Ohne Einschränkungen geht es nicht

von Redaktion

Schüler, Lehrer und Eltern erzählen, mit welchen Gefühlen sie in das neue Schuljahr starten

Waldkraiburg – Endlich wieder Schule! Nach den Sommerferien ist in den Schulen der Unterricht gestartet. Damit sind zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder alle Schüler gleichzeitig in den Klassenzimmern. Doch ganz ohne Einschränkungen geht es nicht. Schüler, Lehrer und Eltern erzählen, wie sie damit umgehen.

An allen weiterführenden Schulen gilt in den ersten beiden Wochen die Maskenpflicht auch während des Unterrichts. Ein Umstand, der nach dem ersten Schultag für Moritz Schwippl noch gewöhnungsbedürftig ist: „Die nimmt einem die Lust und manchmal ist man damit einfach schwer zu verstehen.“ Auch wenn das Atmen schwerfalle, überwiege dennoch die Freude, wieder mit der ganzen Klasse zusammen zu sein. „Wegen Corona ist es vielleicht nicht das Beste, dass wir wieder alle zusammen sind. Aber es passt so einfach besser“, sagt Schwippl, der dieses Jahr seinen Abschluss an der Realschule Waldkraiburg macht. Obwohl alle wieder zurück im Klassenzimmer sind, fühle sich vieles noch anders an. „Corona ist immer noch Gesprächsthema bei uns.“ Außerdem dürfe man keinen Kontakt zu Schülern aus anderen Klassen haben. „Das geht einfach ab.“

Miteinander reden und sich sehen – das hat vielen Schülern in den vergangenen Monaten gefehlt. Zum Schulbeginn waren Lehrer und Schüler der Franz-Liszt-Mittelschule gleichermaßen aufgeregt. „Die Freude, endlich wieder alle Kinder zu sehen war groß. Dennoch war auf beiden Seiten die Angst da, sich nicht an alle Regeln zu halten“, erzählt Julia Watzinger, die die Klassenleitung einer sechsten Klasse übernommen hat. Die Maskenpflicht ermüde die Schüler, aber jammern würde keiner. Doch auch für die Lehrer ist die Maskenpflicht „anstrengend“. „Selbst wenn alle 22 Kinder leise sind, versteht man sie kaum.“ Doch nicht nur im schlechteren Verständnis sieht sie ein Problem. „Gerade Schüler mit Migrationshintergrund können sich schwertun im Englischunterricht, wenn sie die Mundbewegungen nicht sehen.“

Obwohl alle Schüler zurück sind, bleibt die Ungewissheit wegen Corona. „Wir können nicht richtig planen, sondern müssen flexibel bleiben.“ Falls wegen zu hoher Corona-Zahlen die Schulen wieder geschlossen werden müssen, sieht sich Julia Watzinger „gut vorbereitet“. Um nicht ein zweites Mal überrascht zu werden, habe man bereits an der Franz-Liszt-Mittelschule Online-Kurse vorbereitet. „Kurzfristig können wir gut reagieren, aber wie sieht es langfristig aus? Das weiß keiner“, sagt die Lehrerin.

Wieder Homeschooling? Das hofft Birgit Lanzinger jedenfalls nicht. Ihre jüngste Tochter geht an der Realschule in die achte Klasse, sie selbst ist aktuell noch zweite Elternbeiratsvorsitzende. Auch wenn die Lehrer ihre Arbeit während der Schulschließung „sehr gut gemacht“ haben, sei die Zeit nicht einfach für die Kinder gewesen. „Es ist wichtig, dass die Schüler wieder zusammen sind. Das hat ihnen gefehlt.“ Dass sich die Freunde auch wieder in der Schule sehen, das sei viel wert – gerade auch vor dem Hintergrund der Raumsituation an der Realschule.

„Wir haben es geschafft, dass wir für jede Klasse ein Zimmer haben“, sagt Realschulrektor Werner Groß. An der Realschule Waldkraiburg, die vor wenigen Jahren noch mit mehr als 1400 Schülern unter extremer Raumnot litt, ist das keine Selbstverständlichkeit. „Die Schüler bleiben in den ersten zwei Wochen in den Zimmern, wechseln auch in keine Fachräume.“ Bei 1115 Schülern kann die Bewegung im Haus so gering wie möglich gehalten werden. Falls wirklich Rückkehrer sich angesteckt haben, könne die Infektionskette leichter nachvollzogen werden. „Wir müssen in diesem Fall nicht die ganze Schule vorübergehend schließen, sondern nur eine Klasse.“

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