Zwischen Baumaschinen und Inzidenzen

von Redaktion

So gehen die Neumarkter Geschäftsleute mit Stadtplatzsanierung und Corona um

Neumarkt-St. Veit – Endlich Sommer und offene Geschäfte: Ist nach dem Lockdown für die Einzelhändler auch die Kauflust zurückgekehrt? Die Geschäftsleute ziehen eine erste Bilanz, auch unter dem Eindruck, dass derzeit auf dem Stadtplatz fleißig gebaut wird und Behinderungen in Kauf zu nehmen sind.

„Unser Hauptgeschäft läuft immer im Winter ab, sodass wir uns eigentlich einen ruhigen Sommer erlauben können“, erklärt Cornelia Marchner vom Brautmodengeschäft „Foxy Brides“. „Im Winter wird nicht viel geheiratet, deshalb ist jetzt nicht so viel los bei uns.“ Im vergangenen Jahr ging wegen des Lockdowns gar nichts. Doch jetzt vergebe sie schon wieder Termine für Ende des Jahres. Schließlich werden die Brautkleider nach Wunsch gefertigt, und das könne bis zu fünf Monate dauern.

Doch sie sagt auch: Viele Heiratswillige seien immer noch unsicher, ob man nächstes Jahr wirklich feiern dürfe. Der Umbau des Stadtplatzes mache ihr nicht zu schaffen. Der Lärm sei zwar manchmal gewaltig. Die Anproben finden aber im hinteren Teil ihres Ladens statt, „und da hört man ihn kaum“.

Wer will schon Bilder
mit Mundschutz?

Den Ausfall von Hochzeiten spürt vor allem Fotograf Wolfgang Kluck. Sechs Termine seien 2020 gestrichen worden. Sie seien seines Wissens auch nicht nachgeholt worden. Auch das Interesse an Bildern von Kommunionen oder Firmungen sei nicht gerade groß. „Bilder von Priestern und Bischöfen mit Maske werden kaum gekauft.“ Er spüre jedenfalls von den Erleichterungen nach dem Lockdown so gut wie gar nichts. „Es geht auch sonst nicht viel in dieser Zeit!“

„Während des Lockdowns konnten wir unseren Kunden die Bestellungen ausliefern. Dann lief das Geschäft eine Zeit lang ganz normal“, erklärt Stephan Liebl vom Haushalts- und Eisenwarengeschäft Clemente am Stadtplatz. Sein Geschäft ist vom oberen Tor her durch ein Labyrinth an Bauzäunen erreichbar. Vom Süden her wurde der Bürgersteig mit einer Asphaltdecke versehen für die Zeit, in der die Baufirma Betriebsurlaub angemeldet hatte. „Für die schweren Artikel haben wir auf der Rückseite Vorkehrungen getroffen. Von der Stadtplatzseite läuft alles ziemlich normal. Starke Einbußen hatten wir eigentlich nur in den drei Wochen, als das untere Tor geschlossen war.“

Liebl betont, dass die Bauarbeiter ausgesprochen hilfreich seien und rücksichtsvoll arbeiten würden. „Auch die Stadt unterstützt uns nach Kräften.“ Ein Sonderlob gelte dem stellvertretenden Bauhofleiter Thomas Voglsamer, der Ansprechpartner für die Anlieger während der Baumaßnahme ist. Lobend über die Baufirma und die Stadt spricht auch Brigitte Lächele vom Gärtnerladen am Stadtplatz. Ihr Geschäft ist seit Beginn der Arbeiten von Baugruben und Bauzäunen umgeben, aber doch erreichbar. „Wir können unsere Waren draußen anbieten, da sprechen wir uns mit den Bauarbeitern gut ab.“

Kunden schätzen
die Begegnungen

Freilich sei dies schwierig für ältere Personen mit Rollator, „aber wir liefern bei Bestellungen gerne aus“. Sie sagt aber auch: „Es wäre schön, wenn bis Mitte Oktober der Platz frei wäre, denn dann brauchen wir den Platz für Grabschmuck.“

Christian Göttlinger, Vorsitzender der Verkehrs- und Werbegemeinschaft und Inhaber eines Lederwarengeschäftes, sagt, dass sich das Kaufverhalten geändert habe: „Es ist anders als vor Corona. Die Kunden freuen sich zwar darauf, bummeln zu können und sie schätzen die Begegnungen. Ich selbst merke, dass beispielsweise Reisegepäck kurzfristig gekauft wird.“ Für ihn als Einzelhändler sei es da schwierig, zu planen. „Schwierig auch deshalb, weil wir nicht wissen, was der Politik noch alles einfallen wird.“

Sein Urteil zur Stadtplatzsanierung: „Es überwiegt der Pragmatismus.“ Die Zugänglichkeiten seien gewährleistet. Problematisch sei lediglich das Parken. Wenn man nicht direkt vor dem jeweiligen Geschäft parken könne, aber etwas Schweres einzuladen hat, sei das nicht optimal. „Aber es ist auch kein Supergau.“

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