Lebenszeichen des Kulturbetriebs

von Redaktion

„Erlesene Oper“ spielt „Scherz, List und Rache“ im Haus der Kultur Waldkraiburg

Waldkraiburg/Rosenheim – Ein Lebenszeichen des Kulturbetriebs in der Region sendet derzeit die „Erlesene Oper“ aus. Das Ensemble des Vereins spielt „Scherz, List und Rache“ als Tournee-Oper. Nach der gefeierten Premiere in Rosenheim (siehe Kritik von Georg Füchtner im Infokasten) ist nun ein Gastspiel im Haus der Kultur in Waldkraiburg geplant – am Donnerstag, 12. November, um 19.30 Uhr zum Start der Reihe „Oper am Klavier“.

Der Verein hat für die Corona-Zeit ein neues Format von Oper entwickelt: Statt eines Orchesters spielt ein Pianist am Klavier die Begleitung. Die ursprünglich drei Stunden dauernde komische Oper für drei Singstimmen und Klavier, für die Johann Wolfgang von Goethe das Libretto und der blutjunge Max Bruch die Musik geschrieben haben, wurde im Stile des Straßentheaters um die Hälfte gekürzt, sodass keine Pause notwendig ist.

Gereon Kleiner
begleitet am Klavier

Sieglinde Zehetbauer, Bernhard Teufl und Andreas Agler singen und spielen die lebhafte, heitere Handlung. Am Klavier begleitet sie Gereon Kleiner. Regie führt Georg Hermansdorfer, der Leiter des Opernensembles, das sich in den vergangenen Jahren mit etlichen wiederentdeckten Opern einen Namen gemacht hat. Zuletzt spielte das Ensemble Aubers „Dem Schelm die Hälfte“ und Joplins „Treemonisha“.

Die Handlung der komischen Oper: Ein geiziger und skrupelloser Doktor hat die reiche Erbtante des Ehepaars Scapine und Scapin auf dem Sterbebett gedrängt, ihr Testament zu seinen Gunsten zu ändern. Das junge Ehepaar will sich nun durch Scherz und List rächen und so wieder in den Besitz des Geldes kommen. Scapin hat sich deshalb als Diener im Haus des Doktors anstellen lassen und dabei erkundet, wie man das verlorene Geld wiederbekommen kann. So beauftragt er seine Frau Scapine, als vermeintlich Kranke beim Doktor anzuklopfen. Nach der Behandlung stellt sich Scapine tot. Durch einen Trick wird der Doktor der Fehlbehandlung angeklagt und erpresst. Als dann die in den Keller beseitigte „Leiche“ zu geistern beginnt, kann die gesamte Summe wieder zurückerobert werden.

Begeistert von der Commedia dell‘arte schrieb Goethe den Operntext „Scherz. List und Rache“, den der junge Max Bruch mit 18 Jahren als Opus 1 vertonte. Max Bruch (1838 bis 1920) zählt zu den traditionellen Romantikern, die sich wie Brahms gegen die Neuerungen, die Wagner einführte, wehrten. Bruchs Werke sind von eingängigen Melodien und traditionellem Formdenken geprägt.

Er war ein frühbegabtes Musikgenie, das heute fast nur durch sein zweites Violinkonzert präsent ist. Das Singspiel hat er für drei Solisten und Klavier komponiert und es nie instrumentiert – wohl in dem Bewusstsein, dass es eine Perle der Kammermusik bleiben sollte.

Der Text
stammt von Goethe

Dass Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) einige Operntexte verfasste, ist den meisten unbekannt. Doch Goethe leitete auch das Weimarer Hoftheater, an dem reger Opernbetrieb herrschte. Nach seiner Italienreise war er so begeistert von der Commedia dell´arte, dass er sich in diesem Genre mit dem Opernlibretto „Scherz, List und Rache“ versuchte. Der mit ihm befreundete Züricher Komponist Philipp Christoph Kayser (1755 bis 1823) vertonte das Werk, das jedoch wegen Überlänge – vier Akte, drei Stunden mit drei Darstellern – scheiterte.

Bruch erkannte diese Schwäche und ließ es durch Ludwig Bischoff auf rund 90 Minuten kürzen. Noch kompakter erleben es nun die Besucher im Haus der Kultur. ha

Vorverkauf

Karten gibt es im Haus der Kultur in Waldkraiburg zu folgenden Öffnungszeiten:

Mittwoch und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr; Telefon: 08638/959312; online unter www.kultur-waldkraiburg.de.

Ein Auszug aus der Premierenkritik in Rosenheim

Rosenheim – Mit „Scherz, List und Rache“ hat die „Erlesene Oper“ unter der Leitung von Georg Hermansdorfer im Hans-Fischer-Saal im Künstlerhof am Ludwigsplatz eine „Oper am Klavier“ auf die Bühne gebracht, die vom Premierenpublikum stürmisch bejubelt wurde. (...) Hermansdorfer ist eine kurzweilige und vergnügliche Inszenierung gelungen.

Die Besetzung der Oper mit Sieglinde Zehetbauer als gerissene Scapine, Bernhard Teufl als ihrem Gatten Scapin und dem schrulligen Doktor, den Andreas Agler mit Sinn für Situationskomik verkörperte, hätte kaum passender sein können.

Begleitet wurde das Trio von Gereon Kleiner am Klavier. Nach einer melodisch-beschwingten Ouvertüre führte Sieglinde Zehetbauer als Verkäuferin mit einem Korb Äpfel klangschön in das Geschehen ein. Scapin, der vom Doktor als Diener angestellt wurde, kennt bald alle Verstecke und informiert seine Frau über seinen listigen Plan.

Witzig war bereits das Duett zwischen Scapin und dem Doktor, der lustvoll sein Geld im Kasten zählt, raffgierig eine Münze vom Boden aufhebt und mit mächtigem Bariton: „Süßer Anblick, Sinnenfreude“ schmettert. Seine skurrile Mimik, die schwarze Brille und seine buschige Perücke, die ihm auch mal vom Kopf rutschte, sorgten beim Publikum zusätzlich für Heiterkeit. (...) Geschickt arrangiert war das Bühnenbild mit den leicht verschiebbaren Wandelementen, stimmig die zeitgemäße Kostümierung, temporeich die drei Akteure, die hervorragend miteinander harmonierten. Sorgfältig und ansprechend gestaltet ist das Programmheft. Bleibt zu wünschen, dass die gelungene Inszenierung der Oper im Kammermusikformat noch viele Besucher sehen werden wird. Georg Füchtner

Artikel 1 von 11