Polling plant Wegeausbau in Biotop

von Redaktion

Bund Naturschutz sieht Wildbienen-Lebensraum gefährdet – Gemeinde: Keine Gefahr

Grünbach/Polling – Bayern schützt die Bienen, so lautet der Slogan seit dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“. „Ganz Bayern? Nein!“, sagt Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. „Eine kleine Gemeinde im Landkreis Mühldorf scheint die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben“. Bei Grünbach in der Gemeinde Polling soll ein Hohlweg mit Lehmwänden voller Wildbienen einem Wegeausbau zum Opfer fallen, damit ein einzelnes Gehöft besser erreicht werden kann. Falsch, sagt Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger: „Die bestehende Kiesstraße soll asphaltiert werden und nicht die Lehmwände“. Die Planungen hätten ergeben, dass der Ausbau den geringsten Eingriff in die Natur darstellt.

Wertvoll für das
Landschaftsbild

Für den Bund Naturschutz ist die Entscheidung unverständlich. Bei dem Hohlweg handelt sich um ein kartiertes Biotop, das einen wichtigen Lebensraum für gesetzlich geschützte Arten darstellt. Derart beeindruckende Hohlwege sind nach Ansicht der Naturschützer auch von kulturhistorischer Bedeutung und wertvoll für das Landschaftsbild.

Bereits im Vorfeld wurde durch die Fällung der Großbäume an der Hangkante der Lebensraum geschädigt. Eine Baumfällung außerhalb der Vogelbrutzeit hält Kronberger an dieser Stelle für vertretbar. Auf die in der Planung, aufgrund der geringen Straßenbreite von 3,5 Metern vorgesehene Ausweichstelle könnte eventuell verzichtet werden. „Dieser Verzicht würde zwar nicht die Lehmwände betreffen, aber einen kleinen Eingriff im unteren Bereich der Straße überflüssig machen“, erklärt der Bürgermeister.

Er erläutert, dass der Straßenausbau im Zuge von drei Maßnahmen zur Hoferschließung durch das Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern stattfindet. Dabei soll die bestehende Kiesstraße asphaltiert werden. Die Lehmwände und somit die Lebensräume der Wildbienen bleiben erhalten. „Die Darstellung des BN-Vorsitzenden stellt somit eine bewusste Falschinformation dar“, sagt Kronberger. Die Planungen der Straße sehen keinen Eingriff in die bestehenden Lehmwände an der linken Straßenseite vor. Lediglich auf einem rund zehn Meter langen Teilstück soll die Engstelle am rechten Fahrbahnrand neu angelegt werden.

„Im Schreiben vom BN-Vorsitzenden wird suggeriert, als würde eine Gemeinde hier rigoros Natur zerstören. Das ist beileibe nicht so, im Gegenteil“, sagt der Pollinger Bürgermeister. Die Gemeinde habe neben dem Bauingenieur auch einen Landschaftsarchitekten zur Planung hinzugezogen. Bereits im Vorfeld wurden verschiedene Alternativtrassen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Ausbau der seit Jahrhunderten bestehenden Straße keinen weiteren Landverbrauch wie die übrigen Trassen erfordert. Außerdem stehen für Alternativtrassen keine Grundstücke zur Verfügung.

Amt stuft Projekt
als förderfähig ein

Auch das Amt für ländliche Entwicklung sieht an den Planungen keine Naturzerstörung und konnte diese Baumaßnahme als förderwürdig einstufen.

Der Naturschutzverband, so die Pressemitteilung, befürchtet, dass der Ausbau wegen Zuschüssen vorangetrieben wird, damit diese nicht verfallen. Dabei gäbe es eine weitere Zufahrtsmöglichkeit, die ohne Naturzerstörung optimiert werden könnte. Trotz längerer Grundstücksverhandlungen sollte diese Lösung gewählt werden.

Dieser Ansicht ist auch die Gemeinderätin Lena Koch (Bündnis90/Die Grünen): „Kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen, ist für mich genauso existenziell wie der Erhalt seltener Arten. Hier sehe ich einen Weg, beides zu verwirklichen – Bienenschutz und eine verbesserte Hofzufahrt. Schließlich funktioniert Landwirtschaft nur in einem intakten Ökosystem.“

Dazu erklärt der Pollinger Bürgermeister Lorenz Kronberger, er habe „sowohl Herrn Zahn schriftlich und auch Frau Koch durch intensive Akteneinsicht die Möglichkeit gegeben, sich davon zu überzeugen, dass die Lebensräume der Bienen erhalten bleiben“. Er führt weiter aus, dass neben dem Erhalt der Lehmwände noch zwei Sickermulden für die Straßenentwässerung geplant sind. Hier können neben dem Trockenlebensraum noch wechselfeuchte Standorte für weitere Tier- und Pflanzenarten angelegt werden.

Vorbildfunktion contra Erreichbarkeit im Notfall

Gemeinden sollten mit gutem Beispiel vorangehen, erklärt der Bund Naturschutz. Er betont, dass nicht vom Bürger Bienenschutz im Garten verlangt werden kann und Landwirte zur Pflege von Blumenwiesen aufgefordert werden, wenn die öffentliche Hand bei solchen Projekten auf Kosten der Natur die einfachste Lösung wählt. Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger sagt dazu: „Für mich als Bürgermeister gilt es, geringste Eingriffe in die Natur und die Schaffung von zeitgemäßen Hofzufahrten für den Erhalt kleinbäuerlicher Landwirtschaft abzuwägen. Jeder von uns weiß um die Bedeutung einer geeigneten Zufahrtsmöglichkeit für Rettungskräfte, Winterdienst und Schülerbeförderung.“ Er bekommt Unterstützung von Feuerwehrkommandant Alois Steinberger: „Als zuständiger Kommandant für das Einsatzgebiet Grünbach würde ich einen Ausbau der Zufahrt zum Anwesen Hechenberg begrüßen. Die Erreichbarkeit würde im Notfall wesentlich erleichtert. Im Winter kommt es hier durch die Kombination aus schlechten Straßenverhältnissen und witterungsbedingten Einschränkungen zu deutlichen Erschwernissen, wie man auch beim Brand im Jahr 2017 gesehen hat. Sicherlich stand das Anwesen damals bereits fast im Vollbrand, als die Alarmierung erfolgte. Es wäre wohl keine Rettung möglich gewesen. Dennoch ist ein schnelles Erreichen des Einsatzortes Voraussetzung, denn jede Minute zählt.“

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