Mühldorf – Nicht zufriedengeben will sich der Mühldorfer Stefan Kagerer mit den Antworten, mit denen das Landratsamt Mühldorf auf seine Kritik reagiert hatte. Er hatte bemängelt, dass nach dem Bombenfund in Mühldorf vor einer Woche nicht alle Anwohner über die Evakuierung informiert worden waren. Der Bewohner der Gregor-Wienner-Straße bleibt bei seiner Meinung, „dass wir übrig geblieben sind“.
Er betont dabei, dass er keineswegs Vorwürfe an die Einsatzkräfte geäußert habe, „weil mir klar war, dass so eine Evakuierung eine riesen Herausforderung darstellt“. Dass bei einer groß angelegten Aktion auch Fehler passieren können, sei durchaus nachvollziehbar. „Aber dass das Landratsamt diese nicht eingestehen will, sondern die Schuld auf die Anwohner abwälzt, finde ich nicht in Ordnung und das ärgert mich auch.“
Das Landratsamt hatte behauptet, dass bei der Evakuierungsmaßnahme alle im dafür definierten Radius befindlichen Straßenzüge berücksichtigt und die Bürger über den Bombenfund informiert worden seien. Wörtlich heißt es auf Nachfrage: „Die Einsatzkräfte haben ihr Möglichstes getan. Es wurden alle Häuser einzeln abgegangen. Im Anschluss erfolgten mehrere Kontrollfahrten.“ Abschließend sei sogar ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingesetzt worden. „Erst nachdem vonseiten der Polizei die Information erteilt wurde, dass niemand mehr auf der Straße war, ist die Freigabe zur Entschärfung erteilt worden.“
Kagerer sieht sich nun als Opfer der strikten Befolgungen von Anweisungen an diesem Tag. „Wir hatten ab 18.30 Uhr unsere Sachen für eine Übernachtung in der abgeschlossenen Einliegerwohnung bei den Schwiegereltern in Töging gepackt und waren abfahrbereit. Ich habe an dem Abend ständig auf der Internetseite des Landratsamts nachgesehen, und da war bis zuletzt zu lesen, dass die Anwohner das betroffene Gebiet nicht ohne Anweisung der Einsatzkräfte mit dem eigenen Auto verlassen sollten.“ Den Verweis auf das Bürgertelefon hätte sich das Landratsamt sparen können, sagt Kagerer. „Ich habe an dem Abend mindestens zehnmal versucht, unter einer der beiden angegebenen Nummern anzurufen, bin aber nie durchgekommen!“
Die Frage, die sich Kagerer stellt: Warum hat man es nicht gemacht wie das Rote Kreuz bei den Blutspenden und die Anwohner per Megafon informiert?
Zur Anweisung, dass die Anwohner nicht selbstständig das Gebiet verlassen sollten, heißt es aus dem Landratsamt, dass kein Verkehrschaos ausgelöst werden und ein geordnetes Vorgehen gewährleistet sein sollte. Und schließlich teilt die Pressestelle der Behörde noch mit, dass bei der Evakuierung die zeitliche Komponente eine wichtige Rolle gespielt habe. Grundsätzlich sei auch das Verfahren mit Lautsprecherdurchsagen erörtert worden. Aber: „Die Fahrzeuge zu rekrutieren und entsprechend zu rüsten war aufgrund des eng gesteckten zeitlichen Korridors für die Evakuierung nicht zielführend.“ Josef Enzinger