Haag – Die Nerven im Haager Bauausschuss liegen blank, zumindest wenn es um das Thema Baugebiet „Südlich der Lerchenberger Straße II“ geht. Auch in der jüngsten Sitzung wurde wieder über das Thema gestritten. „Mir reicht’s jetzt langsam hier“, sagte Herbert Zeilinger (WFH). Angesichts der andauernden Diskussion müsse sich der Ausschuss die Frage stellen: „Wollen wir dieses Baugebiet, oder nicht?“
Zufahrt steht
in der Kritik
Zu diskutieren gibt es viel. Denn es scheint, als sei niemand in Haag zufrieden mit den Planungen des Gebiets, weder die Mitglieder des Bauausschusses, noch die Anwohner. Diese hatten die Möglichkeit der erneuten Öffentlichkeitsbeteiligung genutzt und die Planungen massiv kritisiert. Insbesondere die Pläne für die Zufahrtswege wurden infrage gestellt.
Die Anbindung über die Alpenstraße sei zu schmal und drohe zu überlasten. Auch stelle sich die Frage, ob größere Fahrzeuge, wie Müllabfuhr und Feuerwehr, überhaupt noch einbiegen könnten.
Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) sah keinen Anlass für Bedenken, die Anbindungen seien ausreichend. Zudem sei die Straße im Baugebiet bereits auf acht Meter verbreitert worden (wir berichteten). Außerdem werde die Erschließung mit der Polizei geprüft und abgeschlossen.
Diese Ansicht teilten jedoch nicht alle im Gremium. Bernhard Grabmeyer (FWG) schlug vor, die geplante Parallelstraße zur Alpenstraße von fünf auf sieben Meter zu verbreitern. Schätz war von dem Vorschlag nicht begeistert: „Ich warne davor, die Straßen noch weiter zu verbreitern.“ Jeder Quadratmeter würde auf die Kosten der Bürger gehen.
Auch Eva Rehbein (SPD) stellte infrage, ob die Verbreiterung der Straßen nötig sei. Andreas Sax (CSU) stimmte Grabmeyer jedoch zu: „Bei einer Breite von fünf Metern kann ich mir nicht vorstellen, wie dort das Müllauto oder die Feuerwehr bequem abbiegen können.“
Schätz schlug vor, an der Breite von fünf Metern festzuhalten und zu prüfen, ob hier eine Einbahnstraße gebaut werden könnte. Dies wurde vom Gremium jedoch mit fünf zu fünf abgelehnt. Der Vorschlag zur Verbreiterung wurde daraufhin mit drei Gegenstimmen angenommen.
Auch die Entwässerung des Baugebiets stieß bei Anwohnern auf Kritik: Mehrere Bürger äußerten ihre Befürchtung, dass die geplanten Zisternen und das Regenrückhaltebecken nicht ausreichen könnten und dass es zu Überflutungen mit Schäden an den umliegenden Häusern kommen könnte.
Bürgermeisterin Schätz verwies auf den Erschließungsplan, der vorsieht, überschüssiges Regenwasser zusätzlich in den Altdorfer Mühlbach einzuleiten. Auch dieser Plan stieß jedoch auf Skepsis. Klaus Breitreiner (CSU) verwies auf die Verrohrung des Mühlbachs und stellte die Frage, ob das Rohr das Wasser im Fall eines Starkregenereignisses noch abtransportieren könne. Martin Kleinle vom Bauamt versicherte, dass das Amt über die neuralgischen Stellen Bescheid wisse. „Wir sind da dran“, versicherte er.
Diese Aussage konnte aber einige Ausschussmitglieder nicht überzeugen. „Für Altdorf ist das also nicht gesichert“, stellte Christine Sax (Grüne) fest. „Wenn der Bach unten voll ist, dann kommt das Wasser trotzdem an.“ Kleinle erklärte: „Wir haben andere Probleme.“ Die Menge, die der Mühlbach an dieser Stelle abführt, spiele eine untergeordnete Rolle. Schätz verwies zudem auf die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes, das die Kanalführung abgesegnet hatte. Breitreiner stellte dennoch den Antrag, die Kanalführung erst nach Altdorf zu legen. Dieser wurde mit fünf zu fünf abgelehnt.
Das dritte Bedenken der Anwohner bezog sich auf die Trinkwasserversorgung. Ob es sinnvoll sei, ein neues Baugebiet zu beginnen, wenn einer der Brunnen in Haag nur noch bis 2025 in Betrieb sein dürfe (wir berichteten). Mit zusätzlichen Bewohnern werde die Trinkwasserversorgung der gesamten Gemeinde gefährdet, so die Befürchtung der Anwohner.
Grünes Licht vom
Wasserwirtschaftsamt
Schätz gab sich jedoch gelassen. In Haag seien weitere Brunnen in Betrieb. Die Suche nach einem alternativen Standort laufe bereits und werde ihren Erwartungen nach vor 2025 abgeschlossen sein. Zudem habe auch das Wasserwirtschaftsamt das Baugebiet abgesegnet.
Dies sah Sax aber anders. Er empfinde die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes „als leichte Watschn“. Denn das Amt erklärte auch, dass die „Trinkwasserversorgung langfristig nicht gesichert“ sei, sondern nur bis 2025. Kleinle erklärte jedoch, dass die Wasserversorgung kein Problem sei, angesichts der Leistungsfähigkeit des Haager Trinkwassersystems.
Schließlich wurde das vorgestellte Erschließungsmodell mit drei Gegenstimmen angenommen.