Waldkraiburg – „Zu Hause geblieben und es trotzdem geschafft!“ Dieses Motto hatten sich die 84 Abiturienten vom Gymnasium Waldkraiburg für ihren Abschluss gewählt und sie trafen damit den Nagel auf den Kopf: Ist der Reifeprüfungsdurchschnitt mit 2,14 der bislang beste der 35000 bayerischen Gymnasiasten, so lag man in Waldkraiburg mit dem Spitzenergebnis von 2,15 nur einen Wimpernschlag darüber.
Studiendirektor Thomas Fraundorfner bedauerte in seiner Begrüßung die Masken- und Abstandspflicht, doch sei man froh über eine gemeinsame Feier in der Dreifachhalle. Dies bekräftigte stellvertretender Landrat Richard Fischer, weil er nicht nur per Video an der Verabschiedung teilnehmen konnte. „Euer Lebenszug startete vor 18 Jahren und mit dem heutigen Tag seid ihr gewiss nicht in einem Sackbahnhof gelandet. Nach diesem erfolgreichen Schritt heißt es, weiterhin die richtigen Weichen zu stellen.“
Bürgermeister Robert Pötzsch verglich, wie selbstverständlich früher der Schulweg beschritten wurde und welche Unwägbarkeiten Corona mit sich gebracht habe: „Jeder von euch muss eigene Strategien entwickeln, sich neuen Verhaltenskodices fügen. Ihr werdet diese Herausforderungen meistern und dazu mein Wunsch: Vergesst Waldkraiburg nicht!“
Mit Ungewissheiten
umgehen
Für Elternbeiratsvorsitzenden Dr. Helmut Rochlitz der ideale Anknüpfungspunkt: Jeder wisse, dass Persönlichkeitsbildung nur im Klassenverband möglich ist. Umso höher sei deshalb ihr Durchhaltevermögen im Corona-Jahr einzuschätzen wie auch das des Lehrerteams und der Elternschaft, nachdem das Direktorat rasch und umsichtig Entscheidungen zum Online-Unterricht getroffen hatte.
Schülersprecher Nico Kraxenberger betonte: „Das Wichtige an der Schule war und ist, dass man sich wie in einer Familie aufgehoben fühlt.“ Anna-Sophie Mußner blickte mit Tobias Friesenbichler als Vertreter aller Abiturienten auf die Schulzeit zurück, von den Kennenlerntagen der 103 Neulinge der 5. Klassen über Schüleraustausch bis zu Studienfahrten und schließlich den Corona-Einschränkungen. „Dabei haben wir gelernt, mit Ungewissheiten umzugehen“, meinten beide übereinstimmend, bevor sie – mit Ironie gewürzt – allen ihren Lehrern ganz persönliche Worte widmeten.
Leistungen
nicht kleinreden
In der Verabschiedung „seiner“ Abiturienten zeigte Schulleiter Helmut Wittmann das fragile Pandemiegebäude auf. Ein Hin und Her von Wechsel-, Distanz- und Präsenzunterricht, von Videokonferenzen und Online-Noten verbreitete Unsicherheit. „Dass die Abitur-Prüfungen störungsfrei verliefen, war vor allem eurem Verantwortungsbewusstsein und eurer Besonnenheit zu verdanken, eurer Bereitschaft, sich in offener Kommunikation sachlich auseinanderzusetzen.“
Das Ergebnis all der Anstrengungen: Von den 88 Schülern und einer externen Bewerberin schafften 84 das Abitur: „Drei von euch erhielten die Traumnote 1,0, elf können sich über ein Einser-Abitur freuen und bei 34 steht eine Eins vor dem Komma.“
Auf die Frage nach dem Wert des Abiturs meinte Wittmann, dass Universitäten und Unternehmen zunehmend andere Qualifikationen berücksichtigten, denn das differenzierte Bildungssystem mache Schulabschlüsse immer weniger vergleichbarer. Den Abitur-Jahrgang forderte er auf: „Lasst euch eure Leistungen nicht kleinreden. Jeder von euch hat vielfältige Möglichkeiten, seine Zukunftsvorstellungen zu verwirklichen.“ Frühere Generationen hatten eine geringere Auswahl, heute aber kommt mehr Verantwortung auf die jungen Leute zu. Aber auch politisch würden sich viele einbringen, zum Beispiel in der Klimabewegung. Die junge Generation glaube schließlich – wie Umfragen zeigen – nicht mehr uneingeschränkt an die Werte der Eltern, denn selbst bei der Bewältigung der Corona-Krise tauchten organisatorische Mängel auf, die man sich kaum vorstellen konnte. „Bei vielen von euch drohten sich Wut und Verzweiflung mit fortschreitender Pandemiedauer einzustellen, besonders auch nach Appellen wie dem unserer Bundeskanzlerin, „ein wenig geduldiger zu werden“. „Es spricht sehr für die junge Generation hier in der Halle, für die verantwortungsvolles Verhalten selbstverständlich war.“
Mit dem Überreichen der Zeugnisse ehrte Helmut Wittmann 21 Abiturienten für ihr überdurchschnittliches Engagement im sozialen, musisch-künstlerischen und sportlichen Bereich. Anna-Sophie Mußner erhielt einen Sozial-Preis für ihr herausragendes Gemeinschaftsverhalten. Dazu gab es Auszeichnungen für Bestleistungen wie für Christoph Binsteiner in Physik, für Jessy Geck und Fabian Jona in Chemie und für Jannick Säckl in Wirtschaft/Recht. Herausragend unter ihnen Tobias Stadler, der geehrt wurde für das beste Physik-Abitur, für das beste Chemie-Abitur und das beste Mathe-Abi.
Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Yves-Seraphin Clocuh, Veronika Oberloher, Josephine Fürfanger und Raphael Lindner.