Mühldorf – Mit einem Zehnerl war alles geritzt – zumindest wenn es um den Monatsbeitrag beim Rauchclub „Innviertler“ aus früheren Zeiten geht. Heute zahlen die 53 Mitglieder des Vereins zwar einen höheren Beitrag in die Vereinskasse, doch die Grundidee, Geselligkeit unter die Bevölkerung zu tragen, ist gleich geblieben.
Drehen wir die Zeit ein ordentliches Stück zurück: Anno 1911 gründeten eine Handvoll gestandener Mannsbilder den Rauchclub. Gerüchte sagen, daran wären auch einige Ehefrauen Schuld gewesen. Diese hätten ihren Männern verboten, Pfeife oder Zigarre zu rauchen.
Pfeiferauchen
gehörte dazu
Ob das wirklich stimmt, kann ist nicht mehr nachzuvollziehen. Jedenfalls marschierten die Männer frohgemut hinein ins Bräu-Stüberl an der Weißgerberstraße, der ersten Herberge des Rauchclubs. Dort durften die Herren ungeniert zu Tabak und Feuer greifen. Gerade Pfeiferauchen gehörte in den Gründerjahren zu einem gemütlichen Stelldichein.
Heute lassen sich höchstens noch fünf oder sechs Mitglieder des Clubs den Tabak schmecken. „Unser Verein beruht auf Gesellschaft und sozialem Engagement“, stellt Vorsitzender Ernst Hausner klar, der seit 2007 den Club leitet. Der 64-Jährige erteilte dem Tabak bereits 1983 eine Absage. Ehefrau Brigitte hingegen ist einer Zigarette nicht abgeneigt.
Weil im Rauchclub „Innviertler“ nur noch wenige Mitglieder dem blauen Dunst zugetan sind, kam vor Jahren der Gedanke auf, dem Verein einen neuen Namen zu geben. Dieses Ansinnen wurde jedoch wieder verworfen. „Die Gründerväter tauften den Verein Rauchclub – und dabei bleiben wir“, sagt Ernst Hausner.
Anni Weichselgartner wird in einer Chronik als erstes weibliches Mitglied des Clubs erwähnt. In ihrer Funktion als Herbergsmutter stieg sie nach Vereins-Eintritt im Jahre 1945 gleich zum Ehrenmitglied auf.
Es dauerte dann noch sage und schreibe 18 Jahre, bis weitere Frauen als gleichberechtigte Mitglieder aufgenommen wurden. Mittlerweile ist der Verein natürlich längst bunt gemischt. Franziska Prinz, Brigitte Hausners Mutter, ist heute mit 87 Jahren eines der ältesten Vereinsmitglieder.
Die „Innviertler“ sind generell mit Senioren gesegnet, während die jüngeren Leute scheinbar wenig Interesse für den Rauchclub aufbringen. „Das ist sehr schade“, klagt Ernst Hausner. Er würde sich mehr Nachwuchs wünschen, am besten Paare, die sich in der Mitte ihres Lebens befinden. Der Vorsitzende schwärmt von den Unternehmungen seines Vereins. Da wurden neben zahlreichen Festivitäten und Tagesausflügen auch schon Reisen nach Moskau und Mallorca unternommen.
„Als ich meine Brigitte heiratete, sind wir gleich am selben Abend mit dem Verein nach Paris geflogen“, berichtet Hausner. Weite Reisen gehören aufgrund der Altersstruktur der Vereinsmitglieder inzwischen allerdings der Vergangenheit an. „Ein Preisrauchen gibt es auch seit ewigen Zeiten nicht mehr“, sagt Brigitte Hausner und schmunzelt. Bei diesem ungewöhnlichen Wettbewerb, der 1956 erstmals in den Analen auftauchte, musste jeder Teilnehmer eine Zigarre rauchen. Wessen Zigarre am längsten brannte, wurde zum Sieger gekürt.
Geldbetrag für
soziale Zwecke
Was die Mitglieder des Clubs aber nach wie vor betreiben, ist ihr soziales Engagement. Bei jeder Monatsversammlung der „Innviertler“ geht ein Sparschwein um. Einmal im Jahr ist Schlachttag. Den Geldbetrag spenden die Clubmitglieder dann sozialen Zwecken.
Wer noch mehr über den Verein wissen will oder gar Interesse an einer Mitgliedschaft hat, der kann sich bei Ernst Hausner unter Telefon 08631/14122 melden.