Viele Herzensangelegenheiten

von Redaktion

Schmidbauer und Kälberer begeistern Publikum im Haberkasten-Innenhof

Mühldorf – „Endlich wieder spielen – vor richtigen Menschen mit richtigen Gesichtern“ – freudestrahlend begrüßte Werner Schmidbauer mit seinem Freund Martin Kälberer die 175 Zuschauer im Innenhof des Haberkastens. Seine Texte hätten sich verändert, so der Gitarrenvirtuose, obwohl er kein einziges Wort ausgelassen habe. Verändert hätten sich durch Corona aber die Inhalte und die Herangehensweise. Die Lieder an diesem Abend sind nur Herzenslieder.

Virtuos an vielen
Instrumenten

Mit „I glaubs ned“ beginnt ein wunderbarer Abend, Schmidbauer an der Gitarre und singend. Kälberer an einem der unzähligen Instrumente, die er beherrscht. Das Sonderbarste: ein Hang. Dieses Instrument, das eher an einen Wok erinnert, erfand ein Schweizer im Jahr 2000. Die beide nennen es seit der erfolgreichen Süden-Tour mit dem Sizilianer Pippo Pollina „Südhang“. So wie das Stück, das sie sogleich präsentieren. Kälberer glänzt auch auf den Drums, dem E-Piano, dem Akkordeon und selbst an einer Tonvase.

Es sind viele Botschaften, die Schmidbauer im Haberkasten aussendet. Bei „Momentnsammler“ beschwört er die Zuhörer: Das einzige, das sich zu sammeln lohne, seien die schönen Momente, „nicht das Streben nach Geld, Macht und Ruhm“. Ein Lied aus seiner Jugend, das er im Kassettenrekorder seines damaligen Peugeot 105 so lange gehört habe, bis sich die Kassette gefressen habe, stammt vom Sänger von U2, von Bono. Er hörte es erst Jahre später in einer Version von Johnny Cash. Aus „One“ macht Schmidbauer „Oans“. Es handelt von oft schwierigen Beziehungen zwischen Menschen und ist nur live zu hören.

Eine große Leidenschaft von Werner Schmidbauer sind die Berge, die Liebe zu ihnen verdankt er seinem Vater. In „Herobn“ drückt er diese Leidenschaft aus. Es ist ihm „zugeflogen“, als er eines Abends kurz vor Sonnenuntergang auf dem Gipfel des Brünnsteins saß.

Schmidbauer erzählt auch von der Liebe zu seinem Vater, der ein begeisterter Bergwanderer war. Ganz offen berichtet er, wie diese enge Verbindung während der Pubertät abgerissen sei. Er fand sie erst mit 24 Jahren auf einer gemeinsamen Schneeschuhwanderung wieder. Ein Jahr sei diese wegen einer Tournee ausgefallen, wieder ein Jahr später konnte sie nicht mehr stattfinden – Schmidbauers Vater war in den Bergen tödlich verunglückt. Ihm widmet er das Lied „Dei Liacht“.

Danach geht es in eine komplett andere Richtung. Heiter wird es – und vor allem die Frauen lachen, wenn Schmidbauer die Gebrechen von alternden Herren aufzählt.

Kreuzweh und Knieschmerzen, nächtliche Toilettenbesuche und der Schreck vor dem eigenen Spiegelbild. Schmidbauer weiß, was noch schlimmer ist als Männer um die 60: Männer um die 60 im Lockdown.

Den Gedanken
freien Lauf lassen

Schmidbauer lässt sich als Liedermacher auch von seiner Tochter inspirieren, die als Zweijährige bei einem Spaziergang bei Bad Aibling vor einer Pferdekoppel steht und ruft: „Glück ghabt, Pferdl gsehn.“ Schmidbauer spielt dazu Mundharmonika.

Der Abschluss ist einem ganz Großen gewidmet: Nelson Mandela. Ein großartiges Finale zu Ehren eines großen Friedenspolitikers, der 27 Jahre für seine Ziele im Gefängnis saß und die Apartheid abgeschafft hat. Und auch lässt Schmidbauer seinen Gedanken freien Lauf: Noch größer werde dieser Mann, wenn man schaue, wer heutzutage alles Länder regieren dürfe.

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