumarkt-St. Veit selbst zu Wort. Der Vorwurf: Den Bürgern werden bei dieser Umfrage Informationen vorenthalten, die aber wichtig wären für ein repräsentatives Ergebnis. Bürgermeister Erwin Baumgartner bezieht Stellung.
Nicht alles
berücksichtigt
Der Neumarkter Rathauschef bringt dabei den Punkt Barrierefreiheit ins Spiel, der in der Umfrage überhaupt nicht erwähnt worden sei. Eine Absenkung der Gehwege und der Wegfall des Bordsteins waren in der Planung aber berücksichtigt. Der Bürgermeister teilt mit: „Der Wegfall des Bordsteines erfordert eine Anpassung der Quergefälle des Pflasters zwischen Gebäude und Straße.“ Der Anpassungsbereich, also der Höhenausgleich, erstrecke sich überwiegend im Bereich der Hauskanten bis annähernd an die Straßenkante, „ansonsten würden ein nicht begehbares Quergefälle entstehen oder nicht barrierefreie Anrampungen“. Unter anderem war zuletzt aus dem Umfeld der Initiatoren geäußert worden, dass eine Erneuerung von Leitungen mit überschaubarem Aufwand zu stemmen sei.
Baumgartner entgegnet: „Nur eine Neuverlegung der Pflasterung im Bereich der zu erneuernden Leitungen ist nicht möglich.“ Und er erklärt: Die Grundbreite für die Kanal- und Wasserleitungsgräben betrage einen Meter, zusätzlich für die Breitbandverlegung mindestens 0,4 Meter. Durch vorschriftsgemäße Wiederherstellung der angrenzenden gepflasterten Verkehrsflächen werde die Anpassungsfläche des Pflasters bei bis zu 2,5 Meter liegen. Diese Aufgrabungen seien auch bei der „kleinen Maßnahme“ notwendig.
Damit nicht genug, ergebe sich im Zusammenhang mit der Neugestaltung und des Wegfalls des Gehweges mit Bordstein eine Niveau-Änderung, was unter Instandsetzung der bestehenden „Drainbeton“-Schicht Pflasterbettungs-Dicken von stellenweise zehn bis 15 Zentimeter beinhalten würde. Baumgartner warnt: Die Instabilität des Pflasterbelages sei binnen kürzester Zeit nahezu vorprogrammiert. „Keine Baufirma würde uns hierfür eine Gewährleistung geben!“
Baumgartners wichtigstes Argument für eine umfangreiche Sanierung: „Der Stadtplatz kann mit der ,kleinen Maßnahme‘ keine Verbesserung der Barrierefreiheit bringen. Die vorgeschlagene Bauversion ist teilweise technisch nicht realisierbar. Es wird keine Zuschüsse für die kleine Maßnahme geben.“ Baumgartner betont: „Die Kosten für die kleine Version werden bei etwa 50 Prozent der ,großen Maßnahme‘ liegen. Somit ist unter Berücksichtigung der zu erwartenden Zuschüsse bei der ,kleinen Maßnahme‘ keine Ersparnis zu erwarten.“ Bei einem Zuschuss für die erste Rate seien es sogar 78,7 Prozent.
Die geschätzte längere Bauzeit der „großen Maßnahme“ mit etwa acht Wochen bezeichnet Baumgartner im Vergleich zur Gesamtbauzeit als „verschwindend gering“.
Durch die „große Maßnahme“ würden Synergien genutzt. Baumgartner konkret: Außer Arbeiten an Kanal und Wasser werden alle Maßnahmen der Neugestaltung bezuschusst – „somit auch die Pflasterarbeiten in den Spartenbereichen, also für Wasser und Kanal!“
Baumgartner geht es darum, der Bevölkerung klar zu machen: „Es geht letztlich darum, den Stadtplatz mit Blick auf die Zukunft neu zu gestalten, so dass er auch die anstehenden gesellschaftlichen Veränderungen aufnehmen kann und dabei weiterhin ein Stadtraum bleibt, den Bürger und Besucher gerne aufsuchen. Dem Wandel kann man durch Stillstand nicht angemessen begegnen!“, ist er überzeugt. Der Stadtplatz sollte einladen zum Einkaufen, zum Verweilen, zum Ratschen, zum Treffen und auch weiterhin das „Schmuckkästchen“ für Neumarkt-Sankt Veit sein.
An behinderte
Mitbürger denken
In diesem Zusammenhang berichtet Baumgartner von einem persönlichen Erlebnis: „Ich war vor wenigen Tagen bei einer Geburtstagsgratulation. Der Jubilar sitzt im Rollstuhl, hat aber auch ein Elektrofahrzeug, mit dem er auch größere Fahrten, etwa zum Stadtplatz, machen kann.“ Im Moment könne der Jubilar am Stadtplatz wegen der Bordsteine und engen Gehwege nicht an die Geschäfte ranfahren. „Das wird sich auch bei der kleinen Maßnahme nicht verändern, da die Gehwege gleich breit bleiben würden.“ Bei der nun geplanten Version, mit breiten Gehwegen, sei dies künftig möglich. „Es wäre doch schade, wenn man solchen Mitbürgern diese Gelegenheit zum Einkaufen am Stadtplatz nicht bietet!“