Gastspiel

Willkommen bei den Schwarzmanns

von Redaktion

VR-Musiksommer 1500 Besucher erleben einen unterhaltsamen Kabarettabend

Tüßling – Mal einen Tag zu Hause bei den Schwarzmanns, das wär‘s. Mal hören, sehen und erleben, wie es so zugeht in Altomünster. Wie witzig Mama Martina den Alltag mit vier Kindern, Ehemann und Weiberstammtisch meistert. Weil am Biobauernhof aber kein Platz für all die neugierigen Schwarzmann-Fans ist, nimmt die Kabarettistin Mann und Kinder und Weiberstammtisch mit rauf auf die Bühne.

Dort spielen sie die Hauptrollen in den Geschichten der Kabarettistin, die über „zweispurige Nasenramerotzglocken“ in den Mund-Nase-Masken der Kinder genauso wunderbar sinnieren kann wie über Staubwuckerl hinter der heimischen Klotür – sehr zur Freude der 1500 Besucher im ausverkauften Tüßlinger Schlosspark.

Eigentlich hätten ihr die Kinder ja verboten, live bei der Arbeit über Rotzglocken und Co. zu sprechen, sagt Schwarzmann, um das privat-berufliche Dilemma auf ihre Art zu lösen. Die „Kinder“ mutieren in den Erzählungen offiziell zu „minderjährigen Mitbewohnern“. Und inoffiziell: „Is‘ mir des eh wurscht.“ Schließlich habe sie sich den Titel ‚Beste Mama der Welt‘ „mühsam erpresst“.

Der Ton ist durchaus derb und rau an diesem Abend, aber nie beleidigend. Martina Schwarzmann führt ihre Protagonisten augenzwinkernd vor, nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst und holt ihr Publikum genau dort ab, wo es täglich steht, sitzt und liegt: am Supermarktparkplatz im Streit mit einem „Preißn“; im Wirtshaus beim Lästern über die Freundin, die grad auf dem Klo ist; im Ehebett bei „oreidigen sexuellen Praktiken“.

Dass ihre unaufgeregte Art der Unterhaltung auch beim „VR-Musiksommer“ in Tüßling bis in die letzten Reihen funktioniert, beweist Martina Schwarzmanns großes Talent: Open-Air-Kabarett ist schwierig, weil die enge, dichte Atmosphäre eines Saals fehlt und die Distanz zum Zuschauer schon mal 100 Meter betragen kann. Den Besuchern gibt sie neben tiefbayerischem Humor vor allem eine Botschaft mit: den Alltag mit mehr Gelassenheit und Toleranz anzugehen. „Toleranz ist ein Gewinn an Lebensqualität, weil Intoleranz einfach so viel Arbeit macht.“ Ganz praktisch gedacht: „Man muss daheim viel weniger putzen, wenn man den eigenen Dreck einfach toleriert.“

Toleranz wäre ein gutes Stichwort gewesen, um dem etwas in die Jahre gekommenen Programm „Genau Richtig“ (2017) einen Schuss Aktualität zu verpassen – gerade mit Blick auf die Corona-Debatte um Künstler und Kulturschaffende. Doch Martina Schwarzmann belässt es bei ein paar Anekdoten aus dem Lockdown, in dem sie den Homeschooling-Lehrplan der Kinder zum Beispiel eigenhändig gekürzt hat. „Wenn man das alles, was die Kleinen lernen sollen, im Leben braucht, dann wüsst‘ ich doch auch einen Teil davon.“

Die 42-Jährige spielt auf der Bühne kein Theater, sie ist geradeheraus, grundkomisch und ganz bei sich. Wie schwer ihr die Corona-Zwangspause dennoch gefallen sein muss, wird am Ende deutlich: Als Zugabe – gerade noch rechtzeitig, bevor der Regen einsetzt – packt sie ein neues Lied aus.

Es handelt nicht von den täglichen Begegnungen mit irgendwelchen „Deppen“, die so häufig die Basis für ihre Pointen bilden. Es geht um einen „flach zammdruckten, eitrockneten Frosch“, der sich in der Not als Teebeutel eignet. Die Idee zu dem Stück lag in der eigenen Hofeinfahrt. Also dort, wo der kreative Horizont coronabedingt enden musste.

Man darf gespannt sein auf das Lockdown-Programm „Ganz einfach“, das im Oktober Premiere feiern soll. „Sofern der Oktober überhaupt stattfindet“, sagt Martina Schwarzmann und lächelt. Wenn jemand die Hürden des Alltags mit Humor nehmen kann, dann sie.

Bühne frei für Sara Brandhuber

„A Gschenk mittendrin. Wie der kostenlose Keks zum Cappuccino“: So kündigte Martina Schwarzmann ihre „Kabarett-Praktikantin“ Sara Brandhuber an, der sie für zwei Stücke die Schlosspark-Bühne überließ: Die Landshuterin schlägt ähnliche Töne wie das große Vorbild an und fügte sich stimmig in das Schwarzmann-Programm ein. Nur reden und singen kann sie doppelt so schnell.

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