Mühldorf – Die Lebensmittelnahversorgung in der Mühldorfer Altstadt ist schwierig. Mit dem Norma-Markt schließt der einzige Supermarkt im Innenstadtbereich. Neben Metzgereien gibt es dann lediglich einen kleinen syrischen Lebensmittelmarkt und Naturkost Geuder. Eine Genossenschaft betreibt jetzt den ehemaligen Naturkostladen Geuder und hat große Pläne.
Existenz des Ladens stand auf dem Spiel
Dr. Marc Stegherr ist einer der Initiatoren der Genossenschaft „Milamü“ – „Mitmachladen Mühldorf“. „Es wäre sehr schade, wenn es in der Innenstadt außer der Norma kein Lebensmittelgeschäft mehr geben würde“, sagt er über die Beweggründe der Genossenschaftsgründer. Inhaberin Conny Geuder, soviel steht seit Monaten fest, wird sich nach 30 Jahren aus dem Geschäft zurückziehen.
Und damit begannen laut Stegherr die Schwierigkeiten. Ein neuer Geschäftsführer, Kapital, Strategien fürs Überleben, mit der Genossenschaft sollen die Grundlagen dafür gelegt sein. Stegherr zählt auf: „Wir schaffen ein finanzielles Fundament, schaffen den Übergang und können Projekte finanzieren.“ Für die Genossenschaftsmitglieder offensichtlich ein plausibles Vorgehen. Nur wenige Monate nach der Gründung im September 2019 zählt Milamü gut 100 Mitglieder. Manche haben nur einen Anteil gekauft, andere mehrere. „Irgendwann“, sagt Stegherr, „können wir vielleicht Ausschüttungen zum Beispiel in Form von Rabatte vornehmen.“ 90 Prozent der Genossen kommen aus der Region, es gibt aber auch Anteilseigner zum Beispiel aus Norddeutschland.
Aus Idealismus mitmachen
Die Motivation, mitzumachen, sei bei den meisten Genossenschaftsmitgliedern ähnlich. „Es ist ihnen ein Anliegen, ein Geschäfts für vernünftige Lebensmittel aus der Region am Stadtplatz zu erhalten.“ Drei Mitglieder hat der Vorstand, neben Stegherr gehören ihm Markus Veen und Martina Meier-Krapf an.
Ein Aufsichtsrat kontrolliert die Arbeit. Neben einem Geschäftsführer beschäftigt die Genossenschaft vier Teilzeitkräfte, die ehemalige Inhaberin Geuder steht beratend zur Seite.
Um künftig präsenter zu sein, will der Laden Anfang des nächsten Jahres direkt an den Stadtplatz umziehen. Dort soll es dann auch ein Café geben. „Wir sind froh, wenn er sich trägt und am Stadtplatz etabliert“, sagt Stegherr.
Neu ist die Genossenschaftsidee nicht, laut Stegherr gibt es in Wasserburg, Burghausen und Neuötting Bioläden, die als Genossenschaften betrieben würden. Das Model funktioniere auch bei einigen Dorfläden.
Für Hetzl ein
mutiger Entschluss
Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl, selbst ehemaliger Kaufmann am Stadtplatz, , nennt die Gründung einen „mutigen Entschluss“. Er sagt: „Es freut mich, dass sich so viele zusammen gefunden haben, um den Bioladen zu retten.“ Er verweist auf den Banken- und Bioladen-Sektor, in dem es bereits Genossenschaften gibt. Ob das auch ein Modell für andere Geschäfte sein könne, sei nicht pauschal zu beantworten.