Impfpflaster statt Wadlstrümpf‘

von Redaktion

Man schaut den anderen an. Kurz zuckt die Hand vor, dann zuckt sie wieder zurück, dann zuckt der andere mit den Schultern. Zweimal geimpft, sagt er, die Hand zuckt wieder nach vorn. Na gut, auch zweimal geimpft, kurzes Zucken, Grüß Gott.

Hätten Sie sich solch eine Szene im Sommer vor zwei Jahren vorstellen können? Dass man auch nur einen Gedanken daran verschwendet, einem anderen die Hand zu geben oder nicht? Vor zwei Jahren hat man um diese Zeit vielleicht daran gedacht, was man zum Volksfestauftakt anzieht. Die Kurze oder die Dreiviertellange? Rotes Karo oder blaues? Und wenn eine junge Frau im Top vorbeigegangen wäre, am linken Oberarm ein kleines Pflasterchen, hätte man vielleicht überlegt, wie hübsch sie wohl im Dirndl aussähe. Und heute denkt man: frisch geimpft.

Dabei – und das ist das eigentliche Drama – tragen viel zu wenige Frauen Pflaster statt Kropfband, zu wenige Männer Impfausweis statt Wadlstrümpfe. Das ist traurig und kann uns, wenn es so richtig blöd läuft, nach der Wiesn 2020 und 2021 auch die im nächsten Jahr kosten.

Wir sollten es einfach als Anreiz nehmen, an unsere und der anderen Gesundheit zu denken. Und den Mehrwert sehen, den die Impfung bringt. Wer heute ein Fußballspiel des TSV Buchbach anschaut, bekommt wie früher spektakuläre Tore, feines Grillfleisch und – jetzt ganz neu – eine schicke Impfung. Die Spritze zum Spritz gibt es ab sofort auch beim Sehen und Gesehenwerden im Venezia auf dem Mühldorfer Stadtplatz. Und die Stadt erlässt Parksündern die Gebühr, wenn die Impftessen Spritz- statt Strafzettel verteilen.

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