Mühldorf – Kritik gab es im Mühldorfer Hauptausschuss zur Maßnahme, Gruppen der Notbetreuung in den Kindertagesstätten zusammenzulegen. „Dies löste einiges Unverständnis bei den Eltern aus. Elternbeiräte bemängelten, die Begründung wäre unschlüssig und die Gruppenvergrößerungen nicht nachvollziehbar“, erklärte der Referent für Jugend und Familie, Gottfried Kirmeier (SPD), in der Sitzung. In dieser Woche habe es bereits zwei große Gruppen gegeben, die in Quarantäne mussten. Den Elternbeiratsvorsitzenden zufolge seien nun auch Kinder betroffen, die ohne diese Zusammenlegung in den kleineren Gruppen weiter betreut werden könnten.
Kritische Worte an den Bürgermeister
Mit diesen kritischen Worten an Bürgermeister und Stadtverwaltung leitete Kirmeier auf einen Fragenkatalog an die Stadt über, den er in der Folge verlas. Wie er dazu sagte, erwarte er auf die elf Fragen keine umfassenden Antworten in der Sitzung, sondern wäre mit einer schriftlichen Antwort seitens der Stadt zufrieden. Dies befürwortete auch Bürgermeister Michael Hetzl (UM) und sagte die gewünschte Beantwortung zu.
Dennoch entwickelte sich zu dem Thema eine Diskussion, zu deren Beginn Hetzl klarstellte, es seien keine Gruppen zusammengelegt worden, sondern die Betreuungseinrichtungen seien aufgrund der hohen Inzidenzwerte aus rein rechtlichen Gründen geschlossen worden.
In der Folge habe die Stadt eine Notbetreuung eingerichtet. Dies habe aber mit dem üblichen Kindergartenbetrieb nichts zu tun. „Ich kann die Eltern voll und ganz verstehen“, versicherte Hetzl. Er erinnerte: Mühldorf sei bei den Inzidenzwerten an erster Stelle in Bayern und an zweiter Stelle in Deutschland gelegen.
In diesem Zusammenhang appellierte Hetzl an alle Eltern, das Betreuungsangebot so wenig wie möglich zu nutzen, um Kontakte und mögliche Ansteckungen zu minimieren. „Die Stadt hat begrenzt bis gar keinen Spielraum in einer Hochinzidenz“, sagte Hetzl. Und er betonte: „Der Sparaspekt in irgendeiner Form spielte bei der Kinderbetreuung nie eine Rolle.“
Auf dieses Thema ging Kathrin Enzinger (Grüne) konkret ein. Sie verstehe nicht, dass das Instrument der Kurzarbeit von einer Stadt eingesetzt werde, zum Beispiel im Kulturamt. Für Kurzarbeit in der Kinderbetreuung habe sie überhaupt kein Verständnis.
Walter Springer, Leiter der Personalabteilung der Stadt, wies diesen Vorwurf vehement zurück. Die Einrichtungen hätten aufgrund der hohen Inzidenzwerte geschlossen werden müssen und in der Folge sei die Notbetreuung eingerichtet und Kurzarbeit eingeführt worden. Die Kurzarbeit stehe nicht im Vordergrund, sondern sei Folge der speziellen Situation und eines geänderten Betriebs, weshalb er die Diskussion nicht verstehe, so Springer. In Anbetracht der Situation seien immer noch zu viele Kinder in Betreuung. Hetzl bestätigte dies: „Die Kurzarbeit ist unser letztes Maß, aber wir müssen das Ganze einhalten.“
„Wir tun das Bestmögliche für unsere Kinder“, versicherte Hetzl und gestand zu, dass in der aktuellen schwierigen Situation jeder den für sich passenden Ausweg suche. In diesem Zusammenhang appellierte er in der Sitzung mehrmals an alle Eltern, sich solidarisch zu zeigen und sich an die Regeln zu halten.
Personal
müsste rochieren
Stephan Schinko (Grüne) wandte sich gegen eine Schuldzuweisung an die Eltern, weil sie ihre Kinder in die Betreuung bringen, und schlug vor, in der Notbetreuung die Gruppen zu halbieren. Man müsse seitens der Stadt auf die Lebenswirklichkeit reagieren.
Springer hielt dem entgegen, beim Prinzip der festen Gruppen würden die zu betreuenden Kinder nicht weniger. Außerdem müsste dann Personal rochieren, um die Betreuung zu bewältigen, was wiederum ein höheres Ansteckungsrisiko mit sich brächte. Hier gehe das Bewusstsein der Eltern ab, so Springer, wobei er zugab, dass es sicher auch Elternteile gebe, für die die eigene Betreuung der Kinder nicht machbar sei.
Hetzl sagte abschließend, das Vorgehen der Stadt werde im Detail überlegt, „aber die Regeln sind die Regeln, die können wir nicht umschreiben“.