Kraiburg – Vielen Anwohnern der Carl-Riedl-Straße und der Bischof-Bernhard-Straße in Kraiburg reicht’s. Sie wollen nicht mehr hinnehmen, dass schwere Landmaschinen oft auch am späteren Abend durch ihre Straßen zur Feldarbeit nach Maximilian und Gundlprechting fahren. Bulldogs, Häcksler und Güllefässer sollen raus aus der Siedlung und einen anderen Weg nehmen. Doch das ist gar nicht so einfach.
Die Initiatoren der Beschwerden, die sich mit ihrem Anliegen und der Forderung, die Straßen auf Fahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen zu beschränken, ans Rathaus und ans Landratsamt gewandt hatten, waren nicht zu erreichen. Annette Jacobi teilt ihre Forderung und hat das Schreiben, wie viele andere, unterzeichnet.
Traktoren brettern
durch schmale Straße
Nichts habe man gegen die Landwirte in Maximilian, betont sie. Das Problem seien Landwirte von außerhalb, die dort Flächen gepachtet hätten. Ein Bauer aus dem Gemeindebereich Taufkirchen etwa und die schweren Fahrzeuge „mit Landshuter und Rosenheimer Kennzeichen“, die durch die schmale Straße ohne Bürgersteig brettern.
Annette Jacobi führt Buch, zählt seit Langem die Verkehrsbewegungen, nicht eine, zwei oder fünf am Tag. 22 Fahrten seien es zum Beispiel am 15. April gewesen, „zwischen 18.15 und 21 Uhr“. Und am 15. Mai weist ihre Statistik „zwischen 17.30 und 21.30 Uhr 40 Bulldog-Fahrten“ aus.
Die Kraiburgerin macht keinen Hehl aus ihrem Ärger, der sich auch gegen die Gemeinde richtet. Im Vorjahr, als die Straße am Gasteig asphaltiert wurde und die Zufahrt zu den Feldern nicht anders möglich war, habe das ganze Viertel ein Schreiben bekommen. In diesem habe die Bürgermeisterin gebeten, den landwirtschaftlichen Verkehr ausnahmsweise zu tolerieren. „Ausnahmsweise! Da haben wir alle hellauf gelacht. Die fahren ja schon immer hier durch“, sagt Jacobi, die seit elf Jahren an der Riedl-Straße wohnt.
Jetzt soll Schluss sein mit der Belästigung. Der landwirtschaftliche Verkehr solle draußen bleiben und künftig über Bäckerlehen und Kolbing und die Staatsstraße nach Wasserburg fahren, ehe er die Abzweigung zur Wuhrmühle und nach Maximilian nehme, schlägt sie vor. Die Zufahrt sei zwar schmal, aber möglich, glaubt sie. „Unmöglich“ findet Josef Mitterreiter das. Wer die Stelle kennt, dem sei klar: Das funktioniere nicht mit 18 oder 20 Tonnen, so der BBV-Obmann, der sich zu dem Konflikt ansonsten nicht äußern will, ehe er sich ausführlich über die Diskussion informiert hat. Abgesehen von dem kilometerweiten Umweg, den so manche Landwirte dann nehmen müssten, hat auch Bürgermeisterin Petra Jackl (CSU) erhebliche Bedenken, den schweren landwirtschaftlichen Verkehr über diese einspurige Zufahrt nach Maximilian zu schicken. Zu schmal, zu gefährlich sei das, findet sie. „Man kann sicher nicht den kompletten landwirtschaftlichen Verkehr über diese Strecke führen.“ Aus ihrer Sicht ist die Carl-Riedl-Straße „die einzig mögliche Zubringerstraße“. Gleichzeitig appelliert die Bürgermeisterin an die Landwirte, „nicht nachts zu fahren und die Düngezeiten nicht in die späten Abendstunden zu verlegen“.
Eine Verkehrszählung
wird es noch geben
Jackl, die den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung über den Konflikt informierte, will nun die Vorschläge der zuständigen Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt abwarten. Es brauche ja einen Weg, „wie wir das verkehrsrechtlich sauber und rechtssicher gestalten“.
Derzeit liegen laut Jackl keine amtlichen Zahlen vor, wie viel landwirtschaftlicher Verkehr tatsächlich durch die Carl-Riedl- und Bischof-Bernhard-Straße rollt. Deshalb werde es wohl noch eine Verkehrszählung geben.
Wie kontrovers das Thema diskutiert wird, wurde auch schon im Gemeinderat deutlich. Sie finde die Haltung der Bürger „enttäuschend“, meinte Kathrin Seidinger. Die CSU-Gemeinderätin erinnerte an die Maßnahmen zur Nachbesserung des Hochwasserschutzes, von denen auch die Anlieger der Wohnviertel profitieren. Da seien die Bauern, die Grundstücke dafür zur Verfügung stellten, recht gewesen.
Und Ernst Kirmeier (UWG) aus Maximilian kündigte bereits an, dass er nicht einverstanden sei, wenn im Zuge der Diskussionen bestehende Geschwindigkeitsbeschränkungen für den Ortsteil infrage gestellt würden.