Mühldorf – Das zweite Konzert nach sieben Monaten Zwangspause: Man merkte Martin Kälberer die unbändige Freude an, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen – wenn es auch nur etwa 50 Gästen gelungen war, Karten zu ergattern. Kälberer war nach Mühldorf gekommen, um sein neuestes musikalisches Projekt vorzustellen. An diesem Abend brillierte der Künstler allein und im Duett mit der Cellistin Fany Kammerlander.
Reise in den
hohen Norden
„Baltasound“ heißt dieses Projekt, benannt nach dem größten Ort auf der Insel Unst, der nördlichsten der Shetland-Inseln. Kälberer ist dort gewesen, im Norden Schottlands. Auf Unst leben nur 632 Einwohner, ihre Fläche beträgt gerade einmal 122 Quadratkilometer. Trotz einiger Menschen ist es ein Sinnbild der Einsamkeit, aber auch der Offenheit, des freien Blicks. Das Hinweisschild des Albumcovers führt daher nicht zu einem verlorenen Posten, sondern in Richtung eines Inspirationsraumes, der gerade durch seine Kargheit zur Gestaltung herausfordert.
Auf den Shetlands hatte Kälberer das „Hang“ dabei, das gedengelte, einem Wok-Topf ähnliche Perkussionsinstrument mit dem sphärischen Klang, mit dem er den Abend eröffnete.
Mit „Peatbog“ ging es weiter, „peat“ steht für Torf und „bog“ für Sumpf oder Moor und so heißt auch eine kleine Insel im Norden Großbritanniens. Blaues Licht auf der Bühne, Kälberer am Flügel und Kammerlander am Cello – der Zuhörer konnte sich dabei auf eine Insel im Nordmeer versetzt fühlen. Auf dem Flügel als Solist präsentierte Kälberer „Meer“, ein neues Lied. Das letzte Stück vor der Pause spielte er auf dem Kubal und entlockte diesem indisch anmutende Klänge, erinnerte an Bob Marley und Reggae.
Nach der Pause ging es mit einem Paukenschlag weiter, einer über 15 Minuten dauernden Kombination von drei Titeln: „Lost“ am Anfang und „Turn“ am Ende, im Mittelteil glänzte Fany Kammerlander mit Variationen von Johann Sebastian Bach – eine gelungene Mischung! Auch hier wurde ein nicht alltägliches Instrument eingesetzt: Es erinnert an eine Melodika mit S-förmigem Mundstück und Mundharmonika-Klang. Kälberer liebt und sammelt runde blecherne Musikinstrumente wie Hang oder Kubal. In einem Film sah er ein den beiden ähnliches Instrument und bestellte es in Russland. Die RAV erfüllte des Künstlers Erwartungen voll. Kälberer demonstrierte im nächsten Stück, was man damit alles anfangen kann.
„Farewell“ bildet
krönenden Abschluss
Das letzte Stück trägt den Titel „Near and far“, nah und fern, und entstand in seiner Grundform auf der Reise in den hohen Norden. In Mühldorf endete diese Reise mit zwei Zugaben. Bei der ersten kamen noch einmal sämtliche Instrumente auf der Bühne zum Einsatz, begleitet durch kehlige Laute Kälberers und Fingerschnipsen. „Farewell“, das „Lebewohl“ bot den krönenden Abschluss eines unbeschreiblich schönen Abends mit zwei Ausnahmekünstlern. hra