Neumarkt-St. Veit – „Unsere Enkel sagen: Wenn wir mal aus dem Haus sind, dann machen sie ein Museum daraus“, sagt Rosmarie Reichgruber und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Denn nichts anderes ist das Eigenheim der Neumarkter. Ihr Gatte Bernhard ist jedenfalls voll in seinem Element, wenn er durch sein Reich führt und immer wieder Sammelstücke hervorholt. Zu jedem hat er eine Geschichte parat.
Viele Exponate von der Klosterbrauerei
Vitrinen und antike Schränke, voll bestückt mit Sammelstücken, wovon manche nur träumen können: Im Haus der Reichgrubers gibt es in jedem Zimmer etwas zu entdecken. Eben zeigt Bernhard Reichgruber einen schmiedeeisernen Raben mit beweglichem Schnabel. Vor über 100 Jahren haben Raucher ihre Zigarren im Auge des Vogels angeschnitten, erklärt der leidenschaftliche Sammler.
Gleich darauf zeigt er zwei „Arme Christi“-Figuren. Flaschen, in denen die Kreuzigung Christi mit vielen Beigaben dargestellt ist, die bayerische Form des Flaschenschiffs. „Religiöse Volkskunst“, sagt der 70-Jährige dazu. Die Exponate stehen in Glasschränken zwischen Puppen von Steiff und Schuko, wo auch die Landshuter Hochzeit in Zinn zu sehen ist, dazu metallenes Spielzeug aus dem Erzgebirge. Die Wände sind voller Regale und Simse, auf denen Reservistenkrüge, Bronzefiguren und solche aus Stein und Holz stehen. So wundert es auch nicht, dass es im Hause Reichgruber auch fast alle Reklamestücke aus Glas, Papier und Blech zu sehen gibt, die an die St. Veiter Brauerei erinnern.
„Angefangen hat meine Sammelleidenschaft, als in meiner Kindheit der Mühlbach in Neumarkt zugeschüttet wurde“, berichtet Bernhard Reichgruber.“ Damals hätten die Landwirte ihre Häuser renoviert und sehr viele Sachen vom Speicher zum Verfüllen in die Gruben geworfen. „Da gab es auch einige religiöse Dinge, auch Korbpuppenwagen oder Stofftiere, Spielzeug und besondere Reklameartikel“, berichtet der Neumarkter. „Durch Tauschen mit älteren Sammlern lernte ich damals schon, Kunst von Schund zu unterscheiden. Mich interessierten immer die besonderen Dinge, die Materialien, die Technik in den Geräten und vor allem die Herstellungsweisen all dieser Dinge. Durch Lesen und Fragen stille ich meinen Forschergeist.“
Seine Rosmarie ergänzt, dass bei der Urlaubsplanung stets berücksichtigt worden sei, ob es am Ziel dann auch Flohmärkte gibt. Auch an den Wochenenden fuhren die beiden zu solchen Märkten. Zwischen München und Landau waren die beiden Neumarkter unterwegs, denn auch seine Frau fand Gefallen an den Puppen, Tieren und Gegenständen. Sie erklärt: „Wenn Bernhard zum Beispiel einen besonderen Aschenbecher gekauft hatte, dann dauerte es nicht lange und er hatte 50 Stück. Wenn ich dann auf etwas anderes spekuliert habe, dann habe ich natürlich einige Sammlerstücke verkauft, um die neuen bezahlen zu können. Ich würde sagen, meine Sammelei trägt sich.“
Vermessungsgerät
ist das Herzstück
Sein Herzstück ist derzeit ein Vermessungsgerät von Joseph von Fraunhofer, mit dem Joseph von Utzschneider vor 200 Jahren Bayern vermessen ließ. Er hat davon alle Utensilien mitsamt dem Kompass und kann die Funktionsweise genau erklären – eine ganz besondere Geschichtsstunde. „Von jedem der vielen 100 Stücke weiß mein Mann genau, wo er es erworben hat und was er dafür gegeben hat. Und wenn ich in der Wohnung mal etwas woanders hinstelle, sieht er das sofort“, berichtet Gattin Rosmarie Reichgruber. Und sie findet das ganz normal – so muss das bei Sammlern aus Leidenschaft wohl auch sein.