Mundschutz? Eher nein

von Redaktion

Corona: Einzelhändler gegen Vorschriften für Kunden und Mitarbeiter

Mühldorf – Sinnvolle Schutzmaßnahme oder unsinniger Aktionismus? Die Diskussion um eine Mundschutzpflicht beim Einkauf läuft. Relativ einmütig zeigen sich die Einzelhändler im Landkreis. Sie halten nicht viel von einer Mundschutzpflicht, weder für Mitarbeiter noch für Kunden.

Elsassbäcker Toni Jung aus Schönberg hat seinen Mitarbeitern in der Produktion einen „Tricolore-Mundschutz“ ausgegeben, die weiße Maske wird von roten und blauen Bändern gehalten – auch wenn er vom Sinn dieser Maßnahme nicht wirklich überzeugt ist. Wichtiger seien Hygiene und Abstand, einen Forderung, die auch alle anderen befragten Einzelhändler vertreten. Das Plexiglas an der Theke seiner Läden hat er bereits vor drei Wochen anbringen lassen. „Schutz geht vor!“, sagt er. Schließlich soll den Menschen ein Gefühl von Sicherheit gegeben werden.“

Bezahlautomat fördert Hygiene

Ob das Gesichtsmasken oder Mundschutz bewerkstelligen? Da hat Katrin Trautmannsberger, Inhaberin der Metzgerei Trautmannsberger in Ampfing, Zweifel. Die Mitarbeiter, die ausliefern, tragen Mundschutz, ansonsten überlässt es auch Trautmannsberger den Mitarbeitern selbst, einen zu tragen. Und für eine Ausweitung auf Kunden spreche nichts: „Sind diese Masken überhaupt sicher?“ Zugutekomme ihrer Metzgerei jetzt, dass sie bereits seit zehn Jahren einen Bezahlautomaten für die Kunden habe.

Abstand zu wahren, das sei in kleinen Geschäften leichter als in großen, sind viele überzeugt. Wenn zu viele Kunden kämen, blieben sie einfach vor dem Geschäft stehen, sagt Harald Rösler, Inhaber der Freien Tankstelle Jettenbach. Nur ein Kunde dürfe in den Verkaufsraum hinein. Für Turgay Akbaba, Inhaber von Burak Feinkost in Neumarkt-St. Veit, ist eine Mundschutzpflicht eine schlechte Idee. „Das ist doch vor allem Panikmache!“ Mundschutz soll nur der tragen, der krank ist.

Viele Einzelhändler sagen, dass es zu wenig Mundschutzmasken gibt. „Wenn es kein medizinischer Mundschutz ist, dann ist er doch sinnlos“, sagt Josef Wimmer von Edeka Wimmer und Lechertshuber, der mehrere Supermärkte in der Region betreibt. Für jemanden, der zwei Äpfel im Markt kaufe, eine hochwertige Maske auszugeben, sei Verschwendung. Gut angenommen würden die Desinfektionsspender am Eingang der Märkte.

Nur medizinischer Mundschutz schützt

Von der Qualität des Mundschutzes spricht auch die Geschäftsführerin des Nah-und-Gut-Marktes in Oberbergkirchen, Claudia Weiß, eine gelernte Krankenschwester: „Gemäß eines professionellen Umgangs müsste der Mundschutz alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden. Wo sollen all die Masken denn herkommen, wo sie schon in Arztpraxen und Krankenhäusern fehlen?“

Worüber man sich ihrer Meinung nach eher Gedanken machen sollte, ist der Schutz der Risikogruppen. „Warum sind besonders die alten Menschen bei Einkäufen unterwegs, wo man diese doch auch zu Hause beliefern könnte?“

Auch Andreas Hofebauer vom Globus erinnert daran, dass nur spezielle Masken wirklich schützen. Er sagt, „dass aktuell die Lebensmittelhandelsunternehmen nicht über die nötigen Bestände zertifizierter Mundschutzmasken verfügen, um alle Mitarbeiter damit versorgen zu können.“ Man sei bemüht, alle Mitarbeiter damit auszustatten. Verpflichtend sei das Tragen aber nicht.

Ähnlich sieht es Markus Hofer vom Feinsinn Bioladen in Mühldorf, der einer Mundschutzpflicht für Mitarbeiter aber offen gegenüber steht. Kunden möchte er aber selbst überlassen, ob sie Mundschutz tragen wollen oder nicht.

„Rein gar nichts“ von einer möglichen Mundschutzpflicht hält Maurin Müller vom Dorfladen Mettenheim. „Ich würde wahnsinnig werden, diese Maske bei der Arbeit zu tragen.“ Manche Kunden kämen mit „Vollanzug“ in den Laden, andere seien entspannter. Noch laufe alles gut. Aber strenger sollen die Schutzmaßnahmen nicht sein, um die Wirtschaft nicht noch mehr abzuwürgen.

Jüngere helfen

Wo sollen den all die Masken

herkommen, wo sie schon in Arztpraxen

und Krankenhäusern fehlen?

Claudia Weiß

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