Polarisierung ist ihre Masche

von Redaktion

„Sturm“ aufs Inn-Klinikum

Im Streit um Corona und die richtigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben sich die Fronten verhärtet. Der Ton ist rau in der öffentlichen Diskussion, vor allem aber in den Chatrooms im Netz. Immer wieder werden dort Argumente durch Anfeindungen ersetzt, Fakten durch Fakes und Diskussionsbeiträge durch Drohungen.

An einigen Stellen sind die Grenzen des Erträglichen längst überschritten. Wenn ein Impfgegner über einen Messengerdienst 20 Männer auffordert, mit ihm ins Waldkraiburger Rathaus zu gehen, um den Bürgermeister „unter Druck zu setzen“. Oder ein anderer gar zum „Sturm“ auf die Intensivstationen im Inn-Klinikum Altötting/Mühldorf aufruft, um „die Krankenhäuser beim Lügen“ über die Zahlen der Covid-Patienten zu ertappen.

Wie immer distanziert man sich natürlich hinterher, relativiert, das sei alles ja gar nicht so gemeint gewesen. Im Wissen, dass diese Botschaften sich verbreiten und die zunehmende Sprachverrohung Spaltung und Gewalt in die Gesellschaft trägt.

Polarisierung ist ihr Geschäft. Das ist eine altbekannte Masche von Populisten und Extremisten, auf die niemand hereinfallen sollte. Jedenfalls nicht diejenigen, denen an einem konstruktiven, auch strittigen Ringen um den richtigen Weg aus der Corona-Krise gelegen ist. Falsch wäre es deshalb, sich bei der Verurteilung der Scharfmacher aufzuhalten und sie mit den Besorgten zu verwechseln, die nicht wissen, wohin mit ihrem Protest.

Vor allem die, die Verantwortung tragen in der Demokratie, müssen alles tun, um deeskalierend zu wirken. Dass der Waldkraiburger Bürgermeister Robert Pötzsch seine Stellungnahme zur unsäglichen Impfprotest-Aktion mit einer Einladung an alle Bürger in seine Sprechstunde beendet hat, mögen manche für naiv halten. Andere für verantwortungsbewusst. Der Gesprächsfaden darf nicht abreißen.

Artikel 2 von 11